11. Mai 2017

Ich verbringe die Mittagspause mit einem Kollegen. Wir sitzen im Einkaufszentrum, essen thailändisch und haben einander viel zu erzählen, da wir uns nicht sehr häufig sehen. Wir sprechen über die Arbeit, private Projekte und die neusten Comics. Mitten im Gespräch winkt der Kollege hinter mir jemanden zu. Ich schaue ihn fragend an, ohne mich umzudrehen.

Kollege: Meine Chefin!
Ich: Die soundso?
Kollege: Andere Chefin!

(er meinte seine Frau)

11. März 2017

Bei uns im Bürogebäude wird nächste Woche eine Vereinzelungsanlage installiert. Der Terminus Vereinzelungsanlage war mir bis dahin völlig neu und ich habe mich sofort in das Wort verliebt. Wenn man den Begriff zum ersten Mal hört, geht im Kopf natürlich gleich ein Fragezeichen auf. Aber das ist eigentlich total unnötig, weil alles Nötige zum Verständnis schon im Wort enthalten ist. Es ist eine Anlage, die vereinzelt. Also eine lose Kumulierung von Objekten wieder in seine Einzelbestandteile zerlegt.

Skizze: Vereinzelung

In einfachen Worten, es handelt sich um ein Drehkreuz für den Zutritt von Gebäuden und anderen Örtlichkeiten. Und mit diesem Drehkreuz werden im Wesentlichen zwei Dinge bewirkt. Die Zutrittsberechtigung kann nämlich bei jeder Person kontrolliert werden, weil immer nur eine Person das Drehkreuz passieren kann. Bei Türen funktioniert das so nicht. Oft authentifiziert sich nur eine Person und dann schlüpfen noch ein, zwei andere Personen unkontrolliert durch (bis die Tür zu fällt). Des Weiteren ermöglicht eine Vereinzelungsanlage eine ungeordnete Traube von Menschen zu ordnen oder in geordnete Bahnen zu lenken. Wobei das eigentlich nur bedingt funktioniert.

Skizze: Vereinzelung wieder durcheinander

15. Februar 2017

Was hatte ich in meinem Leben nicht schon viel Spaß mit dem Gelben Sack! Die Usability war herausragend und die Mülltüten mussten extremst kundenorientiert über die Stadtverwaltung besorgt werden. Auch die Qualität – total supi, die dünnen Plastikbeutel sind bei jeder kleinen Belastung gerissen. Und man blieb immer fit, weil man den Gelben Sack selbst raustragen musste. In Mannheim wurde die Leerung immer zweiwöchentlich durchgeführt und wie das halt so ist, man den Abholungstermin gerne mal vergessen. Sogar in der Eigentümerversammlung wurde der Gelbe Sack deswegen immer wieder thematisiert, weil sich die Säcke oft im Hof gestapelt haben (Drama, Baby! Der Gelbe Sack stapelt sich im Hof!). Also eins muss man dem Gelben Sack lassen, langweilig ist es mit ihm nicht geworden.

Skizze: Der gelbe Sack

Aber jede schöne Zeit ist leider irgendwann vorbei. Mannheim hat den Gelben Sack zum Jahreswechsel abgeschafft und im Januar die Wertstofftonne eingeführt. Und so wie sich die Lage bisher abzeichnet, stehen uns zum Glück weiterhin viele Stunden der Heiterkeit bevor.

Das hat schon damit angefangen, dass diese Änderung am Entsorgungssystem scheinbar ausschließlich über die Lokalpresse kommuniziert worden ist und kein Informationsschreiben an die Haushalte erging. Und wer halt keine Lokalpresse liest (so wie ich), hat sich irgendwann gefragt, wo kommen auf einmal die vielen gelben Tonnen her und was machen die? Und warum wird eigentlich mein Gelber Sack nicht mehr abgeholt?

Die Wertstofftonne gibt es übrigens in zwei Größen. Einmal groß und einmal klein. Die Zuteilung der Größen an die Haushalte wurde implizit über die Papiertonne abgeleitet. Unsere Hausnummer hat zum Glück die große Tonne erwischt. Was cool ist, Haushalte mit großen Tonnen bekommen den Vollservice. Das bedeutet, wir müssen die Tonne für die Leerung nicht mehr eigenhändig rausstellen, sondern die Abholmänner holen die Tonne selbst aus dem Hof. Die kleinen Tonnen müssen dagegen von den Bewohnern selbst rausgeschoben werden.

Da frag ich mich doch gleich, wie das im Detail funktioniert. Die Abholmänner haben sicherlich keine Liste dabei, wo drauf steht, welche Hausnummer welche Tonne und welchen Service hat. Also, wenn dann bei der Leerung keine Tonne vor der Haustür steht, muss man quasi schlussfolgern, aha, Vollservice, wir müssen die Tonne aus dem Hof holen. Aber was passiert jetzt, wenn die jeweilige Hausnummer nur vergessen hat, die kleine Tonne rauszustellen? Die Abholmänner bemerken das spätestens bei der Einsichtnahme in den Hof. Lassen sie die Tonne dann stehen oder nehmen sie die kleine Tonne zur Entleerung trotzdem mit (jetzt, wo sie schon im Hof sind)? Man merkt gleich, da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht, super System!

Bei einer Sache hat sich die Stadt aber selbst übertroffen. Von mir ein paar Hausnummern weiter an der Straßenecke wohnen 12 Parteien. Eindeutig ein Bezugskandidat der großen Tonne. Problem ist nur, die Hausnummer hat keinen richtigen Durchgang zum Hinterhof (z.B. ein Tor), sondern nur eine normale Haustür (da passt die große Tonne nicht durch). Deswegen wurde der Hausnummer anstatt einer großen Tonne insgesamt acht kleine Tonnen zugeteilt. Jetzt ist halt nur doof, dass die Hausnummer auch keinen richtigen Hof hat, sondern nur wenige Quadratmeter, die schon durch die Tonnen für Restmüll und Papier belegt sind. Also (man muss sich ja zu helfen wissen) stehen die Tonnen jetzt einfach vor dem Haus direkt auf dem Fußweg. Aber das ist natürlich nur ein Einzelfall. Ich muss schon sagen, davon kann jedes neue Bauwerk nur träumen. So tragend hat noch keine Maßnahme das Stadtbild verändert. Überall im Stadtteil stehen nun einsame, schöne Wertstofftonnen auf den Bürgersteigen rum!

Skizze: Die Wertstofftonne

Was für ein Einstand! Man kommt aus dem Stauen gar nicht mehr heraus! Das neue System gilt noch keine 8 Wochen, aber eins kann ich heute schon sagen. Mit der Wertstofftonne hat der gelbe Sack wirklich einen würdigen Nachfolger gefunden. Wir werden viel Spaß miteinander haben und ich freu mich schon auf all die lustigen Geschichten! <3

14. Februar 2017

In der Dark Knight Trilogie von Christopher Nolan wird allgemein dem zweiten Teil die größte Bedeutung zugemessen. Dies liegt mitunter an der atemberaubenden Darstellung von Heath Ledger in der Figur des Jokers sowie an dem hochwertigen Drehbuch. Für mich persönlich besitzt jedoch der abschließende Teil „Dark Knight Rises“ wesentlich mehr Strahlkraft. Zentraler Gegenspieler von Batman in der Geschichte ist die Figur Bane. Im Kontrast zu Joker, dessen geistigen Wahnsinn Batman an seine mentalen Grenzen führt, zeichnet sich Bane durch seine überlegene Körperlichkeit aus. Neben dem eigentlichen Plot greift der Film systematisch viele gesellschaftliche Fragen auf und thematisiert beiläufig unter anderem die Finanzkrise, die Occupy Bewegung und den wachsenden Unterschied zwischen Arm und Reich. In diesem Kontext tritt Bane als Befreier auf und setzt die herrschende Ordnung sowie die bestehenden Strukturen außer Kraft. In einer zentralen Szene spricht Bane zu den Bewohner der Stadt.

Bild: Bane Prison Speech

We take Gotham from the corrupt! The rich! The oppressors of generations who have kept you down with myths of opportunity, and we give it back to you… the people. Gotham is yours. […] The powerful will be ripped from their decadent nests, and cast out into the cold world that we know and endure. Courts will be convened. Spoils will be enjoyed. Blood will be shed.Bane, Dark Knight Rises

Donald Trump sprach in seiner Inaugurationsrede zum Antritt der US-Präsidentschaft am 20. Januar 2017 vor dem Kapitol in Washington folgende Worte.

Today’s ceremony, however, has very special meaning because today, we are not merely transferring power from one administration to another or from one party to another, but we are transferring power from Washington, D.C. and giving it back to you, the people. The establishment protected itself, but not the citizens of our country. Their victories have not been your victories. Their triumphs have not been your triumphs.Donald Trump, Inaugurationsrede

Als ich diese Worte in der Berichtserstattung der Medien hörte, assoziierte ich die Rede sofort mit Dark Knight Rises. Überraschenderweise war ich damit nicht allein und viele Leute sahen die Parallele. Der Vergleich drängt sich geradezu auf, als wäre der Tenor direkt aus dem Film entlehnt. Sogar die Presse griff das Thema auf und im Internet kursieren dazu viele Clips und Collagen. In der fiktiven Vorlage hat die Sache natürlich kein gutes Ende genommen. Nach der Rede von Bane brach Anarchie aus und die Stadt versank im Chaos.

12. Februar 2017

Während meines letzten Urlaubs hatte ich endlich wieder Zeit, um mich den vielen aufgestapelten Büchern zuzuwenden, die überall in meiner Wohnung stehen. Zuerst habe ich nach dem Buch Unterleuten von Juli Zeh gegriffen. Dieses Buch hatte ich als gebundene Ausgabe gekauft, weil ich so ungeduldig war und nicht auf das eBook warten konnte (eBook-Ausgaben erscheinen teilweise ein paar Wochen oder Monate später). Das hat natürlich überhaupt keinen Sinn gemacht, weil ich zum Zeitpunkt des Kaufs gar keine Zeit zum Lesen hatte. Und als ich dann endlich Zeit zum Lesen fand, war das eBook schon Monate auf dem Markt.

Skizze: 3 Bücherstapel

Zu Beginn hatte ich lange mit dem eBook als solches gehadert, aber mittlerweile lese ich viel lieber digital. Ab und zu kaufe ich aber trotzdem immer mal wieder eine gebundene Ausgabe. Warum, das weiß ich auch nicht so richtig. Die Bücher lege ich dann erstmal auf einen meiner Lesestapel und dort bleiben sie meistens auch ein paar Jahre liegen, weil ich halt lieber mit dem Kindle lese. Jedenfalls als ich dann Unterleuten gelesen habe, habe ich so gedacht, das gebundene Buch hat sich die letzten Jahre ja nicht wirklich weiterentwickelt.

Bei Apple heißt es auf jeder Produktvorstellung thinner und lighter. Das gebundene Buch hingegen ist immer noch genauso wie ich es in Erinnerung hatte. Um dicke Bücher zu lesen, braucht man zwei Hände – mitunter aus dem gleichen Grund habe ich übrigens beim iPhone mittlerweile ein Downgrade von dem iPhone 6 auf das iPhone SE gemacht. Unterleuten hat 640 Seiten und entsprechendes Gewicht. Wenn man eine Seite umblättern möchte, muss sich die eine Hand kurz zum Umblättern lösen, während die andere Hand das ganze Buch alleine halten muss und in den Sekunden des Umblätterns kurz Aua macht, weil das Buch halt so schwer ist. Schriftgröße und Zeilenabstand lassen sich beim gebundenen Buch natürlich ebenfalls nicht ändern und abends braucht man zusätzlich noch eine Leselampe.

Die Länge des Lesebändchens habe ich auch noch nie nachvollziehen können. Es ist grundsätzlich zu lang und bandelt dann immer so unnütz aus dem Buch raus. Wenn man etwas monkisch veranlagt ist, kann man das ja nicht so stehen lassen. Also muss man das Leseband knicken und umständlich zwischen den Seiten einquetschen, womit das Leseband dann aber nicht mehr seine ursprüngliche Funktion erfüllen kann. Und riechen tut das Buch auch immer noch so. Beim Geruch hab ich mich schon immer gefragt, ist das jetzt ein Bug oder ein Feature?

22. Januar 2017

Kurz nach dem ersten Anruf saß ich wieder in der Straßenbahn. Eigentlich wohne ich nur einen Katzensprung vom Hauptbahnhof entfernt. Es sind nur zwei Stationen und es lohnt sich kaum einzusteigen. Ich hatte mir gerade überlegt, was ich mit dem angebrochenen Tag anstellen könnte und dann hat die Straßenbahn mitten auf der Strecke wenige Meter nach ersten Haltestelle einfach angehalten.

Es kommt schon ab und an vor, dass eine Straßenbahn kurz anhalten muss. Manchmal ist die Müllabfuhr beim Ausleeren der Mülltonnen im Weg oder ein Lieferwagen entlädt gerade seine Waren. Die müssen dann immer erst zur Seite fahren. Das geht meistens auch recht schnell. Als dann die Straßenbahn nach zwei Minuten immer noch nicht anfuhr, war das schon verdächtig. In solchen Situationen passiert dann, was in solchen Situationen immer passiert. Die Leute regen sich auf! „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ „Scheißbahn!“ „Ich komm zu spät!“ „Bestimmt wieder so ein Idiot, der mit dem Auto die Fahrbahn versperrt!“. Viele Passagiere zückten ihre Handys und begannen zu telefonieren.

Irgendwann ist der Fahrzeugführer durch die Bahn von vorne nach hinten gelaufen und hat irgendwas gemacht. Der Zug hatte hinten keine Kabine, sondern schloss mit einem Wagon für Passagiere ab. Kurz darauf ist die Straßenbahn ganz langsam ein paar Meter zurückgefahren. Interessant, hab ich gedacht. Heißt das jetzt, Rückwärtsfahren ist bei Straßenbahnen speziell abgesichert und man kann nicht einfach so den Rückwärtsgang einlegen? Dann hat die Straßenbahn wieder angehalten und der Fahrzeugführer ist wieder nach vorne gelaufen.

Nach einem weiteren Moment kam die Durchsage, dass die Bahn vorerst nicht weiterfährt und wer will kann aussteigen. Zeitgleich haben sich alle Türen automatisch geöffnet. Mir gegenüber saß eine Agroteenagerin und die ist völlig ausgeflippt. Mein lieber Mann! Ich hatte leicht Sorge, dass sie beim Aussteigen die Bahn auseinander nimmt. Ich bin erstmal sitzen geblieben. Ich hatte es nicht eilig und ich hab die Zeit genutzt, um meine Gedanken treiben zu lassen.

Nach ungefähr 7 Minuten wurde es mir dann aber langweilig und ich bin auch ausgestiegen. Die Ursache war tatsächlich ein schlecht geparktes Auto. Es ragte zu weit auf die Spur und die Straßenbahn kam nicht daran vorbei. „Wie kann man nur?“ „Eingesperrt gehören die!“ “Nur noch Idioten auf der Welt!” Scheinbar waren alle einer Meinung. Ich musste daran denken, wenn man auf dem Land oder in einer Kleinstadt lebt und auf der Straße fahrende Straßenbahnen nicht zum Alltag gehören, kann das schnell passieren, dass man sein Auto genauso parkt, weil einem die Problematik mit der Straßenbahn nicht bewusst ist. Es ist ja nicht so, dass wir alle nicht schon mal in der Eile ungünstig geparkt hätten.

Die Straßenbahn stand in ihrer Anmut direkt vor einem Wettbüro. Aus dem Wettbüro kamen immer mehr Schaulustige heraus, die wissen wollten, was los war. Die meisten Personen waren südlicher Abstammung. Es hatte sich mittlerweile schon eine mittelgroße Menschenmenge gebildet. Ich hab mir vorgestellt, dass der Fahrzeughalter sich auch in der Menschentraube befindet und sich unter den gegebenen Umständen nicht mehr traut zu outen. Irgendjemand machte dann den Vorschlag, das Auto einfach gemeinsam wegzuheben. Gesagt, getan. Fast sechs Leute versuchten sogleich das Auto anzuheben, aber keine Chance (es war ein SUV).

Kurz darauf traf die VRN-Polizei (Verkehrsbund Rhein-Neckar) am „Tatort“ ein und dokumentierte die Sachlage. Es wurden Abstände vermessen und es wurden Bilder gemacht. Zeitgleich entstand ein weiteres Dilemma. Es war Samstag und es war wie immer viel Betrieb in der Stadt. Das VRN-Polizeiauto verkomplizierte nun zusätzlich die Verkehrssituation, weil es eine Abbiegung versperrte. Die Autos von Hinten konnten nicht mehr vorbeifahren und es kam zum Rückstau. Es ging nichts mehr vor und nichts mehr zurück. Immerhin wurden die neu kommenden Straßenbahnen der Linie durch eine Weiche zuvor auf eine parallellaufende Strecke umgeleitet und das sorgte dort für zusätzliches Chaos.

Ich mag solches Durcheinander und es hat mir richtig Freude bereitet, das ganze Schauspiel zu beobachten. Aber dann war es Zeit zu gehen. Nach drei Minuten hatte ich die nächste Haltestelle erreicht, wo fünf Menschen tapfer auf die Bahn warteten, die einfach nicht kam, obwohl man sie aus der Ferne schon erkennen konnte. Die Welt ist immer noch zu wenig verdigitalisiert, habe ich gedacht. An der Haltestelle gab es weder Lautsprecher noch digitale Anzeigetafeln. Im Vorbeilaufen habe ich die Warteten zugerufen: „Das dauert! Hier kommt erstmal keine Bahn mehr!”

17. Januar 2017

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Das Dorf ist ein Straßendorf. Östlich führt eine Landstraße in die Gemeinde. Dagegen befindet sich im Westen am anderen Ende eine Kreuzung. Egal, aus welcher Richtung man kommt, man kann an dieser Kreuzung geradeaus fahren oder rechts oder links abbiegen. Wie man sich auch entscheidet, nach wenigen Kilometern kommt das nächste Dorf. Die Lage an der Kreuzung ist sehr übersichtlich und man hat in alle Richtungen eine freie Sicht. Rundum liegen Felder und Äcker. Sichtraubende Bäume und Weinberge folgen erst nach einigen hundert Metern. Trotzdem passieren jedes Jahr mehrere schwere Unfälle an dieser Kreuzung, obwohl das keinem Menschen zu erklären ist.

Seit ich denken kann hat sich Papa deswegen darüber aufgeregt, warum die liebe Verbandsgemeinde am Dorfausgang keinen Kreisverkehr baut. Das würde die Unfallquote auf jeden Fall massiv senken. In Rheinland-Pfalz hält man große Stücke auf den Kreisverkehr und man kann sich vor Kreiseln kaum noch retten. Fährt man heute beispielsweise von meinem Heimatdorf in die nächste größere Stadt (10 km entfernt) muss je nach Wegstrecke sechs bis sieben Kreisel durchqueren. Da wird einem schon manchmal etwas schwindelig.

Vor ein paar Jahren fasste sich die Verbandsgemeinde aber dann doch ein Herz und hat am Dorfende tatsächlich einen Kreisverkehr gebaut. In der Familie konnten wir das anfangs gar nicht glauben. Einen Kreisel? Bei uns? Echt jetzt? Was machen wir dann mit Papa, worüber soll der sich künftig aufregen??? Die Verbandsgemeinde hat dann aber einen katastrophalen Fehler gemacht und einen ellipsenförmigen anstatt eines runden Kreisel gebaut. Die Hauptachse des Ellipsenkreisels liegt dabei orthogonal zum Dorfausgang. Seitdem regt sich Papa nämlich permanent darüber auf, dass der Kreisel gar nicht rund ist, sondern ellipsenförmig.

Skizze: Der Kreisel

Dieser Ärger wächst aber nicht aus sich selbst heraus, denn wenn man mit Traktor und Anhänger aus dem Dorf kommt und geradeaus will, hat man es richtig schwer um die Kurve herumzukommen. Beim Kreiseldesign hat die liebe Verbandsgemeinde also scheinbar mehr an den am Dorf vorbei strömenden Verkehr als an die ansässigen Winzer und Landwirte gedacht. (wäre ich ein Landwirt, würde ich mich da auch drüber aufregen)

10. Januar 2017

Vor ein paar Wochen wollte ich am Wochenende meine Patentante in Kaiserslautern besuchen. Wir hatten uns die letzten zwei Jahre nicht sehr häufig gesehen. Mein Besuch war auch dieses Mal längst überfällig.

An jenem Samstag bin ich nicht gut aus dem Bett gekommen, ich habe also viel länger geschlafen als geplant. Mein Zug ging schon am frühen Nachmittag. Ich wollte vorher aber unbedingt noch meinen Haushalt regeln und bin deswegen zeitlich etwas unter Druck geraten.

Wenn ich nach Kaiserslautern fahre, nehme ich meistens die Bahn. Auf der Landkarte liegen Mannheim und Kaiserslautern auf einer Waagrechten und zwischen beiden Städten gibt es Direktverbindung. Die Fahrzeit beträgt ungefähr eine Stunde und die Hälfte der Strecke führt durch den Pfälzer Wald. Auf der Fahrt passiert man 14 Bahnhöfe und durchquert 12 Tunnel. Die Strecke gehört zu meinen Lieblingsbahnstrecken.

Mir hat die Zeit vor der Abfahrt am Bahnhof noch gereicht, um mir einen Kaffee bei Fellows zu holen. Ich hatte extra meinen eigenen Thermobecher mitgenommen. Mittlerweile bin ich nur noch selten bei Fellows im Hauptbahnhof. Wenn ich an der Schlange bei Fellows stehe, muss ich meistens an Maria oder Julia denken.

Der Zug wartete schon auf Gleis 1. Kaum hatte ich mich gesetzt, klingelte mein iPhone. Meine Patentante hatte sich leider erkältet und sagte deswegen kurzfristig das Treffen wieder ab. Auf dem Rückweg hab ich beschlossen, die gewonnene Zeit dafür zu nutzen, um meinen Keller aufzuräumen.

Später am Abend, als ich gerade meinen Abwasch machte, klingelte erneut das Handy. Es war wieder meine Tante. „Marco? Wo bleibst du denn? Es ist schon dunkel. Du wolltest mich doch heute besuchen kommen?“ und in diesem Moment zog sich mein Bauch zusammen und mir ist es ganz komisch geworden.

21. Dezember 2016

Meine Schwester, ihre vierjährige Tochter Lana und ich saßen im Büro meiner Eltern. Meine Schwester arbeitete irgendwas am Computer, die kleine Lana spielte mit Knete und ich las unnötiges Zeug auf dem iPad.

Lana: Guck mal, was ich Schönes geknetet hab.
Marco: Sieht aus wie ein Penis.
Schwester: MARCO!
Lana: *freutsich* PENIS! PENIS! PENIS!

Schwester: Die Lana hat doch bestimmt einen Turm gebaut, oooooder?
Marco: Nee, guck doch mal, wie das aussieht!
Lana: *machtHopserlauf* PENIS! PENIS! PENIS!

Schwester: In solchen Fällen musst du Pipimann oder sowas sagen!
Marco: *gucktverdutzt* WHAT?
Lana: *machtLuftsprünge* PENIS! PENIS! PENIS!

Schwester: Mann!!! Das ist nicht lustig!
Marco: *verstehtdasProblemnicht*
Lana: *gehtabwieeinZehner* PENIS! PENIS! PENIS!

(voll lustig)

19. Dezember 2016

Meine Geschwister und ich gehen in der Vorweihnachtszeit gerne zusammen einkaufen. Das ist richtig zu einer Tradition geworden, die sich mittlerweile schon viele Jahre hält. Wir nehmen uns dafür immer einen Tag frei und gehen unter der Woche, weil es werktags in der Stadt sehr viel entspannter ist. Unsere Weihnachtsgeschenke haben wir auch meistens schon zuvor im Internet bestellt, in der Regel fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten. Einer unser bevorzugten Einkaufsstädte ist Karlsruhe.

Manchmal reisen wir zusammen an, manchmal reist jeder für sich alleine. Obwohl es zwischen Mannheim und Karlsruhe eine direkte Zugverbindung gibt und ich Zugfahren sehr liebe, fahre ich immer mit dem Auto (der Tüten wegen). Die Autos parken wir stets im Ettlinger Tor. Das Ettlinger Tor ist ein Einkaufszentrum in der Stadtmitte. Wir treffen uns meistens am späten Vormittag (weil keiner von uns gerne früh aufsteht) in einem umliegenden Kaffee zum Frühstück. Und nach dem Frühstück geht’s dann los!

Über die Jahre hat sich auch eine feste Route durch die Stadt heraus gebildet. Wir laufen ausgehend vom Ettlinger Tor über eine parallel zur Fußgängerzone liegenden Gasse zur Postgalerie. In der Gasse befinden sich ein paar kleinere Geschäfte. Die Postgalerie war früher einmal der Hauptsitz der Karlsruher Post. Nach der Privatisierung der Bundespost hat man aber (natürlich) ein Einkaufszentrum daraus gemacht. Von der Postgalerie schlendern wir dann über die Fußgängerzone wieder zurück Richtung Ettlinger Tor. Mit dem Ettlinger Tor schließen wir dann den Einkaufstag wieder ab. Zuvor stärken wir uns aber meistens noch auf dem Weihnachtsmarkt.

Das Ettlinger Tor hat drei Stockwerke und wir kaufen meistens von oben nach unten. Oben gibt’s eine Yeans Halle. Dort hab ich mehr oder weniger alle meine Jeans gekauft. Zwischendrin müssen wir immer auch mal kurz ans Auto, um die ganzen Tüten ablegen, und müssen irgendwo einen Kaffee trinken, weil uns die Füße wehtun. Nachdem es draußen dunkel geworden ist, wir alles geschafft haben und der Weihnachtsmann über den Karlsruher Weihnachtsmarkt fliegt, gehen wir meistens noch in ein schönes Restaurant etwas essen und lassen den Tag gemütlich ausklingen.

Skizze: Stephanus Buchhandlung @ Stadtplan Karlsruhe

Das ist alles total super und wir drei freuen uns jedes Jahr auf diese Einkaufstage. Jetzt gibt’s nur ein Problem und das Problem ist, gleich zu Beginn unserer Einkaufsroute liegt die Buchhandlung Stephanus. Die Buchhandlung Stephanus ist eine schöne, kleine und charmante Buchhandlung nach alter Tradition an einer Straßenecke. An der Eingangstür hängt ein Schild und darauf steht: „Man muss nicht zum Amazonas reisen, um gute Bücher zu entdecken.“ Neben dem wirklich guten Sortiment an Büchern hat die Buchhandlung Stephanus leider auch eine sehr gut sortierte Comic-Abteilung mit vielen tollen Graphic Novels. Die sind auch noch so fies, dass sie sogar ein ganzes Schaufenster mit Comics ausschmücken und man quasi gar nicht dran vorbeilaufen kann. Und das führt dann natürlich zu dem Sachverhalt, dass ich gleich zu Beginn mein für den Tag vorgesehenes Einkaufsbudget komplett verbrauche und der restliche Tag für mich eigentlich komplett unnötig ist.

Okay, immerhin bin ich mittlerweile so schlau, meinen Einkauf dort einfach hinterlegen zu lassen und später abzuholen, damit ich die schweren Comics nicht durch die ganze Stadt schleppen muss. Auf die Idee, unsere Einkaufsroute einfach in die umgekehrte Richtung zu starten, bin ich bisher noch nicht gekommen.