12. Juni 2017

Rheinland-Pfalz grenzt an Frankreich. Mit 17 war ich mit einem Mädchen zusammen, das nicht allzu weit von der Grenze weg wohnte. Es waren kaum 20 Minuten mit dem Auto. Deswegen fuhren wir ab und an gerne nach Frankreich, um Flammkuchen zu essen. Also sie fuhr, ich war ja noch 17 und hatte keinen Führerschein.

Wir gingen eigentlich immer in die gleiche Gaststätte in der Gemeinde Roeschwoog. Dort schmeckte der Flammkuchen so gut, dass sich alle anderen Flammkuchen in der ganzen Welt daran messen mussten. Wie das mit der Jugendliebe halt meistens so ist, es ist eine Liebe der Jugend und keine Liebe des Lebens (leider). Also gingen wir nach ein paar Jahren wieder getrennte Wege und seitdem war ich nicht mehr in Roeschwoog.

Letztes Jahr, also gute 20 Jahre später, machte ich mit meiner Schwester und ihrer Familie einen Ausflug nach Frankreich. Wir besuchten das Cigoland in Kintzheim, das uns mit seinem erfrischenden Charme sehr überraschte. Zum Tagesabschluss wollten wir dann noch Flammkuchen essen gehen. Und da habe ich gesagt, “Leute! Ich kenn da ein echt gutes Lokal.” In Wirklichkeit hatte ich natürlich keine Ahnung, ob es die Gaststätte von damals noch gab. Die Chancen gingen eigentlich gegen null. 20 Jahre sind in der Gastronomie eine lange Zeit und eine solche Lebensdauer ist nur wenigen Lokalen gegönnt. Außerdem war ich mir auch gar nicht sicher, ob ich mich an den Weg dahin erinnern würde.

Überraschenderweise fanden wir auf Anhieb zum Ziel und die Gaststätte existierte tatsächlich noch. Sie hatte sogar noch den gleichen Eigentümer. Es ist Familienbetrieb und selbst heute arbeiten dort teilweise noch die Leute von damals (spürbar gealtert). Als später der erste Flammkuchen vor uns stand und ich bedächtig das erste Stück probierte, kam die ganze Zeit zurück und wie ein Regen über mich. Meine Jugendliebe, die Schulzeit, die Tanzschule, die Rebellion, mein erstes Auto und all die unbefleckte Leichtigkeit voller Neugier, Lebensmut und Entdeckungen!

20. August 2017

7. Juni 2017

Vor ein paar Monaten habe ich Heike in Köln auf ein Abendessen besucht. Wenn ich nach Köln fahre, bleibe ich meistens über Nacht, aber dieses Mal wollte ich am selben Abend wieder zurück, damit sich der nächste Tag nicht so zerstückelt. Ich stand also am späten Samstagabend an den Gleisen und freute mich auf eine ruhige Zugfahrt durch die Nacht. Der Zug war dann leider sehr voll, weil Bayern München in Köln gespielt hatte und die ganzen Fans wieder nach Hause mussten. Der FC Bayern München hatte den 1. FC Köln mit 3:0 besiegt und die Fans waren guter Laune. Trotzdem war es eine sehr angenehme Fahrt.

Die letzte Station vor Mannheim war der Frankfurter Flughafen. Ich begann mich langsam auf die Ankunft in Mannheim und die Rückkehr in meine Wohnung zu freuen. Aber dann kollabierte während des Halts am Frankfurter Flughafen nur wenige Meter von mir entfernt ein Passagier und fiel leblos zu Boden. Seine Begleiterin versuchte sofort ihn bei Bewusstsein zu halten und schlug abwechselnd auf seine Wangen. Ein anderer Passagier informierte sogleich den Zugbegleiter. Die Deutsche Bahn führt in der Regel keine Sanitäter mit im Zug. Auch die Zugbegleiter sind nicht gezielt medizinisch ausgebildet. Nach dem Protokoll wird in solchen Situationen über die Sprechanlage nach einem Arzt unter den Passagieren gefragt. Im Fernverkehr ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich ein Arzt im Zug befindet. Und tatsächlich, nach wenigen Minuten war zwei Ärzte und eine Krankenschwester vor Ort. Die machten sich gleich an die Arbeit. Derweil stand der Zug.

Illustration: ICE am Bahnhof

Nach 20 Minuten waren auch die Sanitäter des Frankfurter Flughafens vor Ort. Der Wagenabschnitt wurde provisorisch in eine Art mobilen OP umfunktioniert. Der Patient bekam mehrere Infusionen und die Infusionsbeutel wurden im Zug an der Gepäckanlage angehängt. Über die ganze Zeit erhielt der Patient fortlaufend eine Herzdruckmassage. Das ärztliche Team funktionierte wie ein Uhrwerk. Jeder wusste, welche Aufgaben er hatte. Jeder gesprochene Satz hatte eine Funktion. Alle Hände gingen ineinander. Die Stille im Wagen wurde neben den Anweisungen des leitenden Arztes nur durch den Defibrillator durchbrochen. Aus Sicherheitsgründen gab das Gerät vor jedem Stromschlag die Phrase „Bitte vom Patienten wegtreten“ über eine natürliche Stimme aus. Als nach weiteren 20 Minuten keine Besserung eintrat, wurde von der Polizei ein Sichtschutz um den Patienten installiert und die Sanitäter fuhren fort.

Der Zug blieb stehen. Nachts am Frankfurter Flughafen. Der Patient war nicht transportabel. Viele Passagiere stiegen aus und wechselten in nachfolgende Züge. Ich vertrat mir zwischendrin die Beine und rauchte eine Zigarette am Bahnsteig. Mental konnte ich die Situation nicht wegabstrahieren und mir war innerlich ganz anders. In diesen Minuten wurde mir bewusst, dass wir alle unsere Aufgaben haben, damit das große Ganze funktioniert. Der Arzt sorgt für unsere Gesundheit. Der Zugführer fährt uns quer durch Deutschland, damit wir nach Hause kommen. Die Polizist sorgt für Ordnung, damit kein Chaos entsteht. Der Bäcker verkauft Backwaren, damit wir morgens frühstücken können. Und sogar die Kulturszene ist wichtig, damit wir Zerstreuung, Inspiration und Widerspruch finden. Zwischen all dem Schaffen habe ich mich gefragt, was meine Aufgabe ist und welchen Beitrag diese Aufgabe leistet. Und in dieser Situation konnte ich die Frage für mich nicht zufriedenstellend beantworten.

Irgendwann war der Patient soweit stabilisiert, damit man ihn transportieren konnte. Der Rettungswagen wartete schon lange abfahrbereit. Fast unmerklich löste sich die Situation auf. Polizei, Sanitäter und Bahnmitarbeiter eilten zu ihren nächsten Aufgaben und örtlich schien es beinah so als wäre nichts gewesen. Nach eineinhalb Stunden am Frankfurter Flughafen rollte der Zug wieder langsam an und fuhr weiter durch in die Nacht.

20. August 2017

6. Juni 2017

Am letzten Tag der diesjährigen re:publica besuchte ich nachmittags spontan den Vortrag Passion as Game Changer – Data-Driven HR in Zeiten von Arbeit 4.0 aus dem Track Business & Work. Mich interessierte das Thema, weil meine beruflichen Wurzeln im HR liegen und ich mich immer noch sehr mit dem Umfeld verbunden fühle.

Im Saal saß ich hinten in der drittletzten Reihe in der Nähe zum mittleren Durchgang. Die Session wurde von Telefonica Deutschland gehalten und war inhaltlich an sich ganz okay. Nach Ende des Vortrags blieben noch ein paar Minuten Zeit für Fragen. Eine Frau in der Reihe vor mir meldete sich. Eine Helferin brachte ihr das Mikrofon und setzte sich danach hinter mich in die vorletzte Reihe. Kurz darauf tapste sie mir auf die Schulter und fragte mich, „weißt du, wieviel Uhr es ist?“

Ich trage ja seit einiger Zeit eine Smartwatch. Der Bildschirm der Uhr ist eigentlich immer aus. Wenn man nun den Arm hebt, um die Uhrzeit abzulesen, aktiviert sich der Bildschirm automatisch. Das funktioniert in der Regel mit wenigen Ausnahmen auch sehr zuverlässig. Ich hob also meinen linken Arm. Dabei führte ich mein Handgelenk aber nicht vor mein Gesicht, sondern an meinem Gesicht vorbei nach links hinten vor die Dame, dass sie die Uhrzeit selbst ablesen konnte. Ich weiß nicht, ob’s an der ungewöhnlichen Bewegung lag, aber jedenfalls schaltete sich der Bildschirm nicht ein und die Uhr blieb schwarz. Das war an sich schon eine komische Situation.

Den Bildschirm der Smartwatch kann man natürlich ebenso aktivieren, wenn man kurz darauf tappt oder die Krone drückt. Also tippe ich auf die Krone. Kurz davor hatte sich aber der Bildschirm dann doch aktiviert, ich konnte allerdings meine Druckbewegung nicht mehr abbremsen. Jetzt ist es so, wenn der Bildschirm aktiviert ist und man die Krone drückt, öffnet sich das Home Screen und die Uhrzeit verschwindet wieder. Um nun zur Uhrzeit zurückzukehren, muss man die Krone einfach noch mal drücken, was ich dann auch getan habe.

Jedenfalls, die re:publica ist eine Konferenz über die digitale Gesellschaft, und ich hatte den Eindruck, dass die Helfersfrau nun den Eindruck hatte, dass ich mit der Smartwatch überhaupt nicht umgehen kann, was mir total peinlich war.

20. August 2017

5. Juni 2017

Sei ein Zeichentrickfilm!Julijas Mutter, Girl Cave

20. August 2017

11. Mai 2017

Ich verbringe die Mittagspause mit einem Kollegen. Wir sitzen im Einkaufszentrum, essen thailändisch und haben einander viel zu erzählen, da wir uns nicht sehr häufig sehen. Wir sprechen über die Arbeit, private Projekte und die neusten Comics. Mitten im Gespräch winkt der Kollege hinter mir jemanden zu. Ich schaue ihn fragend an, ohne mich umzudrehen.

Kollege: Meine Chefin!
Ich: Die soundso?
Kollege: Andere Chefin!

(er meinte seine Frau)

20. August 2017

11. März 2017

Bei uns im Bürogebäude wird nächste Woche eine Vereinzelungsanlage installiert. Der Terminus Vereinzelungsanlage war mir bis dahin völlig neu und ich habe mich sofort in das Wort verliebt. Wenn man den Begriff zum ersten Mal hört, geht im Kopf natürlich gleich ein Fragezeichen auf. Aber das ist eigentlich total unnötig, weil alles Nötige zum Verständnis schon im Wort enthalten ist. Es ist eine Anlage, die vereinzelt. Also eine lose Kumulierung von Objekten wieder in seine Einzelbestandteile zerlegt.

Skizze: Vereinzelung

In einfachen Worten, es handelt sich um ein Drehkreuz für den Zutritt von Gebäuden und anderen Örtlichkeiten. Und mit diesem Drehkreuz werden im Wesentlichen zwei Dinge bewirkt. Die Zutrittsberechtigung kann nämlich bei jeder Person kontrolliert werden, weil immer nur eine Person das Drehkreuz passieren kann. Bei Türen funktioniert das so nicht. Oft authentifiziert sich nur eine Person und dann schlüpfen noch ein, zwei andere Personen unkontrolliert durch (bis die Tür zu fällt). Des Weiteren ermöglicht eine Vereinzelungsanlage eine ungeordnete Traube von Menschen zu ordnen oder in geordnete Bahnen zu lenken. Wobei das eigentlich nur bedingt funktioniert.

Skizze: Vereinzelung wieder durcheinander

20. August 2017

15. Februar 2017

Was hatte ich in meinem Leben nicht schon viel Spaß mit dem Gelben Sack! Die Usability war herausragend und die Mülltüten mussten extremst kundenorientiert über die Stadtverwaltung besorgt werden. Auch die Qualität – total supi, die dünnen Plastikbeutel sind bei jeder kleinen Belastung gerissen. Und man blieb immer fit, weil man den Gelben Sack selbst raustragen musste. In Mannheim wurde die Leerung immer zweiwöchentlich durchgeführt und wie das halt so ist, man den Abholungstermin gerne mal vergessen. Sogar in der Eigentümerversammlung wurde der Gelbe Sack deswegen immer wieder thematisiert, weil sich die Säcke oft im Hof gestapelt haben (Drama, Baby! Der Gelbe Sack stapelt sich im Hof!). Also eins muss man dem Gelben Sack lassen, langweilig ist es mit ihm nicht geworden.

Skizze: Der gelbe Sack

Aber jede schöne Zeit ist leider irgendwann vorbei. Mannheim hat den Gelben Sack zum Jahreswechsel abgeschafft und im Januar die Wertstofftonne eingeführt. Und so wie sich die Lage bisher abzeichnet, stehen uns zum Glück weiterhin viele Stunden der Heiterkeit bevor.

Das hat schon damit angefangen, dass diese Änderung am Entsorgungssystem scheinbar ausschließlich über die Lokalpresse kommuniziert worden ist und kein Informationsschreiben an die Haushalte erging. Und wer halt keine Lokalpresse liest (so wie ich), hat sich irgendwann gefragt, wo kommen auf einmal die vielen gelben Tonnen her und was machen die? Und warum wird eigentlich mein Gelber Sack nicht mehr abgeholt?

Die Wertstofftonne gibt es übrigens in zwei Größen. Einmal groß und einmal klein. Die Zuteilung der Größen an die Haushalte wurde implizit über die Papiertonne abgeleitet. Unsere Hausnummer hat zum Glück die große Tonne erwischt. Was cool ist, Haushalte mit großen Tonnen bekommen den Vollservice. Das bedeutet, wir müssen die Tonne für die Leerung nicht mehr eigenhändig rausstellen, sondern die Abholmänner holen die Tonne selbst aus dem Hof. Die kleinen Tonnen müssen dagegen von den Bewohnern selbst rausgeschoben werden.

Da frag ich mich doch gleich, wie das im Detail funktioniert. Die Abholmänner haben sicherlich keine Liste dabei, wo drauf steht, welche Hausnummer welche Tonne und welchen Service hat. Also, wenn dann bei der Leerung keine Tonne vor der Haustür steht, muss man quasi schlussfolgern, aha, Vollservice, wir müssen die Tonne aus dem Hof holen. Aber was passiert jetzt, wenn die jeweilige Hausnummer nur vergessen hat, die kleine Tonne rauszustellen? Die Abholmänner bemerken das spätestens bei der Einsichtnahme in den Hof. Lassen sie die Tonne dann stehen oder nehmen sie die kleine Tonne zur Entleerung trotzdem mit (jetzt, wo sie schon im Hof sind)? Man merkt gleich, da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht, super System!

Bei einer Sache hat sich die Stadt aber selbst übertroffen. Von mir ein paar Hausnummern weiter an der Straßenecke wohnen 12 Parteien. Eindeutig ein Bezugskandidat der großen Tonne. Problem ist nur, die Hausnummer hat keinen richtigen Durchgang zum Hinterhof (z.B. ein Tor), sondern nur eine normale Haustür (da passt die große Tonne nicht durch). Deswegen wurde der Hausnummer anstatt einer großen Tonne insgesamt acht kleine Tonnen zugeteilt. Jetzt ist halt nur doof, dass die Hausnummer auch keinen richtigen Hof hat, sondern nur wenige Quadratmeter, die schon durch die Tonnen für Restmüll und Papier belegt sind. Also (man muss sich ja zu helfen wissen) stehen die Tonnen jetzt einfach vor dem Haus direkt auf dem Fußweg. Aber das ist natürlich nur ein Einzelfall. Ich muss schon sagen, davon kann jedes neue Bauwerk nur träumen. So tragend hat noch keine Maßnahme das Stadtbild verändert. Überall im Stadtteil stehen nun einsame, schöne Wertstofftonnen auf den Bürgersteigen rum!

Skizze: Die Wertstofftonne

Was für ein Einstand! Man kommt aus dem Stauen gar nicht mehr heraus! Das neue System gilt noch keine 8 Wochen, aber eins kann ich heute schon sagen. Mit der Wertstofftonne hat der gelbe Sack wirklich einen würdigen Nachfolger gefunden. Wir werden viel Spaß miteinander haben und ich freu mich schon auf all die lustigen Geschichten! <3

20. August 2017

14. Februar 2017

In der Dark Knight Trilogie von Christopher Nolan wird allgemein dem zweiten Teil die größte Bedeutung zugemessen. Dies liegt mitunter an der atemberaubenden Darstellung von Heath Ledger in der Figur des Jokers sowie an dem hochwertigen Drehbuch. Für mich persönlich besitzt jedoch der abschließende Teil „Dark Knight Rises“ wesentlich mehr Strahlkraft. Zentraler Gegenspieler von Batman in der Geschichte ist die Figur Bane. Im Kontrast zu Joker, dessen geistigen Wahnsinn Batman an seine mentalen Grenzen führt, zeichnet sich Bane durch seine überlegene Körperlichkeit aus. Neben dem eigentlichen Plot greift der Film systematisch viele gesellschaftliche Fragen auf und thematisiert beiläufig unter anderem die Finanzkrise, die Occupy Bewegung und den wachsenden Unterschied zwischen Arm und Reich. In diesem Kontext tritt Bane als Befreier auf und setzt die herrschende Ordnung sowie die bestehenden Strukturen außer Kraft. In einer zentralen Szene spricht Bane zu den Bewohner der Stadt.

Bild: Bane Prison Speech

We take Gotham from the corrupt! The rich! The oppressors of generations who have kept you down with myths of opportunity, and we give it back to you… the people. Gotham is yours. […] The powerful will be ripped from their decadent nests, and cast out into the cold world that we know and endure. Courts will be convened. Spoils will be enjoyed. Blood will be shed.Bane, Dark Knight Rises

Donald Trump sprach in seiner Inaugurationsrede zum Antritt der US-Präsidentschaft am 20. Januar 2017 vor dem Kapitol in Washington folgende Worte.

Today’s ceremony, however, has very special meaning because today, we are not merely transferring power from one administration to another or from one party to another, but we are transferring power from Washington, D.C. and giving it back to you, the people. The establishment protected itself, but not the citizens of our country. Their victories have not been your victories. Their triumphs have not been your triumphs.Donald Trump, Inaugurationsrede

Als ich diese Worte in der Berichtserstattung der Medien hörte, assoziierte ich die Rede sofort mit Dark Knight Rises. Überraschenderweise war ich damit nicht allein und viele Leute sahen die Parallele. Der Vergleich drängt sich geradezu auf, als wäre der Tenor direkt aus dem Film entlehnt. Sogar die Presse griff das Thema auf und im Internet kursieren dazu viele Clips und Collagen. In der fiktiven Vorlage hat die Sache natürlich kein gutes Ende genommen. Nach der Rede von Bane brach Anarchie aus und die Stadt versank im Chaos.

20. August 2017

12. Februar 2017

Während meines letzten Urlaubs hatte ich endlich wieder Zeit, um mich den vielen aufgestapelten Büchern zuzuwenden, die überall in meiner Wohnung stehen. Zuerst habe ich nach dem Buch Unterleuten von Juli Zeh gegriffen. Dieses Buch hatte ich als gebundene Ausgabe gekauft, weil ich so ungeduldig war und nicht auf das eBook warten konnte (eBook-Ausgaben erscheinen teilweise ein paar Wochen oder Monate später). Das hat natürlich überhaupt keinen Sinn gemacht, weil ich zum Zeitpunkt des Kaufs gar keine Zeit zum Lesen hatte. Und als ich dann endlich Zeit zum Lesen fand, war das eBook schon Monate auf dem Markt.

Skizze: 3 Bücherstapel

Zu Beginn hatte ich lange mit dem eBook als solches gehadert, aber mittlerweile lese ich viel lieber digital. Ab und zu kaufe ich aber trotzdem immer mal wieder eine gebundene Ausgabe. Warum, das weiß ich auch nicht so richtig. Die Bücher lege ich dann erstmal auf einen meiner Lesestapel und dort bleiben sie meistens auch ein paar Jahre liegen, weil ich halt lieber mit dem Kindle lese. Jedenfalls als ich dann Unterleuten gelesen habe, habe ich so gedacht, das gebundene Buch hat sich die letzten Jahre ja nicht wirklich weiterentwickelt.

Bei Apple heißt es auf jeder Produktvorstellung thinner und lighter. Das gebundene Buch hingegen ist immer noch genauso wie ich es in Erinnerung hatte. Um dicke Bücher zu lesen, braucht man zwei Hände – mitunter aus dem gleichen Grund habe ich übrigens beim iPhone mittlerweile ein Downgrade von dem iPhone 6 auf das iPhone SE gemacht. Unterleuten hat 640 Seiten und entsprechendes Gewicht. Wenn man eine Seite umblättern möchte, muss sich die eine Hand kurz zum Umblättern lösen, während die andere Hand das ganze Buch alleine halten muss und in den Sekunden des Umblätterns kurz Aua macht, weil das Buch halt so schwer ist. Schriftgröße und Zeilenabstand lassen sich beim gebundenen Buch natürlich ebenfalls nicht ändern und abends braucht man zusätzlich noch eine Leselampe.

Die Länge des Lesebändchens habe ich auch noch nie nachvollziehen können. Es ist grundsätzlich zu lang und bandelt dann immer so unnütz aus dem Buch raus. Wenn man etwas monkisch veranlagt ist, kann man das ja nicht so stehen lassen. Also muss man das Leseband knicken und umständlich zwischen den Seiten einquetschen, womit das Leseband dann aber nicht mehr seine ursprüngliche Funktion erfüllen kann. Und riechen tut das Buch auch immer noch so. Beim Geruch hab ich mich schon immer gefragt, ist das jetzt ein Bug oder ein Feature?

6. Oktober 2017

22. Januar 2017

Kurz nach dem ersten Anruf saß ich wieder in der Straßenbahn. Eigentlich wohne ich nur einen Katzensprung vom Hauptbahnhof entfernt. Es sind nur zwei Stationen und es lohnt sich kaum einzusteigen. Ich hatte mir gerade überlegt, was ich mit dem angebrochenen Tag anstellen könnte und dann hat die Straßenbahn mitten auf der Strecke wenige Meter nach ersten Haltestelle einfach angehalten.

Es kommt schon ab und an vor, dass eine Straßenbahn kurz anhalten muss. Manchmal ist die Müllabfuhr beim Ausleeren der Mülltonnen im Weg oder ein Lieferwagen entlädt gerade seine Waren. Die müssen dann immer erst zur Seite fahren. Das geht meistens auch recht schnell. Als dann die Straßenbahn nach zwei Minuten immer noch nicht anfuhr, war das schon verdächtig. In solchen Situationen passiert dann, was in solchen Situationen immer passiert. Die Leute regen sich auf! „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ „Scheißbahn!“ „Ich komm zu spät!“ „Bestimmt wieder so ein Idiot, der mit dem Auto die Fahrbahn versperrt!“. Viele Passagiere zückten ihre Handys und begannen zu telefonieren.

Irgendwann ist der Fahrzeugführer durch die Bahn von vorne nach hinten gelaufen und hat irgendwas gemacht. Der Zug hatte hinten keine Kabine, sondern schloss mit einem Wagon für Passagiere ab. Kurz darauf ist die Straßenbahn ganz langsam ein paar Meter zurückgefahren. Interessant, hab ich gedacht. Heißt das jetzt, Rückwärtsfahren ist bei Straßenbahnen speziell abgesichert und man kann nicht einfach so den Rückwärtsgang einlegen? Dann hat die Straßenbahn wieder angehalten und der Fahrzeugführer ist wieder nach vorne gelaufen.

Nach einem weiteren Moment kam die Durchsage, dass die Bahn vorerst nicht weiterfährt und wer will kann aussteigen. Zeitgleich haben sich alle Türen automatisch geöffnet. Mir gegenüber saß eine Agroteenagerin und die ist völlig ausgeflippt. Mein lieber Mann! Ich hatte leicht Sorge, dass sie beim Aussteigen die Bahn auseinander nimmt. Ich bin erstmal sitzen geblieben. Ich hatte es nicht eilig und ich hab die Zeit genutzt, um meine Gedanken treiben zu lassen.

Nach ungefähr 7 Minuten wurde es mir dann aber langweilig und ich bin auch ausgestiegen. Die Ursache war tatsächlich ein schlecht geparktes Auto. Es ragte zu weit auf die Spur und die Straßenbahn kam nicht daran vorbei. „Wie kann man nur?“ „Eingesperrt gehören die!“ “Nur noch Idioten auf der Welt!” Scheinbar waren alle einer Meinung. Ich musste daran denken, wenn man auf dem Land oder in einer Kleinstadt lebt und auf der Straße fahrende Straßenbahnen nicht zum Alltag gehören, kann das schnell passieren, dass man sein Auto genauso parkt, weil einem die Problematik mit der Straßenbahn nicht bewusst ist. Es ist ja nicht so, dass wir alle nicht schon mal in der Eile ungünstig geparkt hätten.

Die Straßenbahn stand in ihrer Anmut direkt vor einem Wettbüro. Aus dem Wettbüro kamen immer mehr Schaulustige heraus, die wissen wollten, was los war. Die meisten Personen waren südlicher Abstammung. Es hatte sich mittlerweile schon eine mittelgroße Menschenmenge gebildet. Ich hab mir vorgestellt, dass der Fahrzeughalter sich auch in der Menschentraube befindet und sich unter den gegebenen Umständen nicht mehr traut zu outen. Irgendjemand machte dann den Vorschlag, das Auto einfach gemeinsam wegzuheben. Gesagt, getan. Fast sechs Leute versuchten sogleich das Auto anzuheben, aber keine Chance (es war ein SUV).

Kurz darauf traf die VRN-Polizei (Verkehrsbund Rhein-Neckar) am „Tatort“ ein und dokumentierte die Sachlage. Es wurden Abstände vermessen und es wurden Bilder gemacht. Zeitgleich entstand ein weiteres Dilemma. Es war Samstag und es war wie immer viel Betrieb in der Stadt. Das VRN-Polizeiauto verkomplizierte nun zusätzlich die Verkehrssituation, weil es eine Abbiegung versperrte. Die Autos von Hinten konnten nicht mehr vorbeifahren und es kam zum Rückstau. Es ging nichts mehr vor und nichts mehr zurück. Immerhin wurden die neu kommenden Straßenbahnen der Linie durch eine Weiche zuvor auf eine parallellaufende Strecke umgeleitet und das sorgte dort für zusätzliches Chaos.

Ich mag solches Durcheinander und es hat mir richtig Freude bereitet, das ganze Schauspiel zu beobachten. Aber dann war es Zeit zu gehen. Nach drei Minuten hatte ich die nächste Haltestelle erreicht, wo fünf Menschen tapfer auf die Bahn warteten, die einfach nicht kam, obwohl man sie aus der Ferne schon erkennen konnte. Die Welt ist immer noch zu wenig verdigitalisiert, habe ich gedacht. An der Haltestelle gab es weder Lautsprecher noch digitale Anzeigetafeln. Im Vorbeilaufen habe ich die Warteten zugerufen: „Das dauert! Hier kommt erstmal keine Bahn mehr!”

20. August 2017