13. September 2015

Ich steige aus der Straßenbahn. Auf dem Bahnsteig herrscht Gedrängel. Meine Anschlussverbindung geht in 8 Minuten. Die Haltestelle am Rathauscenter in Ludwigshafen ist unterirdisch. Ich fahre die Rolltreppe hoch, laufe ins Freie und zünde mir eine Zigarette an. Nach ein paar Momenten tritt eine Frau an mich heran.

Frau: „Kann ich mal ziehen?“

Ich schaue sie an. Ein weiterer Augenblick vergeht. Ich reiche ihr wortlos meine Zigarette. Die Frau zieht einmal, atmet durch, zieht noch mal und gibt mir die Zigarette zurück. Sie bleibt bei mir stehen. Ich ziehe wieder an der Zigarette.

Frau: „Das Leben ist Scheiße.“

Ich sage nichts und reiche ihr erneut die Zigarette.
Die Frau inhaliert.

Frau: „Das Leben ist Scheiße.“

Sie zieht noch einmal, gibt mir die Zigarette zurück, dreht sich um und geht weg. Ich ziehe an meiner Zigarette und schaue ihr nach, wie sie langsam zwischen den vielen Menschen untergeht.

20. August 2017

4. September 2015

Der Stromanschluss des MacBooks nennt sich MagSafe. Es gibt Leute, die finden das ziemlich übertrieben. Stromanschluss hätte als Name doch auch gereicht. Ich finde, der Stromanschluss des MacBooks hat seinen eigenen Namen durchaus verdient. MagSafe ist nämlich magnetisch, was total praktisch ist. Und (das darf man nicht vergessen) MagSafe funktioniert linksrum wie rechtsrum. Sachen, die linksrum wie rechtsrum funktionieren, find ich total gut. Ich hab da einfach mit USB schlechte Erfahrungen gemacht.

Mittlerweile gibt es nicht nur MagSafe, sondern auch MagSafe 2. MagSafe 2 ist eigentlich das gleiche wie MagSafe 1. Der Stecker ist nur etwas kleiner. Vor ungefähr einem Jahr bin ich von MagSafe 1 auf MagSafe 2 umgestiegen. Na ja, eigentlich ist Umstieg übertrieben, ich hab mir halt ein neues MacBook gekauft.

Jetzt ist es so, ich schleppe nicht gerne Sachen. Und so ein Netzteil hat ja auch ziemlich viel Gewicht. Deswegen habe ich an allen Orten, an denen ich häufig bin, ein Netzteil hinterlegt. Beim Wechsel auf MagSafe 1 auf MagSafe 2 musste ich natürlich alle diese Netzteile mit einem kleinen Adapter versehen. Das sind kleine Aufsätze, die steckste auf einen MagSafe 1 Anschluss und heraus kommt ein MagSafe 2 Anschluss. Voll gut also!

Seit ein paar Tagen funktioniert nun das Netzteil zuhause hinter der Coach nicht mehr. Und jetzt frage ich mich natürlich, ob nun der Adapter oder das Netzteil kaputt ist, und grübele darüber nach, wie ich das ohne größeren Aufwand herausfinden könnte?

20. August 2017

2. September 2015

Controlling gehört eindeutig zu den Kernkompetenzen des Unternehmensbereichs, in dem ich arbeite. Wo man auch hinschaut, überall Controller.

– Corporate Division Controller
– Business Area Controller
– Operation Controller
– Investment Controller
– PMO Controller

Die Controller des angeschlossenen Weltkonzerns sind hier noch gar nicht mitgezählt. Jedenfalls wurde die Tage (so ganz nebenbei) festgestellt, dass wir das Jahresbudget für IT-Projekte quasi schon bis zum August verbraucht haben.

Super controlled, würd ich mal sagen!

20. August 2017

22. August 2015

Vor 10 Jahren:
Ich muss jeden Tag schon um 7:30 h auf der Arbeit sein.

Vor 5 Jahren:
Termine um 9 Uhr sind eine Herausforderung.

Vor 3 Jahren:
Sorry! Vor 10 Uhr nehme ich keine Termine an.

Heute:
Ob ich es mir wohl erlauben kann, den Kalender vormittags generell komplett zu blocken?

20. August 2017

21. August 2015

Das Universum stirbt. Das ist nicht neu, die Vermutung stand nämlich schon länger im Raum. Aber jetzt gilt der Sachverhalt als bestätigt.

Forscher haben insgesamt 200.000 Galaxien vermessen. Diese Vermessung hat man mit vier Teleskopen am Boden und drei Weltraumsonden durchgeführt. Dabei wurden 21 Wellenlängenbereiche betrachtet. Und tatsächlich, von Ultraviolett bis Infrarot, überall das gleiche Resultat. Das Universum leuchtet immer weniger.

Die Ergebnisse wurden schon in der Generalversammlung der Astronomischen Union präsentiert. Zwar stirbt das Universum sehr langsam, aber es stirbt. In einigen Billionen Jahren werden wir nur noch die Sterne der Milchstraße am Himmel sehen. Und in hundert Billionen Jahren ist überall nur noch Nacht.

Ich wollt’s ja nur mal sagen.

20. August 2017

1. August 2015

Wie bist Du zum Bloggen gekommen?

Strenggenommen hat alles mit einem Hexenschuss angefangen. Als Jugendlicher hab ich in der Gastronomie mein Geld verdient und als Bedienung gearbeitet. Aber als Bedienung tut man ja nicht nur bedienen, sondern auch beispielsweise die Theke mit neuen Getränken auffüllen. Und irgendwie hab ich mir dann beim Heben einer Weinkiste einen Hexenschuss geholt (oder so was ähnliches).

Jedenfalls bin ich dann erstmal ausgefallen und in die Schule konnte ich natürlich auch auch nicht gehen. Klingt erstmal gut, aber so ein ganzer Tag im Kinderzimmer ist ja auch irgendwie langweilig. Zum Glück ist aber zu jener Zeit grad das Internet aufgekommen und das war eine gute Gelegenheit sich damit mal in Ruhe zu beschäftigen. Und so hab ich an jenen Tagen gelernt, wie man eine eigene Webseiten baut.

Und was mit einer kleinen Homepage seinen Anfang nahm, hat sich über die Jahre so ausgedrückt, dass ich mehr oder weniger immer mal wieder irgendeine Art von Projekt im Internet gemacht hab. Aber wie das mit den Projekten halt so ist. Jedes Projekt geht irgendwann vorbei. Sonst wäre es ja auch kein Projekt. Was einerseits gut war, weil man ständig etwas Neues lernte. Andererseits ist das eben auch der Nachteil, weil man immer wieder bei Null anfängt. Jedenfalls bin ich irgendwann der Projekte müde geworden und sehnte mich nach mehr Nachhaltigkeit und einer Konstante.

Aus diesem Gefühl heraus ist irgendwann der Gedanke entstanden, vielleicht mit dem Bloggen anzufangen.

(für Heike)

20. August 2017

27. Juli 2015

Im Großraumbüro haben die Kollegen aber ganz schön Augen gemacht, als die schöne Marie telefonisch beim Arzt nicht nur für sich selbst, sondern auch für mich einen Termin vereinbart hat (und das auch noch zur gleichen Zeit). Bei uns im Büro ist es nicht oft ruhig, aber das war so einer dieser Momente.

Zwei Wochen später vor Ort in der Gemeinschaftspraxis wurde ich zuerst aufgerufen. Kaum im Sprechzimmer angekommen, sollte ich mich natürlich gleich nackig machen. Das Sprechzimmer hatte zwei Türen. Eine Tür zum Betreten und die zweite Tür führte direkt ins benachbarte Sprechzimmer. Während ich da so nackt herum lag, wechselte die Arzthelferin ständig zwischen den beiden Zimmern hin und her. Nach kurzer Zeit hörte ich aus dem anderen Zimmer die Stimme von Marie. Da hab ich schon überlegt, ob mir das jetzt zu privat ist. Marie und ich haben dann beide ein FollowUp verpasst bekommen. Das hat dann aber jeder für sich alleine wahrgenommen.

Es folgte ein ambulanter OP. Die Ärztin so: „Nicht gucken! Da sind schon ganz dicke Jungs umgefallen.“ Ich so: „So cool bin ich nicht, deswegen kann mir da nichts passieren.“ Trotzdem ist mir dann aber ganz schön anders geworden. Am Ende, die Ärztin so: „Sie können sich jetzt aufrichten, aber erst mal Sitzen bleiben, wegen dem Kreislauf.“ Daraufhin richtete ich mich auf und bin natürlich gleich aufgestanden. Und alles drehte sich (ich komme mir ja so oft vor wie ein kleines Kind).

Seit der OP zeigen uns Marie und ich manchmal im Büro gegenseitig unsere Narben und witzeln darüber. Die Kollegen konnten das bisher noch nicht enträtseln. Was auch total klar ist, weil es da eigentlich gar nichts zu enträtseln gibt.

20. August 2017

12. Juli 2015

Worum geht es in deinem Blog?

Tja, wenn ich das wüsste! Mein Blog ist nun etwas über zwei Jahre alt. Am Anfang hab ich vor allem über technisch-orientierte Themen geschrieben. Nach ein paar Beiträgen wurde mir das zu langweilig und ich habe mich gesellschaftlichen Themen zugewendet. Irgendwann streute ich ab und an Filmbetrachtungen ein. Für einen Post habe ich sogar mal ein kleines WordPress Plugin geschrieben. Natürlich konnte ich auch meinen Fetisch nicht aussparen, den Menschen. Mit der Zeit wurde mein Blog persönlicher und im Moment publiziere ich ganz gerne lustige Texte. Eigentlich weiß ich im Großen und Ganzen aber selbst nicht, was ich da mache.

Ich hatte immer die Hoffnung, dass sich irgendwann der Schwerpunkt von alleine einstellt. Aber das thematische Pendel schwingt immer noch munter hin und her. Ich dachte, vielleicht hilft mir das Verständnis der Anderen, um mein eigenes Verständnis zu entwickeln. Aber meinen Leser fällt die Beschreibung von unmus genauso schwer, was sehr interessant ist! Es kommt nicht allzu häufig vor, aber manchmal werde ich in der Blogosphäre verlinkt. In diesen Fällen kopieren die Autoren in ihrer Hilfslosigkeit meistens die nichtssagende Beschreibung aus meiner About Seite.

Und so steht mein kleiner Blog im Internet herum und kein Mensch weiß, was der ganze Scheiß eigentlich soll.

20. August 2017

26. Juni 2015

Wenn man sich ein bisschen mit Informationstechnik auskennt, wird man häufig nach Hilfe gefragt. Da fragen Freunde. Da fragen Verwandte. Da fragen die Eltern. Das kann manchmal schon etwas nervig sein. Aber ich helfe gerne, weil Menschen sich einfach einander helfen müssen, weil dann alles viel schöner ist. Trotzdem habe ich zeitgleich Wut im Bauch.

Auf der letzten Beerdigung in der Familie war meine Tante nicht in Lage vorab das Handy zu muten und es hat natürlich geklingelt. Vor einem Monat kaufte sich mein Onkel ein neues Notebook und ist nach dem Einschalten schon an der ersten Frage der Installationsroutine gescheitert. Letzte Woche konnte eine Freundin keine SMS mehr verschicken, ich habe geschlagene zwei Stunden aus der Ferne versucht, den Fehler zu diagnostizieren und am Ende war der Fehler, dass der betroffene Kontakt im Telefonbuch gar keine Handynummer eingetragen hatte.

Meine Wut richtet sich aber nicht gegen die Betroffenen oder gegen die Angst vor der Technik. Meine Wut richtet sich gegen die digitale Spaltung und gegen ein Umfeld, welches diese Spaltung zulässt. Meine Wut richtet sich auf das Bildungssystem, welches Informatik immer noch stiefmütterlich behandelt. Meine Wut richtet sich an die IT-Industrie, deren Produkte und Technologien immer noch viel zu kompliziert sind.

Wenn man nicht tapezieren oder Nägel in die Wand schlagen kann, halb so wild. Aber die Informatik durchzieht alle Lebensbereiche und das, was wir gerade erleben, ist immer noch der Anfang.

20. August 2017

21. Juni 2015

Als Kind bin ich auf einem kleinen Dorf aufgewachsen. Das Dorf hat heute ungefähr 750 Einwohner. Damals wahrscheinlich noch ein paar weniger. Der Friedhof des Dorfes liegt außerhalb. Zum Friedhof führt ein kleiner Gehweg durch landwirtschaftliche Felder. Am Gehweg stehen links des Weges durchgängig kleine Bäume. Das Idyll könnte beinah einem Bilderbuch entspringen.

Wenn ich früher mit Oma auf dem Friedhof war, hat sie mich immer angehalten, ruhig zu sein und sich zu benehmen. Auf dem Friedhof ruhen die Toten und die Toten darf man nicht stören. Das war eine ernste Sache. Mit einem Freund habe ich damals manchmal auf dem Friedhof gespielt. Der Reiz des Spieles lag hauptsächlich darin, etwas Verbotenes zu tun. Einmal fiel dabei ein Grabstein um. Ich hatte deswegen lange Zeit ein schlechtes Gewissen.

Das ist alles schon sehr lange her. Ich bin kein Kind mehr, aber die kleine Lana ist jetzt ein Kind. Hinter meinem Elternhof liegen Weinberge und ich fahre oft mit Lana zwischen den Feldern entlang. Lana im Laufrad, ich auf dem Tretroller. Letztens kam ich auf die Idee, mit Lana das Grab von Opa und Oma zu besuchen. Früher wäre das nicht erlaubt gewesen, aber wir fuhren mit Laufrad und Tretroller über den Friedhof und haben dabei viel gelacht. Das Verbot von damals kommt mir heute ziemlich albern vor.

Wenn man dann schon mal auf dem Friedhof ist, gießt man halt auch das Grab. Die Gießkannen auf dem Friedhof sind riesig. Ich glaub, ich habe noch nie so riesige Gießkannen gesehen. Damit Lana auch gießen konnte, mussten wir also alles zusammen machen. Und ich dachte mir, wie blöd ist das denn, diese riesigen Gießkannen? Ich will gar nicht wissen, wie sich die ganzen Omas damit unnötig abmühen.

Das Gießen hat der Kleinen dann unerwartet viel Freude gemacht. So viel Spaß, dass wir fremde Gräber und letztendlich den halben Friedhof durchgegossen haben. Auf dem Rückweg habe ich mir in Gedanken ausgemalt, ob sich wohl die hiesigen Omas die nächsten Tage darüber freuen werden.

20. August 2017