7. Februar 2015

Wenn man bei uns in der Firma eine Investition durchführen möchte, muss man nicht nur viel Geld in die Hand nehmen, sondern dieses Vorhaben zuvor auch mit verschiedenen Abteilungen abstimmen. In der Finanzabteilung wird beispielsweise die finanzielle Struktur des Investments durchleuchtet und steuerlich bewertet. Für IT-Projekte ist dort Sofia zuständig und das ist auch die wesentliche Problematik.

Sofia ist eigentlich noch ein ganz junges Ding (also ungefähr so alt wie ich), kann aber schon richtig wie eine Große! In der Regel läuft das so: Der Projektmanager bekommt erstmal einen Satz heiße Ohren, weil das ja alles falsch ist, wie der Herr Projektmanager seine Kostenpositionen strukturiert hat, und überhaupt, einmal mit Profis! Das Meeting verlässt man dann mit einem Berg von Hausaufgaben und wenn man die erledigt hat, muss man leider noch mal hin!

Im Gegensatz zu meinen Kollegen freue ich mich immer diebisch, wenn ich in die Finanzabteilung muss. Wenn die Sofia mal loslegt, das ist einfach ganz großes Kino. Ihr südländisches Naturell kommt vollendet gut zum Ausdruck. Da lehne ich mich entspannt zurück und genieße das Schauspiel. Ich find das richtig süß, ich würde sie echt manchmal am Liebsten anbeißen (konnte ich zum Glück bisher immer unterdrücken)!

Mittlerweile hab ich auch einen richtig guten Draht zu Sofia entwickelt, was ich vorrangig einem Projekt zu verdanken habe, dessen Name Sofia aber verboten hat, in ihrer Anwesenheit jemals wieder auszusprechen. Damals hab ich mich ganz genau an ihre Vorgaben gehalten und am Ende war trotzdem alles verkehrt (also auch nicht durch kreative Buchführung zu retten). Niederlagen schweißen halt zusammen. Jedenfalls, weil wir uns so gut verstehen, werde ich auch gerne mal von einem Kollegen vorgeschickt um Projekte abzustimmen. So war das dann auch diese Woche.

[Gesprächsausschnitt]

Sofia: „Und du bist hierfür Projektmanager?“
ich: „Nee, das ist der soundso.“
Sofia: „Warum machst du das nicht?“
ich: „Das Projekt hat insgesamt 15 Millionen. Das ist mir viel zu groß. Würde ich mir auch gar nicht zutrauen.“
Sofia: „Gestern saßen hier 25 Millionen und die hatten weniger Ahnung wie du.“

Sowas bekommt man ja auch nicht alle Tage gesagt. Da hat mein kleines Selbstbewusstsein gleich mal einen Hopserlauf gemacht.

20. August 2017

31. Januar 2015

Mehr so zufällig habe ich vor ein paar Wochen auf Twitter festgestellt, dass Socken ein Thema ist, über das es sich zu reden lohnt. Eigentlich hab ich die Angelegenheit ja nur kurz angerissen und dann wurde ich mit Replies richtiggehend überhäuft und kam aus der Communication gar nicht mehr heraus. Das ist quasi voll ausgeartet (#Sockenkrokodil).

Dieser Gegenstand aus Wolle bringt die Gemüter scheinbar ganz schön in Wallung. Ich persönlich hab ja mit Socken nicht so das große Problem. Die kommen von der Anzahl her genau so aus der Waschmaschine heraus, wie ich sie hinein gelegt habe. Löcher sind auch selten. Löcher sind für mich aber trotzdem ein Thema. Aber nicht in der Socke, sondern im Pullover.

Ich hab noch nicht herausgefunden warum, aber ich hab dauernd ein Loch im Pullover. Nicht irgendwo, sondern immer an der gleichen Stelle. Das Loch ist immer da, wo der Ärmel zum Oberkörperteil angenäht ist und zwar auf der Unterseite. Genau an dieser Stelle hab ich immer ein Loch. Und weil ich oft weiße Hemden und dunkle Pullover trage, sieht man diese Löcher auch immer sehr gut. Also muss ich schon aufpassen, bevor ich den Affen mache (sonst wird’s peinlich).

Meine Schneiderin würde mittlerweile jeden meiner Pullover mit Namen kennen, wenn meine Pullover Namen hätten (hamse aber nicht). Worüber ich auch schon nachgedacht habe, ist der Sachverhalt, dass die gute Frau noch nie gefragt hat, warum ich ihr eigentlich dauernd löchrige Pullover vorbeibringe. Glücklicherweise muss ich dafür auch nicht weit laufen, die Schneiderei ist grad um die Ecke (bei mir ist irgendwie alles grad um Ecke).

Und voll nett ist sie auch, meine Schneiderin. Aber nicht nur sie, auch ihr Mann. Außer der Sohn, der ist ein Gangster (der wächst da aber bestimmt noch raus). Vor ein paar Jahren (als es die Schneiderei noch nicht gab) hat die Familie und ich unter der selben Hausnummer quasi Terrasse an Terrasse gewohnt. Ich vermisse die richtig, bis heute war diese türkische Familie mein angenehmster und ruhigster Nachbar!

20. August 2017

28. Januar 2015

Mein Körper hat immer mal wieder ein kleines Wehweh. Zum Beispiel tut’s irgendwo im Mund weh. Oder am Hals. Oder irgendwo sonst am Körper. Strenggenommen tun diese Minimalwunden ja eigentlich gar nicht richtig weh. Also die machen nur Aua, wenn man sich fest darauf konzentriert oder wenn man sie berührt. Was mach ich jetzt die ganze Zeit? Richtig! Gucken, ob’s noch weh tut (berühren). Also tut’s doch die ganze Zeit weh.

20. August 2017

25. Januar 2015

Zum Glück bin ich kein Administrator.
Da biste echt nur mit Warten beschäftigt.

Warten bis der Rechner den Reboot durchgeführt hat.
Warten bis die Setup Files aus dem Internet geladen sind.
Warten bis die Installationsroutine durchgelaufen ist.
Warten bis der Kopiervorgang zu Ende ist.
Warten bis der Export oder Import abschließt.

3 MacBooks

Und dauernd klappt was nicht, dann musste es noch mal machen, also noch mal warten. Wenn das wenigstens richtiges Warten wäre, aber nee… fortlaufend muss man kontrollieren und prüfen, ob das Verfahren der Betrachtung auch richtig funktioniert und nicht an einer Prozessverklemmung verendet ist.

20. August 2017

22. Januar 2015

In der Regel kann man mich mit Kuchen nicht locken! Bin nicht so der Süße (obwohl das die Frauen dauernd behaupten). Deswegen habe ich in meinem Leben auch noch ganz wenige Kuchen gebacken. Meinen ersten Kuchen, den werde ich aber nie vergessen.

Mit dem Schwierigkeitsgrad des Kuchens hatte ich weniger Probleme als mit der Größe meiner Küche. DRAMA! Seitdem backe ich zur Hälfte im Wohnzimmer (da gibt es einen großen Tisch). Als der Kuchen fertig war, bin ich vor lauter Stolz fast geplatzt. So eine große Freude, die muss man einfach teilen. Also Kuchen eingepackt und ab zur Mama zwecks Präsentation. Ich ja Kind der Gastronomie. Zuhause den Kuchen auf der Kuchenvitrine abgestellt (1. Fehler) und den Kuchen unbeaufsichtigt gelassen (2. Fehler). Präsentieren konnte ich dann kurz darauf nur noch Dreiviertel des Hefenusszopfs. Das andere Viertel war mittlerweile verkauft.

20. August 2017

15. Januar 2015

Jeder Mensch verdient eine zweite Chance.
Ich finde das nicht.

Weil in der Regel machen wir die Sache auch beim zweiten Mal verkehrt. Und nicht nur das, auch das dritte und vierte Mal haben wir meistens keinen Erfolg. So einfach ist das leider nicht. Es ist schwierig. Wenn es leicht wäre, hätten wir es schon beim ersten Mal gleich richtig gemacht. Manchmal benötigen wir sogar ein ganzes Leben, um einen Lernprozess zu durchlaufen. Deshalb brauchen wir Menschen, die an uns glauben. Menschen, die den Glauben an uns auch nicht verlieren, wenn wir hundertmal den selben Fehler machen. Ich weiß, auch wenn ich versage, die Menschen sind da und vertrauen mir trotzdem. Was mir wieder Kraft gibt, um Niederlagen zu überwinden, ein Stück weiterzugehen und die Sache irgendwann richtig zu machen. Deswegen brauchen wir Menschen, die uns immer wieder Chancen einräumen. So viele Chancen, wie es eben braucht.

20. August 2017

11. Januar 2015

Zwischen meiner Nachbarin und mir gibt es ein Problem und das Problem ist, wir sind beide sehr introvertiert. Deswegen wohnen wir jetzt schon insgesamt drei Jahre nebeneinander und kennen uns eigentlich gar nicht. Über ein Hallo sind wir bisher noch nicht hinausgekommen. Wir lächeln uns zwar bei jeder Begegnung schüchtern an und laufen nicht still aneinander vorbei, aber mehr ist daraus noch nicht geworden. Gleich und gleich, das gesellt sich halt nicht in jedem Fall.

20. August 2017

9. Januar 2015

“Glauben Sie, das kann so weitergehen? Ein Sturm zieht auf, Mr. Wayne. Sie und Ihre Freunde sollten lieber in Deckung gehen! Denn wenn er losbricht, dann werden Sie sich alle fragen, wie Sie je so maßlos leben konnten, während Sie uns anderen so wenig lassen.”Selina Kyle, Dark Knight Rises

20. August 2017

1. Januar 2015

Weihnachten bis Neujahr habe ich durchgängig einen guten Grundpegel von Alkohol im Blut und fühle mich quasi rund um die Uhr irgendwie betrunken. Mich betrinken, das tue ich eigentlich nicht so gern. Trotzdem trink ich aber gerne Wein. Damit das im Alltag nicht ausufert, hab ich mir feste Regeln gesetzt. Nicht vor 8 Uhr, zum Beispiel. Dafür aber mit Open End. Nur an Feiertagen mache ich davon eine Ausnahme. Jetzt ist Weihnachten leider nicht nur ein Feiertag, sondern 3 Feiertage. Na ja, kann man nichts machen. Auf Weihnachten folgt aber kurz darauf Sylvester und Neujahr. Außerdem fühlen sich die Tage zwischen den Jahren auch irgendwie nach Feiertagen an. Ist ganz schön viel Alkohol, was da zusammen kommt. Wenn es hart auf hart kommt, argumentiere ich immer, ich bin auf einem Weingut aufgewachsen, da ist das völlig normal (was da mein Opa über den Tag alles weggetrunken hat, davon will ich gar nicht erst anfangen). Jedenfalls so gesehen, bin ich ganz froh, dass dieser Ausnahmezustand erst einmal vorbei ist. Gegen das ausgiebige Essen habe ich aber nichts, das könnte ruhig so weiter gehen.

20. August 2017

28. Dezember 2014

Jedes Jahr an Heiligabend packe ich nachmittags meine Sachen zusammen. Die nächsten Tage, wohl auch die Zeit zwischen den Jahren, vielleicht sogar auch bis zum Neujahr verbringe ich bei meinen Eltern. Vielleicht reise ich auch etwas früher ab. Weihnachten ist für Familien auch eine Herausforderung. Aber wie es auch kommt, ich habe mich lange darauf gefreut, es ist mein Fest und ich möchte es feiern.

Mein Auto steht direkt vor der Haustür, was selten ist und worüber ich sehr dankbar bin. Das macht es einfacher. Ich habe sechs mittlere Taschen, da muss ich dreimal zum Auto laufen. Zwei Taschen mit eingepackten Geschenken, zwei Taschen mit Klamotten, eine Notebook-Tasche und eine Tasche mit Dingen drin, mit denen ich mich an den Weihnachtstagen beschäftigen möchte.

Es fällt mir immer schwer, mich von meiner Wohnung zu verabschieden. Ist alles ordentlich, ist der Kühlschrank ausgeräumt, hab ich alles eingepackt und nichts vergessen, ist die Heizung abgedreht, sind die Mülleimer ausgeleert? Bin ich bereit? Ich laufe durch alle Räume und verabschiede mich von jedem Zimmer. Die Haustür schließe zu und mache sie gleich wieder auf, um noch einen letzten Abschiedsblick in die Wohnung zu werfen.

Ich drehe das Zündschluss und fahre los. Vorbei an den vielen leeren Parkplätzen im Stadtteil. Ich sehe Menschen, die auf das Taxi warten. Ich sehe Menschen, die mit Rollkoffer zum Bahnhof laufen. Ich sehe Menschen, die fröhlich vom Bahnhof zurück kommen. Ich sehe Familien mit dem Weihnachtsbaum im Gepäck. Ich stehe an der roten Ampel und schaue mir all die Häuser an und stelle mir die Menschen darin vor.

Es ist schon später Nachmittag und die Straßen leeren sich. Es dämmert ein wenig, als ich die Stadt hinter mich lasse. Vor mir liegt die Autobahn. Ich bin so schon nah am Wasser gebaut, aber an Weihnachten bin ich der Fluss und das Meer. Auf der Autobahn muss ich weinen.

Ich komme nicht dagegen an. Ich weine und weine und weine. So viel Wärme, so viel Nähe, so viel Innigkeit, so viel Liebe überall. Das Gefühl, es nimmt mich völlig ein. Ich kann es nicht verarbeiten. Ich spüre nicht nur meine Liebe, ich spüre die Liebe der Anderen, ich spüre die Liebe auf allen Straßen, in allen Häuser, auf allen Plätzen. Liebe, die immer da ist, die wir aber sonst nicht sehen, weil wir blind sind. Wir sehen nicht, wir hören sie nicht, wir fühlen sie nicht. Weihnachten erinnert uns daran, es öffnet uns die Augen und bringt für alle Menschen die Liebe zurück. Ich denke an das zurückliegende Jahr, ich denke an all die Sachen, die passiert sind, ich denke, an die Menschen, die mir begegnet sind. Und ich bin der Fluss und das Meer und ich muss weinen. Ich weine die ganze Fahrt, ich kann nicht mehr aufhören. Es tut mir gut, mein Gewicht verliert sich und ich weine und ich weine und ich weine.

Nach den Feiertagen erblinden wir erneut, langsam und schrittweise. Wir erblinden und verlieren den Zugang. Aber ich möchte nicht mehr erblinden. Ich möchte das Gefühl mitnehmen und beharrlich in meinem Herzen tragen. Jeder Tag ist Weihnachten. Und die Liebe, die Liebe ist immer da.

20. August 2017