10. Juni 2015

Ich bin schon immer gerne durch die Stadt gelaufen. Durch all den Schmutz, durch all den Lärm, durch all die Menschen. Morgens schlendere ich gerade häufig vom Rathaus-Center in Ludwigshafen durch die Innenstadt bis in den Stadtteil Süd hinein. Unterwegs kaufe ich mir einen Latte Macchiato to Go.

Nach der Hälfte des Weges komme ich an der städtischen Bibliothek vorbei. Vor drei Jahren hab ich dort ein Buch für einen Kollegen abgegeben und eine Überziehungsgebühr bezahlt. Neben der Bibliothek ist ein Cafe. Früher hab ich dort viel Zeit verbracht. Aber das Cafe hat sich mittlerweile verändert und ich fühle mich darin nicht mehr richtig wohl. Das Cafe gehört Valle. Valle ist einer der nettesten Menschen, die ich kenne. Gegenüber vom Cafe ist irgendeine weiterführende Schule. Was für eine Schule genau, das weiß ich nicht. Vor der Schule sitzt jeden Tag ein Mann. Neben dem Mann steht ein Einkaufswagen und im Einkaufswagen sind viele Tüten.

Der Mann sitzt nicht nur da. Jeden Tag macht es den Anschein als hielte er eine Rede. Er wedelt mit den Armen, appelliert ins Leere und setzt seine Mimik ein. Es ist kein Publikum da. Seine Stimme ist nicht allzu laut, aber auch nicht leise. Man versteht kein Wort, obwohl der Mann nicht in einer Fremdsprache spricht. Es klingt beinah so als hätte er vergessen, aus welchen Buchstaben die Worte gebildet werden oder wie man die Vokale und Konsonanten richtig ausspricht. Vielleicht sind auch die Worte insgesamt nicht richtig kombiniert. Ich weiß es nicht. Ich verstehe nicht, was er sagt. Ich weiß nicht, ob er die Passanten überhaupt registriert. Ich frage mich, ob es ihm selbst bewusst ist. Ich gehe beinah jeden Tag an dem Mann vorbei.

Was muss alles geschehen, dass man irgendwann die eigene Sprache verliert? Welche Möglichkeit verbleiben, um an die Umwelt anzukoppeln? Aber die größte Frage ist, die ich mir täglich im Vorbeigehen stelle, was ist mit uns nur verkehrt? Mit uns stimmt doch was nicht. Mitten unter uns hat jemand seine Sprache verloren.

20. August 2017

6. Juni 2015

Du kannst genau das Leben leben, das du leben möchtest. Du brauchst es nicht zu erklären oder zu rechtfertigen. Du musst dir auch keine Legitimation erstreiten. Du brauchst niemanden, der dir den Weg dafür frei macht. Weil du längst unterwegs bist. Du brauchst dich nicht mit fremden Gedanken aufzuhalten. Du brauchst dich nicht zu Empören und du musst niemanden von deinen Ansätzen überzeugen. Du brauchst keine Community, die dich begleitet und unterstützt. Die Community muss das erst ausdiskutieren. Aber du bist längst dort. Und die Community folgt dir von ganz allein. Weil du selbst die Botschaft bist und viel heller strahlst und mitreißender bist als jedes einzelne Wort, das man aussprechen könnte.

Dieser Absatz stammt aus einem ersten Entwurf von Eure Debatten langweilen mich. Den Text habe ich vor drei Monaten auf meinem Blog veröffentlicht. In der Endfassung fiel der obige Absatz der Kürzung zum Opfer.

20. August 2017

23. Mai 2015

Ich trage gerne Schuhe. Also so richtiges Schuhwerk. In schlapprigen Hausschuhen fühle ich mich gar nicht wohl. Und strümpfig schon dreimal nicht. Zuhause hab ich meistens Sneakers an. Sneakers sind cool. Richtige Schuhe und trotzdem bequem. Weil ich so ein Mamakind bin und deswegen häufig meine Eltern besuche, hab ich dort fest ein paar Sneakers stehen. Die liegen im Büro zwischen den Akten. Wenn ich bei meinen Eltern ankomme, lege ich nämlich meistens erstmal meine Handtasche im Büro ab. Und deswegen ist das ein guter Ort, um die Sneakers zu platzieren, kann ich also gleich reinschlüpfen.

So neumodischer Etebetete-Firlefanz wie Hausschuhe gibt’s bei meinen Eltern nicht. Das ginge auch gar nicht, sonst wären meine Eltern den ganzen Tag damit beschäftigt, die Schuhe zu wechseln. Weil man halt den ganzen Tag rein und raus muss. Wir leben auf einem kleinen Hof und da macht man schon täglich seine Kilometer. Da biste abends ganz schön platt. Außerhalb im ernsten Leben trage ich so klassisches, schwarzes Lederschuhwerk. Dieses Schuhwerk ist toll, aber zum Chillen ist einfach das nix.

Meine Schwester und ich haben selten Fetz. In den meisten Dingen denken wir gleich. Außer bei Schuhen. Da wurde sie leider von ihrem Freund assimiliert. Jedenfalls sind in der Wohnung meiner Schwester keine Straßenschuhe erlaubt. Deswegen hat sie für Besucher einen ganzen Berg von Pantoffeln vorrätig. Für mich macht sie da leider auch keine Ausnahme! Voll ätzend!

Bevor ich meine Schwester besuche, mache ich meistens noch einen kurzen Abstecher bei meinen Eltern. Vor ein paar Wochen habe ich einfach meine dortigen Sneakers zu meiner Schwester mitgenommen (diese „Haus-Sneakers“ sind nämlich erlaubt). Hab mich dann gleich viel wohler gefühlt, bin auch länger dort geblieben. Weil meine Schwester aus anderen Gründen noch öfter als ich bei meinen Eltern ist, habe ich gedacht, den Rücktransport, das kann ja sie dann übernehmen. Der Ansatz war richtig cool. So cool, dass sich dieser Kreislauf irgendwie eingebürgert hat. Ich nehme meine Eltern-Sneaker mit zu meiner Schwester und meine Schwester bringt diese nebenbei wieder zurück.

Eigentlich mache ich nicht gerne Umstände. Umstände sind blöd. Ich wundere mich oft über andere Menschen, wie gut die Umstände machen können und sich überhaupt nichts dabei denken. Ich bin im Leben immer bestrebt, keine Umstände zu machen. Letztens frag ich so beiläufig meine Schwester, dir macht das doch nichts aus, die Schuhe mitzunehmen, oder? „Marco, das ist voll nervig!“ Menno! Immer wenn ich denke, jetzt hab ich die Lösung.

20. August 2017

12. Mai 2015

Es gibt da so eine Frau, die läuft mir schon seit Jahren immer mal wieder über den Weg. Und immer wenn sie mir über den Weg läuft, fällt sie mir ins Auge.

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so eine traurige Frau gesehen. Traurig ist gar kein Ausdruck. Man hat sofort das Bedürfnis, sie zu umarmen. Das Bild von Jesus am Kreuz drückt sich unweigerlich in die Gedanken. Es fällt schwer, die richtigen Worte zu finden. Ich weiß nicht warum (einen Beschützerinstinkt habe ich nicht), aber diese Frau zieht mich an.

Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass sie für das gleiche Unternehmen arbeitet. Irgendwann ist mir zufällig ihr Name zugeflogen. Irgendwann habe ich einer Kollegin von der Frau erzählt. Und meine Kollegin wusste sofort von wem ich spreche.

“Marco, mir zieht sich immer der Bauch zusammen, wenn ich ihr begegne. Johanna sieht aus wie der Tod.”

20. August 2017

19. April 2015

Hab ne’ Idee (beschließt etwas zu malen).

Nächster Tag: Kauft Holzstifte.
Übernächster Tag: Kauft Radiergummi.
Überübernächster Tag: Kauft Spitzer.

Bin halt n’ Profi.

20. August 2017

11. April 2015

Ich besitze ein Auto und dieser Besitz ist purer Luxus. Eigentlich benötige ich nämlich kein Auto. Meinen Alltag kann ich vollständig mit Bahn, Bus, Straßenbahn und zu Fuß bewältigen. Deswegen steht mein Auto manchmal vier Wochen lang unbenutzt auf der Straße. Aber ich hab auch so Phasen, da fahre ich täglich. Wie ich halt lustig bin. Bisher hab ich es einfach nicht über das Herz gebracht, mich vom Auto zu trennen. Ich komm halt vom Land und auf dem Land gehört ein Auto dazu.

Mein Auto hat einen Diesel-Motor und das Fahrzeug benötigt im Schnitt 3,0 Liter auf 100 Kilometer. Es ist in Leichtbauweise gefertigt, viele Teile bestehen aus Aluminium oder Magnesium. Der Schadstoffausstoss beträgt rund 80 Gramm CO2 pro Kilometer. Statistisch betrachtet bin ich also mit meinem Auto sogar umweltfreundlicher unterwegs als mit der Bahn (zumindest, wenn ich einen Beifahrer mit habe). Mein Auto ist 15 Jahre alt (Baujahr 2000).

Wenn man nun heute (im Jahr 2015) ein neues und sparsames Auto kaufen möchte, gibt es keine Fahrzeuge mit einem Verbrauch von unter 4 Liter auf dem Markt. Selbst ein neuer SMART hat einen Durchschnittsverbrauch von über 4 Liter. Sorry! Da kann ich hundertmal drüber nachdenken, das verstehe ich einfach nicht.

Lupo 3L TDI

20. August 2017

7. April 2015

Soderle, ich gebe euch jetzt mal den ultimativen Tipp bei technischen Probleme mit dem Computer, Tablet oder Smartphone. Und dieser Tipp lautet wie folgt: Nix machen!

Also das Problem nicht betrachten, die Ursache nicht erforschen, keine Lösung suchen, keine neuen Konfigurationen ausprobieren und vor allem nicht ärgern. Sondern einfach weitermachen oder was anderes machen. In den meisten Fällen geht das Problem (erstaunlicherweise) von alleine wieder weg. Das ist nicht komisch, sondern völlig normal.

Ist bei uns Menschen ja auch nicht anders. Morgens klingelt der Wecker, wir wachen auf, ZACK, Krampf im Hals und den ganzen Tag tut’s weh. Ein paar Tage später ist alles wieder gut. Von ganz alleine. Als wäre das Wehweh nie gewesen.

Genauso verhält es sich auch mit Informationstechnologie. Manchmal entsteht eine Prozessverklemmung (Fachbegriff) in den Tiefen des Betriebssystems, manchmal werden wichtige Caches nicht richtig geleert, manchmal ist ein Service lokal oder im Internet nicht erreichbar. Das kommt vor und wenn der Fall eintritt, verhält sich das System irgendwie buggy.

Es hängt halt alles mit allem zusammen. Aber die gute Nachricht, oft lösen sich die Probleme allein schon durch einen Neustart des Rechners (oder durch ein Update). Sollte man vielleicht mit unserem Wirtschafts- und Wertesystem auch mal machen. Das hat sich nämlich auch irgendwie verklemmt.

20. August 2017

26. März 2015

Much Love!

20. August 2017

8. März 2015

If you’re afraid you may someday get kicked off your social network or blogging platform because you post NSFW content, don’t sweat it. You’re always welcome on Ello.Paul Budnitz, Ello Gründer

20. August 2017

26. Februar 2015

Die Liefergeschwindigkeit des Universums ist wirklich atemberaubend. Da kann sich sogar Amazon noch was abgucken. Meine Kollegin Deborah war diese Woche aus England zu Besuch in Ludwigshafen. Deborah und ich verstehen uns irgendwie gut, das haben wir gleich im ersten Gespräch gemerkt. Obwohl wir den gleichen Job haben und im gleichen Team arbeiten, haben wir uns aber erst vor ein paar Monaten auf einem Training kennengelernt. Ich mag an Deborah besonders, dass sie dauernd “I hate my job” sagt. Und Deborah mag an mir Sätze wie “I love our processes, because they are so crazy!”

Jedenfalls, gestern Abend waren wir zum Essen verabredet. Im Vorfeld hab ich natürlich angeboten, sie nach der Arbeit direkt am Hotel abzuholen. Aber “Just give me the address. I will be there.” Als ich mich dann schon gemütlich beim Italiener aufwärmte, klingelt der Blackberry, “Where the hell is the restaurant? I do not find it.” Ferndiagnose auf English, das ist nicht grad meine Stärke. Deswegen ich so: “Do you see a taxi anywhere?” “Yes.” “Just give the address to the taxi driver”. Kaum aufgelegt, 3 Minuten später stand Deborah vor mir. Also so weit weg kann das jetzt nicht gewesen sein. Und so schön wie das alles angefangen hat, so schön war dann auch der ganze Abend.

Zum Abschluss hat Deborah dann wieder ein Taxi bestellt. “Would you go with?” “No, thank you. My apartment is not far away.” Als Deborah dann weg war, habe ich mich aber gefragt, warum hab ich jetzt eigentlich Nein gesagt? Ein Taxi wäre voll schön bequem gewesen und ich habe eigentlich gar keine Lust durch die Kälte zu laufen. Ich würde jetzt auch gerne mit dem Taxi fahren! Aber was soll’s! Ich bin so Sachen von mir ja gewohnt. Man lernt mit den Jahren damit umzugehen. Wenigstens konnte ich beim Spazieren eine Zigarette rauchen. Nach 10 Minuten fragte ich mich, warum habe ich eigentlich keine Notebook-Tasche umgehängt?

Taxi angehalten.
“Einmal zum Restaurant Kleiner Rosengarten bitte und danach in die Schwetzinger Stadt.”

20. August 2017