24. Dezember 2014

But what I hope most of all is that you understand what I mean when I tell you that even though I do not know you and even though I may never meet you, laugh with you, cry with you, or kiss you, I love you. With all my heart, I love you.Valerie, V wie Vendetta

20. August 2017

5. Dezember 2014

Das Universum hat mir diese Woche sehr viele Geschenke gemacht. Mich berührt das arg und ich weiß gar nicht richtig, wie ich damit umgehen soll.

Nachdem ich die letzte Folge von The Walking Dead gesehen hatte, wurde ich plötzlich wieder auf einen Schlag gesund. Zwei Tage später wurde ich umarmt und ich habe die Wärme im ganzen Körper gespürt. Heute gab es eine schwierige Situation und ein Kollege hat mir ein sehr schönes Kompliment gemacht, was ich niemals so erwartet oder beansprucht hätte. Und dann hat Gitte (nachdem sie den ersten Espresso getrunken hat) über einen Tweet von mir nachgedacht.

http://himbeerwerft.de/2014/12/gluecklicher-nach-erkaeltung/

20. August 2017

1. Dezember 2014

Eigentlich bin ich für meinen Beruf überhaupt nicht geeignet und wirke im Vergleich zu meinen Kollegen wie ein Fremdkörper.

Ich bin introvertiert.
Eigentlich müsste ich aber extrovertiert sein, also vorwiegend laut und mich im Vordergrund bewegen, mir permanent Gehör verschaffen, mich ständig aufdrängen und immer sichtbar sein.

Ich bin kein Leader.
Führung bedeutet, Menschen in Bewegung zu setzen. Ich finde es aber viel besser, wenn ein Mensch sich aus sich selbst heraus bewegt, anstatt durch jemand anderen bewegt zu werden.

Ich will keine Karriere machen.
Karriere? Ist doch saulangweilig! Ich bin zufrieden. Ich brauch kein Mehr oder Größer, ich will eigentlich nur meine Sache gut machen. Viel wichtiger ist mir das Gefühl von Familie (auch auf der Arbeit). Und Spaß! Ohne Herumalbern ist alles doof.

Ich strahle keine Autorität aus.
Vielmehr komme ich wie ein jugendlicher Jungspund daher (ich kann wirklich nichts dafür) und das macht mir oft Probleme, weil mich die Leute auf den ersten Blick nicht ernst nehmen (was will denn der da?).

Ich trage selten Krawatte und Anzug.
Quasi eigentlich nie. Ich fühle mich einfach nicht wohl damit. Vielleicht sollte ich mir endlich mal einen Anzug maßschneidern lassen. Mein Körper hat eigentlich den goldenen Schnitt (sagte mal eine Schneiderin). Problem ist nur, diesen Schnitt haben nur wenige Menschen und deswegen sehen Konfektionsanzüge an mir total erbärmlich aus.

Ich mach mir nichts aus Statussymbolen.
Eigenes Büro, eigener Schreibtisch, großes Auto. Interessiert mich alles nicht! Ein eigenes Büro ist einsam und wozu ein Schreibtisch, wenn mein Schreibtisch überall ist? Nur das mit dem Auto, das fühlt sich manchmal komisch an, wenn ich mit meinem kleinen Lupo zwischen all den dicken Brummern parken muss.

20. August 2017

19. November 2014

Ich bin ein Kind der Gastronomie. Dafür haben mich früher die anderen Kinder unendlich beneidet. „Mensch, du kannst jeden Tag essen, was du willst.“

Nun ist es bekanntlich so, dass Speisekarten schon eine gewisse Statik besitzen, was bedeutet, das grundsätzliche Angebot ist beständig. Eine gewisse Dynamik gibt es meistens nur am Rand und ist auch saisonal bedingt. Das Konzept des Tagesgerichts gab es bei uns leider nicht, weil die Gaststätte schon mal nicht jeden Tag geöffnet war.

In der Konsequenz hat man als Mitarbeiter oder Gastronomiefamilienmitglied die Speisekarte natürlich schon gefühlte zehntausendmal hoch und runter gegessen. Tatsächlich ist dieser Sachverhalt ja noch viel gravierender, weil man die Gerichte permanent vor der Nase hat. Wenn der Gast seine Wahl trifft, kannste nicht widersprechen und sagen, Sorry, ich kann kein Wiener Schnitzel mehr sehen.

Wenn ich heute meine Eltern am Wochenende besuche, gibt es nicht nur in der Familie, sondern auch unter dem Personal erst mal Jubelrufe: „Geil! Marco ist da! Er kann uns Essen holen! Er kann uns Essen holen!“

Kaum zuhause angekommen, steige ich also wieder in mein Auto, fahre ein paar Dörfer weiter, zu einem größeren Dorf, welches das Privileg besitzt, einen kleinen Imbiss zu haben und kaufe Döner.

Bild: Innerbetriebliche Bestellung beim Türken

(so viel zu dazu, dass man in der Gastronomie jeden Tag essen kann, was man will).

20. August 2017

15. November 2014

Damit meine Schwester außerhalb mal wieder so richtig auf den Putz hauen kann, habe ich heute Abend auf ihre Tochter aufgepasst. Lana ist zwei Jahre alt.

Zwischen meiner Schwester und mir liegt ein großer Altersunterschied. Ich denke gerne an damals zurück, als sie auf die Welt kam. Unsere Eltern sind beide selbstständig, deswegen war ich quasi tagsüber für meine Schwester zuständig.

Tagsüber hat sie immer in meinem Bett geschlafen, während ich am Computer endlos Spiele gezockt habe. Sie schlief vier Stunden, wachte auf, wollte die Flasche, musste kurz beschäftigt werden und schlief danach wieder vier Stunden. Und so ging das eigentlich den ganzen Tag. Ich zockte am Computer und meine Schwester schlief in meinem Bett daneben.

Zu jener Zeit waren gerade Guns N’Roses echt angesagt und ich bin darauf voll abgefahren. Folgerichtig gehörten Axel Rose, Slash oder Duff zu den ersten Wörtern, die meine Schwester aussprechen konnte.

In dieser Hinsicht gibt es bei Lana noch echte Defizite, wie ich heute leider festgestellt hab. Das nächste Mal muss ich ihr unbedingt ein paar wichtige Wörter wie Batman, Catwoman oder Joker beibringen.

20. August 2017

14. November 2014

Mal davon abgesehen, dass wir natürlich global und virtuell agieren, ist der Unternehmensbereich, in dem ich arbeite, lokal über zwei Städte hinweg, weitgehend außerhalb des Campus, welcher eigentlich der Größte seiner Art ist, kleinteilig über viele Büroinseln verstreut.

Jetzt debattiert und fordert die Belegschaft auf der guten alten Betriebsversammlung schon seit vielen Jahren ein Gebäude, in dem alle Mitarbeiter des Bereiches ihren Platz finden und zusammen sitzen können. Das war natürlich utopisch und das hat eigentlich auch jeder gewusst. Utopische Vorstellungen hat aber auch immer unser neuer Herr Bereichsleiter und deswegen wurde nun tatsächlich ein neues Bürogebäude für uns gebaut. Es passen zwar nicht alle Mitarbeiter rein, aber das sind Details und mit Details kann ja man alles kaputt machen.

Plötzlich fand das die Belegschaft auch gar nicht mehr lustig, weil man doch anfahrtstechnisch von der anderen Seite der Stadt kommt, außerdem sind die Bürokonzepte zu modern (Cubes?!?! Flexoffice?!?! Offene Räume?!?!) und vom Campus ist der Neubau auch noch weit weg. Wie man es auch macht, es ist einfach immer verkehrt.

Vor zwei Wochen bin ich nun in das neue Gebäude eingezogen. Zumindest formell auf dem Papier. Sachen zum Umziehen hatte ich nämlich keine. Notebook und Blackberry habe ich immer dabei und mehr brauch ich zum Arbeiten nicht (fanden die Kollegen schon seit jeher komisch). Und für das neue Gebäude war auch erst mal keine Zeit, weil ich anderweitig mit Projekten beschäftigt war.

Prinzipiell finde ich ja, dieses Gebäude war die beste Investition des Unternehmens seit Jahrzehnten. Beinah alle Mitarbeiter an einem Ort. Allein der Effizienzgewinn durch den Wegfall der nervigen lokalen Wegstrecken. Sich kurz mit dem Kollegen abstimmen und zwar persönlich ganz ohne Chat oder Telefon, so etwas ist man schon gar nicht mehr gewohnt. Und dann ist da noch dieses altmodische Wir-Gefühl, was da auf einmal hochkommt.

Heute hatte ich nun endlich die Zeit, mir meine neue Heimat anzusehen und auch den innerlichen Umzug zu vollziehen. Und ich musste leider unmittelbar feststellen, dass die ganze Verbesserung eigentlich schon wieder für die Katz ist. Man kann sich kaum drei Meter bewegen, trifft man irgendwelche alte/neue/nette/liebgewonnene Kollegen und nutzt natürlich die Gelegenheit, um ein bisschen rumzualbern. Da kommt man gar nicht mehr richtig zum Arbeiten.

20. August 2017

12. November 2014

Während meiner dualen Berufsausbildung hatte ich mich ziemlich gut mit meiner damaligen Ausbilderin verstanden. Und zwar so gut, dass man teilweise schon Probleme hatte, die standesgemäße Distanz zu wahren. Meine Ausbildungsgruppe war mit 14 Azubis relativ klein. Trotzdem hatte sie mit uns richtig Arbeit, eigentlich meistens mit mir. Nicht, dass man mich hätte besonders fördern müssen, aber mit Regeln tue ich mir einfach schwer.

Insofern war die gegenseitige Sympathie eigentlich seltsam. Ab und an waren wir auch gemeinsam aus (offiziell war das natürlich geheim). Einmal waren wir zum Martins Gans Essen im Hof meiner Eltern. Meine „Chefin“ war eigentlich an jenem Tag etwas kränklich, wollte den Abend aber auch nicht absagen. Und der Abend war auch ganz wunderbar. Nur ihre Gesichtsfarbe wurde irgendwann komisch. Mitten im Gespräch sagte sie dann, ich glaub, mir ist schlecht.

Der nächste Satz lautete dann, ich muss mich übergeben. Da klingeln natürlich alle Alarmglocken und der Puls geht hoch, also schnell raus aus dem Bewirtungsraum, hinein in eine hintere Kammer, irgendwo einen Eimer hergeholt. Und der dritte Satz lautete schließlich, Herr Hitschler, ich wäre jetzt gerne allein…

Wir brechen heute immer noch in schallendes Gelächter aus in Gedenken an jenen Abend, er leuchtet noch mit seiner ganzen Kraft. Die Brisanz dieser Situation wurde mir persönlich auch erst viele Jahre später bewusst. Seitdem gehen wir aber jedes Jahr zum Martins Gans Essen in den Hof meiner Eltern. Ich hab nicht viele Rituale in meinen Leben, aber das ist eines davon und ich mag es sehr.

20. August 2017

8. November 2014

Ich mag die Region hier sehr. Trotzdem hab ich manchmal das Bedürfnis meine Sachen zu packen und wegzugehen. Wohin, das ist eigentlich egal. Jeden Tag verlasse ich meine Wohnung und beinah alle Straßen, Kreuzungen und Häuser wecken Erinnerungen, gute und schlechte. Überall lauern Geschichten, die schon lange zurück liegen, und fordern ihre Gegenwärtigkeit ein. Ich kann sie nicht abschütteln. Jeder Gedanke belegt innere Kanäle, was mich irgendwie unfrei macht. Ich vermisse unbefleckte Räume, bereit zum verschandeln.

20. August 2017

5. November 2014

Folgende Situation durfte ich heute im Nahfeld beobachten.

Mann: Ein Brot bitte.
Bäcker: Geschnitten?
Mann guckt Frau an.
Frau zu Mann: Geschnitten.
Mann zu Bäcker: Geschnitten!

Das habe ich natürlich gleich vertwittert. Ein solches Sahnestück bekommt man schließlich nicht jeden Tag zugespielt.

20. August 2017

3. November 2014

Bei mir ist aber auch echt immer alles verkehrt herum. Es wird langsam Winter, die Tage werden kürzer und das Tageslicht wird dunkler. Meine Wohnung wird dagegen heller.

Vor meiner Wohnung steht ein Baum. Ein sehr großer Baum sogar. Mit viel Laub dran. Ganz wunderbar! Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nur Grün und sonst nichts (mitten in der Stadt). Im Umkehrschluss kann mir niemand reinschauen, obwohl wir hier sehr eng aneinander leben. Sogar Liebe machen ist bei offenem Fenster möglich. Wenn zufällig Nacht und Regen “zusammen kommen”, einschlafen mit dem beständigen Geräusch von Regentropfen auf Blätter, unbezahlbar!

Der Baum macht die Wohnung am Tag aber recht schattig, weil die Blätter so viel Licht wegnehmen. Jetzt im Herbst, färben sich die Blätter golden, fallen langsam ab und meine Wohnung wird jeden Tag ein bisschen heller.

20. August 2017