Kürzlich hatte ich zusammen mit meinen Eltern und meinen Geschwistern ein Termin bei der Sparkasse. Dabei ging es um die Erteilung einer Bankvollmacht von meinen Eltern für uns Kinder. Meine Schwester hatte vorab der Sparkasse schon alle benötigten Dokumente übermittelt und jetzt waren eigentlich nur noch die Unterschriften zu leisten. Deswegen war ich der Annahme, dass der Termin ja nicht lange dauern könne.
Wir kamen alle aus unterschiedlichen Richtungen angereist, trafen uns pünktlich am Eingang und wurden auch gleich in einen Besprechungsraum geführt. Der Bankberater begrüßte uns und hat einen sehr netten, umgänglichen Eindruck gemacht. Also dann, Vollmacht erteilen. Der Besprechungsraum war mit einem PC ausgestattet und der Bankberater schaltete ihn gleich an. Da habe ich mich schon gefragt, äh, warum ist der PC nicht schon an? Wird der so selten benutzt?
Dann der Bankberater so: „Die Tastatur geht irgendwie nicht. Kurzer Moment. Ich muss eine neue holen.“ (haben die da einen Lagerraum für Tastaturen, falls mal eine nicht geht? Kommt das oft vor?)
Nachdem dieses Problem gelöst war, längeres Schweigen im Besprechungsraum, der Bankberater klickte minutenlang am Rechner rum. (scheint etwas komplizierter zu sein; ich stell mir das vermutlich viel zu einfach vor: Kundennummer aufrufen, Funktion „Bankvollmacht erteilen“ aufrufen, Assistant durchlaufen).
Okay, zuerst mussten unsere Unterschriften „verifiziert“ werden. Dazu stand ein Unterschriftenpad auf dem Besprechungstisch. Los ging es mit meiner Schwester. Erst Unterschrift verifizieren (einmal auf dem Pad unterschreiben), dann hat der Bankberater auf dem Computer rumgeklickt, dann noch mal „wirklich“ unterschreiben. Danach war ich dran, bei mir war die Reihenfolge komischerweise andersrum. Erst „wirklich“ unterschreiben, danach die Unterschrift verifizieren. Dann das Ganze noch mal für meinen Bruder (er musste erst verifizieren, dann „wirklich“ unterschreiben) und zum Schluss kam meine Mutter als Vollmachtgeber an die Reihe. Aber dann sagte der Bankberater plötzlich, „komisch, da steht jetzt nur ein Kind als Bevollmächtigter?“
Es folgten die üblichen Erklärungen, seit dem letzten Update, alles anders, ich mache das so selten, man lernt nie aus. Lange Rede, kurzer Sinn, alles noch mal von vorne. Beim zweiten Durchlauf hat zum Glück alles geklappt. Abschließend sagte der Bankberater, kurzer Moment, ich hole die Ausdrucke. (äh, Ausdrucke? Warum haben wir das jetzt eigentlich alles digital gemacht?)
Also so macht Digitalisierung ja keinen Sinn. Der Termin hat eine ganze Stunde gedauert (um drei Unterschriften zu leisten). Das Ganze in Altmodisch (Unterschrift auf Papier, einscannen und die Vollmacht im Banksystem pflegen) hätte mit Sicherheit nicht länger als 15 Minuten gedauert.