12. Februar 2017

Während meines letzten Urlaubs hatte ich endlich wieder Zeit, um mich den vielen aufgestapelten Büchern zuzuwenden, die überall in meiner Wohnung stehen. Zuerst habe ich nach dem Buch Unterleuten von Juli Zeh gegriffen. Dieses Buch hatte ich als gebundene Ausgabe gekauft, weil ich so ungeduldig war und nicht auf das eBook warten konnte (eBook-Ausgaben erscheinen teilweise ein paar Wochen oder Monate später). Das hat natürlich überhaupt keinen Sinn gemacht, weil ich zum Zeitpunkt des Kaufs gar keine Zeit zum Lesen hatte. Und als ich dann endlich Zeit zum Lesen fand, war das eBook schon Monate auf dem Markt.

Skizze: 3 Bücherstapel

Zu Beginn hatte ich lange mit dem eBook als solches gehadert, aber mittlerweile lese ich viel lieber digital. Ab und zu kaufe ich aber trotzdem immer mal wieder eine gebundene Ausgabe. Warum, das weiß ich auch nicht so richtig. Die Bücher lege ich dann erstmal auf einen meiner Lesestapel und dort bleiben sie meistens auch ein paar Jahre liegen, weil ich halt lieber mit dem Kindle lese. Jedenfalls als ich dann Unterleuten gelesen habe, habe ich so gedacht, das gebundene Buch hat sich die letzten Jahre ja nicht wirklich weiterentwickelt.

Bei Apple heißt es auf jeder Produktvorstellung thinner und lighter. Das gebundene Buch hingegen ist immer noch genauso wie ich es in Erinnerung hatte. Um dicke Bücher zu lesen, braucht man zwei Hände – mitunter aus dem gleichen Grund habe ich übrigens beim iPhone mittlerweile ein Downgrade von dem iPhone 6 auf das iPhone SE gemacht. Unterleuten hat 640 Seiten und entsprechendes Gewicht. Wenn man eine Seite umblättern möchte, muss sich die eine Hand kurz zum Umblättern lösen, während die andere Hand das ganze Buch alleine halten muss und in den Sekunden des Umblätterns kurz Aua macht, weil das Buch halt so schwer ist. Schriftgröße und Zeilenabstand lassen sich beim gebundenen Buch natürlich ebenfalls nicht ändern und abends braucht man zusätzlich noch eine Leselampe.

Die Länge des Lesebändchens habe ich auch noch nie nachvollziehen können. Es ist grundsätzlich zu lang und bandelt dann immer so unnütz aus dem Buch raus. Wenn man etwas monkisch veranlagt ist, kann man das ja nicht so stehen lassen. Also muss man das Leseband knicken und umständlich zwischen den Seiten einquetschen, womit das Leseband dann aber nicht mehr seine ursprüngliche Funktion erfüllen kann. Und riechen tut das Buch auch immer noch so. Beim Geruch hab ich mich schon immer gefragt, ist das jetzt ein Bug oder ein Feature?

6. Oktober 2017

22. Januar 2017

Kurz nach dem ersten Anruf saß ich wieder in der Straßenbahn. Eigentlich wohne ich nur einen Katzensprung vom Hauptbahnhof entfernt. Es sind nur zwei Stationen und es lohnt sich kaum einzusteigen. Ich hatte mir gerade überlegt, was ich mit dem angebrochenen Tag anstellen könnte und dann hat die Straßenbahn mitten auf der Strecke wenige Meter nach ersten Haltestelle einfach angehalten.

Es kommt schon ab und an vor, dass eine Straßenbahn kurz anhalten muss. Manchmal ist die Müllabfuhr beim Ausleeren der Mülltonnen im Weg oder ein Lieferwagen entlädt gerade seine Waren. Die müssen dann immer erst zur Seite fahren. Das geht meistens auch recht schnell. Als dann die Straßenbahn nach zwei Minuten immer noch nicht anfuhr, war das schon verdächtig. In solchen Situationen passiert dann, was in solchen Situationen immer passiert. Die Leute regen sich auf! „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ „Scheißbahn!“ „Ich komm zu spät!“ „Bestimmt wieder so ein Idiot, der mit dem Auto die Fahrbahn versperrt!“. Viele Passagiere zückten ihre Handys und begannen zu telefonieren.

Irgendwann ist der Fahrzeugführer durch die Bahn von vorne nach hinten gelaufen und hat irgendwas gemacht. Der Zug hatte hinten keine Kabine, sondern schloss mit einem Wagon für Passagiere ab. Kurz darauf ist die Straßenbahn ganz langsam ein paar Meter zurückgefahren. Interessant, hab ich gedacht. Heißt das jetzt, Rückwärtsfahren ist bei Straßenbahnen speziell abgesichert und man kann nicht einfach so den Rückwärtsgang einlegen? Dann hat die Straßenbahn wieder angehalten und der Fahrzeugführer ist wieder nach vorne gelaufen.

Nach einem weiteren Moment kam die Durchsage, dass die Bahn vorerst nicht weiterfährt und wer will kann aussteigen. Zeitgleich haben sich alle Türen automatisch geöffnet. Mir gegenüber saß eine Agroteenagerin und die ist völlig ausgeflippt. Mein lieber Mann! Ich hatte leicht Sorge, dass sie beim Aussteigen die Bahn auseinander nimmt. Ich bin erstmal sitzen geblieben. Ich hatte es nicht eilig und ich hab die Zeit genutzt, um meine Gedanken treiben zu lassen.

Nach ungefähr 7 Minuten wurde es mir dann aber langweilig und ich bin auch ausgestiegen. Die Ursache war tatsächlich ein schlecht geparktes Auto. Es ragte zu weit auf die Spur und die Straßenbahn kam nicht daran vorbei. „Wie kann man nur?“ „Eingesperrt gehören die!“ “Nur noch Idioten auf der Welt!” Scheinbar waren alle einer Meinung. Ich musste daran denken, wenn man auf dem Land oder in einer Kleinstadt lebt und auf der Straße fahrende Straßenbahnen nicht zum Alltag gehören, kann das schnell passieren, dass man sein Auto genauso parkt, weil einem die Problematik mit der Straßenbahn nicht bewusst ist. Es ist ja nicht so, dass wir alle nicht schon mal in der Eile ungünstig geparkt hätten.

Die Straßenbahn stand in ihrer Anmut direkt vor einem Wettbüro. Aus dem Wettbüro kamen immer mehr Schaulustige heraus, die wissen wollten, was los war. Die meisten Personen waren südlicher Abstammung. Es hatte sich mittlerweile schon eine mittelgroße Menschenmenge gebildet. Ich hab mir vorgestellt, dass der Fahrzeughalter sich auch in der Menschentraube befindet und sich unter den gegebenen Umständen nicht mehr traut zu outen. Irgendjemand machte dann den Vorschlag, das Auto einfach gemeinsam wegzuheben. Gesagt, getan. Fast sechs Leute versuchten sogleich das Auto anzuheben, aber keine Chance (es war ein SUV).

Kurz darauf traf die VRN-Polizei (Verkehrsbund Rhein-Neckar) am „Tatort“ ein und dokumentierte die Sachlage. Es wurden Abstände vermessen und es wurden Bilder gemacht. Zeitgleich entstand ein weiteres Dilemma. Es war Samstag und es war wie immer viel Betrieb in der Stadt. Das VRN-Polizeiauto verkomplizierte nun zusätzlich die Verkehrssituation, weil es eine Abbiegung versperrte. Die Autos von Hinten konnten nicht mehr vorbeifahren und es kam zum Rückstau. Es ging nichts mehr vor und nichts mehr zurück. Immerhin wurden die neu kommenden Straßenbahnen der Linie durch eine Weiche zuvor auf eine parallellaufende Strecke umgeleitet und das sorgte dort für zusätzliches Chaos.

Ich mag solches Durcheinander und es hat mir richtig Freude bereitet, das ganze Schauspiel zu beobachten. Aber dann war es Zeit zu gehen. Nach drei Minuten hatte ich die nächste Haltestelle erreicht, wo fünf Menschen tapfer auf die Bahn warteten, die einfach nicht kam, obwohl man sie aus der Ferne schon erkennen konnte. Die Welt ist immer noch zu wenig verdigitalisiert, habe ich gedacht. An der Haltestelle gab es weder Lautsprecher noch digitale Anzeigetafeln. Im Vorbeilaufen habe ich die Warteten zugerufen: „Das dauert! Hier kommt erstmal keine Bahn mehr!”

20. August 2017

17. Januar 2017

Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Das Dorf ist ein Straßendorf. Östlich führt eine Landstraße in die Gemeinde. Dagegen befindet sich im Westen am anderen Ende eine Kreuzung. Egal, aus welcher Richtung man kommt, man kann an dieser Kreuzung geradeaus fahren oder rechts oder links abbiegen. Wie man sich auch entscheidet, nach wenigen Kilometern kommt das nächste Dorf. Die Lage an der Kreuzung ist sehr übersichtlich und man hat in alle Richtungen eine freie Sicht. Rundum liegen Felder und Äcker. Sichtraubende Bäume und Weinberge folgen erst nach einigen hundert Metern. Trotzdem passieren jedes Jahr mehrere schwere Unfälle an dieser Kreuzung, obwohl das keinem Menschen zu erklären ist.

Seit ich denken kann hat sich Papa deswegen darüber aufgeregt, warum die liebe Verbandsgemeinde am Dorfausgang keinen Kreisverkehr baut. Das würde die Unfallquote auf jeden Fall massiv senken. In Rheinland-Pfalz hält man große Stücke auf den Kreisverkehr und man kann sich vor Kreiseln kaum noch retten. Fährt man heute beispielsweise von meinem Heimatdorf in die nächste größere Stadt (10 km entfernt) muss je nach Wegstrecke sechs bis sieben Kreisel durchqueren. Da wird einem schon manchmal etwas schwindelig.

Vor ein paar Jahren fasste sich die Verbandsgemeinde aber dann doch ein Herz und hat am Dorfende tatsächlich einen Kreisverkehr gebaut. In der Familie konnten wir das anfangs gar nicht glauben. Einen Kreisel? Bei uns? Echt jetzt? Was machen wir dann mit Papa, worüber soll der sich künftig aufregen??? Die Verbandsgemeinde hat dann aber einen katastrophalen Fehler gemacht und einen ellipsenförmigen anstatt eines runden Kreisel gebaut. Die Hauptachse des Ellipsenkreisels liegt dabei orthogonal zum Dorfausgang. Seitdem regt sich Papa nämlich permanent darüber auf, dass der Kreisel gar nicht rund ist, sondern ellipsenförmig.

Skizze: Der Kreisel

Dieser Ärger wächst aber nicht aus sich selbst heraus, denn wenn man mit Traktor und Anhänger aus dem Dorf kommt und geradeaus will, hat man es richtig schwer um die Kurve herumzukommen. Beim Kreiseldesign hat die liebe Verbandsgemeinde also scheinbar mehr an den am Dorf vorbei strömenden Verkehr als an die ansässigen Winzer und Landwirte gedacht. (wäre ich ein Landwirt, würde ich mich da auch drüber aufregen)

20. August 2017

10. Januar 2017

Vor ein paar Wochen wollte ich am Wochenende meine Patentante in Kaiserslautern besuchen. Wir hatten uns die letzten zwei Jahre nicht sehr häufig gesehen. Mein Besuch war auch dieses Mal längst überfällig.

An jenem Samstag bin ich nicht gut aus dem Bett gekommen, ich habe also viel länger geschlafen als geplant. Mein Zug ging schon am frühen Nachmittag. Ich wollte vorher aber unbedingt noch meinen Haushalt regeln und bin deswegen zeitlich etwas unter Druck geraten.

Wenn ich nach Kaiserslautern fahre, nehme ich meistens die Bahn. Auf der Landkarte liegen Mannheim und Kaiserslautern auf einer Waagrechten und zwischen beiden Städten gibt es Direktverbindung. Die Fahrzeit beträgt ungefähr eine Stunde und die Hälfte der Strecke führt durch den Pfälzer Wald. Auf der Fahrt passiert man 14 Bahnhöfe und durchquert 12 Tunnel. Die Strecke gehört zu meinen Lieblingsbahnstrecken.

Mir hat die Zeit vor der Abfahrt am Bahnhof noch gereicht, um mir einen Kaffee bei Fellows zu holen. Ich hatte extra meinen eigenen Thermobecher mitgenommen. Mittlerweile bin ich nur noch selten bei Fellows im Hauptbahnhof. Wenn ich an der Schlange bei Fellows stehe, muss ich meistens an Maria oder Julia denken.

Der Zug wartete schon auf Gleis 1. Kaum hatte ich mich gesetzt, klingelte mein iPhone. Meine Patentante hatte sich leider erkältet und sagte deswegen kurzfristig das Treffen wieder ab. Auf dem Rückweg hab ich beschlossen, die gewonnene Zeit dafür zu nutzen, um meinen Keller aufzuräumen.

Später am Abend, als ich gerade meinen Abwasch machte, klingelte erneut das Handy. Es war wieder meine Tante. „Marco? Wo bleibst du denn? Es ist schon dunkel. Du wolltest mich doch heute besuchen kommen?“ und in diesem Moment zog sich mein Bauch zusammen und mir ist es ganz komisch geworden.

20. August 2017

21. Dezember 2016

Meine Schwester, ihre vierjährige Tochter Lana und ich saßen im Büro meiner Eltern. Meine Schwester arbeitete irgendwas am Computer, die kleine Lana spielte mit Knete und ich las unnötiges Zeug auf dem iPad.

Lana: Guck mal, was ich Schönes geknetet hab.
Marco: Sieht aus wie ein Penis.
Schwester: MARCO!
Lana: *freutsich* PENIS! PENIS! PENIS!

Schwester: Die Lana hat doch bestimmt einen Turm gebaut, oooooder?
Marco: Nee, guck doch mal, wie das aussieht!
Lana: *machtHopserlauf* PENIS! PENIS! PENIS!

Schwester: In solchen Fällen musst du Pipimann oder sowas sagen!
Marco: *gucktverdutzt* WHAT?
Lana: *machtLuftsprünge* PENIS! PENIS! PENIS!

Schwester: Mann!!! Das ist nicht lustig!
Marco: *verstehtdasProblemnicht*
Lana: *gehtabwieeinZehner* PENIS! PENIS! PENIS!

(voll lustig)

20. August 2017

19. Dezember 2016

Meine Geschwister und ich gehen in der Vorweihnachtszeit gerne zusammen einkaufen. Das ist richtig zu einer Tradition geworden, die sich mittlerweile schon viele Jahre hält. Wir nehmen uns dafür immer einen Tag frei und gehen unter der Woche, weil es werktags in der Stadt sehr viel entspannter ist. Unsere Weihnachtsgeschenke haben wir auch meistens schon zuvor im Internet bestellt, in der Regel fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten. Einer unser bevorzugten Einkaufsstädte ist Karlsruhe.

Manchmal reisen wir zusammen an, manchmal reist jeder für sich alleine. Obwohl es zwischen Mannheim und Karlsruhe eine direkte Zugverbindung gibt und ich Zugfahren sehr liebe, fahre ich immer mit dem Auto (der Tüten wegen). Die Autos parken wir stets im Ettlinger Tor. Das Ettlinger Tor ist ein Einkaufszentrum in der Stadtmitte. Wir treffen uns meistens am späten Vormittag (weil keiner von uns gerne früh aufsteht) in einem umliegenden Kaffee zum Frühstück. Und nach dem Frühstück geht’s dann los!

Über die Jahre hat sich auch eine feste Route durch die Stadt heraus gebildet. Wir laufen ausgehend vom Ettlinger Tor über eine parallel zur Fußgängerzone liegenden Gasse zur Postgalerie. In der Gasse befinden sich ein paar kleinere Geschäfte. Die Postgalerie war früher einmal der Hauptsitz der Karlsruher Post. Nach der Privatisierung der Bundespost hat man aber (natürlich) ein Einkaufszentrum daraus gemacht. Von der Postgalerie schlendern wir dann über die Fußgängerzone wieder zurück Richtung Ettlinger Tor. Mit dem Ettlinger Tor schließen wir dann den Einkaufstag wieder ab. Zuvor stärken wir uns aber meistens noch auf dem Weihnachtsmarkt.

Das Ettlinger Tor hat drei Stockwerke und wir kaufen meistens von oben nach unten. Oben gibt’s eine Yeans Halle. Dort hab ich mehr oder weniger alle meine Jeans gekauft. Zwischendrin müssen wir immer auch mal kurz ans Auto, um die ganzen Tüten ablegen, und müssen irgendwo einen Kaffee trinken, weil uns die Füße wehtun. Nachdem es draußen dunkel geworden ist, wir alles geschafft haben und der Weihnachtsmann über den Karlsruher Weihnachtsmarkt fliegt, gehen wir meistens noch in ein schönes Restaurant etwas essen und lassen den Tag gemütlich ausklingen.

Skizze: Stephanus Buchhandlung @ Stadtplan Karlsruhe

Das ist alles total super und wir drei freuen uns jedes Jahr auf diese Einkaufstage. Jetzt gibt’s nur ein Problem und das Problem ist, gleich zu Beginn unserer Einkaufsroute liegt die Buchhandlung Stephanus. Die Buchhandlung Stephanus ist eine schöne, kleine und charmante Buchhandlung nach alter Tradition an einer Straßenecke. An der Eingangstür hängt ein Schild und darauf steht: „Man muss nicht zum Amazonas reisen, um gute Bücher zu entdecken.“ Neben dem wirklich guten Sortiment an Büchern hat die Buchhandlung Stephanus leider auch eine sehr gut sortierte Comic-Abteilung mit vielen tollen Graphic Novels. Die sind auch noch so fies, dass sie sogar ein ganzes Schaufenster mit Comics ausschmücken und man quasi gar nicht dran vorbeilaufen kann. Und das führt dann natürlich zu dem Sachverhalt, dass ich gleich zu Beginn mein für den Tag vorgesehenes Einkaufsbudget komplett verbrauche und der restliche Tag für mich eigentlich komplett unnötig ist.

Okay, immerhin bin ich mittlerweile so schlau, meinen Einkauf dort einfach hinterlegen zu lassen und später abzuholen, damit ich die schweren Comics nicht durch die ganze Stadt schleppen muss. Auf die Idee, unsere Einkaufsroute einfach in die umgekehrte Richtung zu starten, bin ich bisher noch nicht gekommen.

20. August 2017

23. Oktober 2016

Virgin Galactic wurde im Jahr 2004 gegründet. Die Firma arbeitet an der Vision, suborbitale Flüge in den Weltraum für Touristen zu ermöglichen. Hierfür werden die Passagiere mit einem Trägerflugzeug in den Himmel auf eine Höhe von 16 Kilometer transportiert und danach mit einem suborbitalen Raumgleiter per Raketenantrieb durch einen Parabelflug an die Grenze zum Weltraum gebracht. Dort dürfen sich die Glücklichen über 6 Minuten Schwerelosigkeit freuen bevor es wieder zurück zu Erde geht. Die Prototypen sind derzeit im Testbetrieb und sogar der nötige Weltraumflughafen Spaceport America in New Mexico ist schon gebaut. Virgin Galactic gehört zur Virgin Group. Und die Virgin Group gehört Richard Branson.

Ähnliche Pläne verfolgt auch Jeff Bezos. Jeff gründete nicht nur Amazon, sondern ebenso im Jahr 2000 das Unternehmen Blue Origin. Auch Blue Origin hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen zur Selbstzerstreuung in den Weltraum zu befördern. Allerdings nicht so halbgar mit Hilfe eines Trägerflugzeug, sondern die Passagiere werden in einer Kapsel mit einer Rakete richtig ins Weltall geschossen. Das Antriebsmodul bleibt bei Ankunft auch nicht als Müll im Weltraum zurück, sondern fliegt eigenständig zurück zur Erde und wird für den nächsten Flug recycelt. Die Kapsel hingegen gleitet irgendwann selbst und ganz klassisch mit Fallschirm zurück zur Erde. Mittlerweile wurden schon drei Testläufe erfolgreich durchgeführt (aber noch ohne Menschen).

Aber das ist alles eigentlich noch gar nichts gegen das, was sich Elon Musk (Tesla und Hyperloop) vorgenommen hat. Er gründete im Jahr 2002 die Firma SpaceX. Und SpaceX möchte nicht nur in den Weltraum, sondern gleich zum Mars. Dazu forscht es an einem interplanetaren Transportsystem und das geht so: Zunächst transportiert ein Raketensystem das Raumschiff mit den Passagieren in den Orbit. Während das Raumschiff im Weltraum geparkt wird, fliegt das Raketenmodul zurück zur Erde und holt noch mal schnell einen Treibstofftank. Wieder im Weltraum wird dieser Treibstoff ins Raumschiff umgepumpt. Danach fliegt die galaktische Tankstelle wieder zur Erde und das vollbetankte Raumschiff zum Mars. Der Treibstoff reicht zwar nur für den Hinflug, das macht aber nichts. Für den Rückflug wird der Treibstoff dann halt einfach auf dem Mars produziert. Dazu soll Kohlendioxid aus der Mars-Luft sowie flüssiger Sauerstoff aus dem Mars-Eis entnommen und in Methan umgewandelt werden. Das ist zwar alles noch Zukunftsmusik, aber schon heute führt SpaceX im Auftrag der NASA die meisten Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation ISS durch.

Ich frage mich ja immer, wenn ich Unternehmen wie Amazon, Tesla oder Virgin aufgebaut hätte, käme ich dann auch auf die Idee, „ach komm, lass mal noch eine Weltraumfirma gründen.“ Eigentlich kann ich mir das nur so vorstellen: Es war mal wieder Weltwirtschaftsforum in Davos (oder sowas ähnliches) und die Elite kam zusammen, um die globalen Fragen zu diskutieren. Nach endlosen Vorträgen und langwierigen Diskussionen sassen die Herren Branson, Bezos und Musk abends betrunken und müde an der Bar. Aus der Langeweile heraus spielten sie dann Penisvergleich. Aber irgendwie funktionierte das nicht so richtig, weil Amazon, Tesla und Virgin halt nicht so recht vergleichbar sind. Tja, und anstatt einfach eine Münze zu werfen, muss wohl einer gesagt haben: „Hopp, wer als Erster im Weltraum ist!“

20. August 2017

10. September 2016

Also ich mag Ideen ja eigentlich nicht so. Weil die immer so viel Arbeit machen. Hätte ich beispielsweise vorher gewusst, wie kompliziert und aufwändig ein Podcast ist, hätte ich mit Zirkusliebe niemals angefangen. Merkt man leider meistens erst hinterher. Aber einfach aufhören ist halt auch keine Option, weil das Ergebnis sogleich ein Teil von dir geworden ist.

Wenn so eine Idee erstmal da ist, fordert sie unmittelbar ihren Raum ein. Man muss alles stehen liegen lassen. Weil man von Kopf bis Fuß infiziert ist und die Schwingung ausnutzen sollte, solange die Idee noch frisch ist und aus sich selbst heraus Energie bezieht, die einen positiv antreibt. Man kann die Idee auch nicht wegschieben, die Idee denkt sich immer wieder selbst.

Und die Pläne haben das doch gar nicht vorgesehen. Also muss man alle Termine absagen und wieder neu planen, damit die Idee ihren Raum findet. Und wenn man sich gerade erst (mit viel Müh) einen freien Raum geschaffen hat und die Müßigkeit in Reichweite verweilte, so ist dieser freie Raum nun verschwunden. Aber nicht dass sich jetzt die Idee mit diesem Raum begnügen würde. Auf eine Idee folgt die nächste Idee, welche auf die erste Idee aufsetzt, die Idee wird also immer größer und schöner und verlangt nach noch mehr Raum. Und dann haste wieder Stress an allen Ecken und Enden, weil das Leben halt aus mehr als nur Ideen besteht.

Die Idee alleine, das wäre ja eigentlich nicht so dramatisch. Die macht ja nichts und tut auch nicht weh. Die Umsetzung ist das eigentliche Problem. Weil man heutzutage auch so viele Möglichkeiten hat und seine Ideen tatsächlich auch umzusetzen kann. Dem sind quasi keine Grenzen gesetzt. Früher ging das nicht so leicht von der Hand und damit waren die Ideen irgendwie erledigt. Zwar kann man Ideen ebenso verwerfen, aber durch liebevolle Umsetzung können auch durchwachsene Ideen zu wunderbaren Projekten heranreifen.

Es ist ja nicht so, dass man alle Schaltjahre mal eine Idee hat. Ich hab ständig Ideen, nur halt nicht an den richtigen Stellen. Mir kommt zum Beispiel nie eine Idee, wie ich von heut auf morgen reich werden könnte. Ich hab immer nur Ideen, wie ich meine eh schon nicht vorhandene Freizeit noch weiter verknappen können. Und dann stehste da mit einer Reihe von Projekten an der Backe, die ihre Existenz einfordern und fortlaufend der Hinwendung bedürfen. Nee, lass mal, ich will keine Ideen mehr!

Meine letzte Idee war übrigens der Sommer der Liebe. Gerade erst letzte Woche erdacht und (weil Drive) gleich umgesetzt. Beim Umsetzen hatte ich dann auch noch so ein warmes Gefühl im Bauch. Und deswegen reifte zusätzlich parallel noch der Entschluss heran, künftig öfter in dieser Form nach dem Zeichenstift zu greifen. Merkter was? Übrigens, nach über drei Jahren Bloggen ist dieser Beitrag meine erste Teilnahme an einer Blogparade (die Gitte, die befruchtet mich leider auch immer wieder).

20. August 2017

29. August 2016

Letztens habe ich wieder etwas im Internet bestellt. Der Bequemlichkeit wegen kaufe ich eigentlich ständig im Internet. Insofern ist das Adverb “letztens” voll die Schönfärberei. Jedenfalls, zwischen dem Abschluss des Kaufvorgangs und dem Empfang des bestellten Artikels habe ich insgesamt 6 Mails erhalten.

1. Mail (Absender Shop) : Wir haben Ihre Bestellung erhalten!
2. Mail (Absender Shop) : Auftragsbestätigung
3. Mail (Absender PayPal) : Bestätigung der Zahlung
4. Mail (Absender Shop) : Paket wurde an Zustelldienst übergeben
5. Mail (Absender DHL) : Das Paket ist unterwegs
6. Mail (Absender DHL) : Paket wurde beim Nachbarn hinterlegt

Hier noch mal visualisiert (um’s zu verdeutlichen).

Skizze: 1 Paket = 6 Mails

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Meistens überkommt mich der Kaufrausch nämlich in Schüben. Es ist keine Seltenheit, dass ich an einem Abend gleich mehrere Bestellungen durchführe. Mitunter auch im selben Online-Shop, weil mir nach Kaufabschluss dauernd etwas einfällt, was ich zuvor wieder vergessen habe. In der Konsequenz müssen oben stehende Mails natürlich noch mal mit der Anzahl der Einkäufe multipliziert werden.

Freilich muss man einräumen, nicht jeder Online Shop verschickt die gleichen Benachrichtigungen. Manche verzichten auf die Eingangsbestätigung, andere schicken nach dem Erhalt des Artikels gleich noch eine Umfrage hinterher, ob ich auch mit der Ware zufrieden bin. Wenn ich mit Kreditkarte zahle, fällt zwar die Paypal Notification weg, dafür erhalte ich aber eine SMS über die Kartenbelastung von der Bank. Und wenn man ganz, ganz viel Pech hat, enthalten all die vielen Mails noch nicht mal eine richtige Rechnung (die muss man dann noch mal händisch beim Anbieter downloaden).

Also mir geht das ganz schön auf den Keks und nach jedem Online-Shopping bin ich die nächsten Tage fortlaufend damit beschäftigt, all die Mails weg zu sortieren (was überhaupt nicht bequem ist).

20. August 2017

10. August 2016

Im Büro meiner ersten Arbeitsstelle hatten wir eine kleine Küche in einem Nebenraum. Die Küche war als Aufenthaltsraum für das Team gedacht und darin stand auch eine kleine Kaffeemaschine. Für jede Tasse Kaffee musste man damals 30 Cent in die Kaffeetasse werfen. Von diesem Geld wurden dann die Kaffeebohnen bezahlt. Die Reinigung war bei der Gebühr leider exklusive. Deswegen gab es einen Reinigungsplan und wenn man dran war, musste man eine ganze Woche lang jeden Tag die Kaffeemaschine sauber machen. Das hat natürlich nicht so gut geklappt (vom Anschalten des Geschirrspülers für die benutzten Tassen ganz zu schweigen).

Zwei Jahre später habe ich die Stelle gewechselt. In der neuen Abteilung gab es einen Servicevertrag mit Tschibo. Tschibo stellte dabei die Kaffeeautomaten für jedes Team kostenfrei zur Verfügung und als Ausgleich wurden die Bohnen ausschließlich von Tschibo bezogen. Und das hat sogar die Kostenstelle bezahlt! Nur die Sache mit der Reinigung und Wartung, das blieb weiterhin ein Drama! Da kann man echt alle in einen Topf werfen, von Teamleiter bis zum Praktikanten, da sinse alle gleich. Unsere Kaffeemaschine, die wurde quasi alle Schaltjahre mal sauber gemacht. Wogegen der Geschirrspüler mit viel Glück freitags schon mal versehentlich angeschaltet wurde.

Als die Kaffeemaschine dann zum hundertsten Mal wegen mangelhafter Wartung kaputt gegangen ist, hat sich die Teamleitung gedacht, so geht das nicht weiter. Nein, so kann das wirklich nicht weiter gehen! Alle Kaffeemaschinen der einzelnen Teams wurden abgeschafft und es gab nur noch eine Kaffeemaschine für das ganze Gebäude. Damit einhergehend wurde die Reinigung an den Empfang übertragen und seitdem ging die Kaffeemaschine auch nicht mehr kaputt. Nur die Geschirrspülmaschine einräumen und anschalten, das mussten die Mitarbeiter noch selber machen (hat aber trotzdem kaum jemand gemacht).

Vor ungefähr zwei Jahren ist der Unternehmensbereich dann in ein neues Gebäude gezogen. Sehr modern mit Meetings Points, Cubes und Open Spaces. Und mit Service für die Küche! Erst hab ich gedacht, jetzt ist das Problem endlich gelöst. Aber da hab ich total falsch gedacht. Die Mitarbeiter müssen nämlich (in Eigenregie) die benutzten Tassen zu den schmutzigen Tassen stellen. Dazu gibt’s an der Küchenzeile drei große Schubladen. In jeder Schublade befindet sich ein Tassenkorb, in welche man die benutzen Tassen reinstellen soll. Jetzt ist es leider so, immer wenn man die erste Schublade aufmacht, ist die Schublade schon voll. Und die nächste Schublade aufmachen, das ist halt auch sehr viel verlangt. Weil man sich dann ja noch tiefer bücken muss. Deswegen werden in der ersten Schublade alle Tassen irgendwie gestapelt und neben den Korb gestellt, was natürlich der Reinigungsfrau wieder zusätzlich Arbeit macht. Und die zweite und dritte Schublade bleiben leer.

Illustration: Kaffeetasse

20. August 2017