2. November 2014

Das Meeting war für neun Uhr angesetzt. Mit Ausnahme meines Kollegen Tobias waren schon alle Teilnehmer anwesend. Ungefähr 5 Minuten nach 9 haben wir dann ohne Tobias angefangen.

Tobias war nur etwa 50 Meter Luftlinie entfernt, stand vor dem Firmeneingang und stellte fest, dass er seinen Mitarbeiterausweis vergessen hatte. Dummerweise hat man die Zugangskontrolle an diesen Eingang schon vor zwei Jahren automatisiert und deswegen gab es auch keinen Pförtner. Tobias klingelte an der zentralen Rufanlage und es meldete sich der Sicherheitsdienst. Ob man ihn reinlassen könne, Ausweis vergessen und so (ich fand das schon etwas gutgläubig). Nein, das geht leider nicht. Ohne Ausweis darf niemand auf das Gelände. Er muss sich leider am Haupteingang (der noch nicht automatisiert wurde) einen Tagesausweis anfertigen lassen.

Man kann die Strecke zum nächsten Eingang zwar auch zu Fuß laufen, ist aber schon ein gutes Stück. Also ging Tobias zurück auf den Parkplatz, stieg ins Auto, fuhr los, passierte 3 Kreuzungen, dort ins Parkhaus und über den Fußweg zum Haupteingang (der noch nicht automatisiert wurde). Dass ein Mitarbeiter den Ausweis vergisst, das passiert täglich. Der Tagesausweis ist also recht schnell gedruckt und ausgestellt. Tobias geht zurück ins Parkhaus, steigt ins Auto ein, fährt los, passiert 3 Kreuzungen, parkt, läuft zu Fuß an den Eingang, hält den Tagesausweis an den Scanner und nichts passiert.

Wenn Tobias mich gefragt hätte, ich hätte ihm das gleich sagen können. Denn der Tagesausweis besteht letztendlich nur aus schöner Pappe. Auf dieser schönen Pappe steht der Name des Inhabers und das war’s. Die echten Mitarbeiterausweise sind dagegen richtige SmartCards mit integrierter RFID-Technologie. Nur mit denen kann man Türen öffnen.

Also ruft Tobias wieder über die zentrale Rufanlage beim Sicherheitsdienst an. Ob man ihn reinlassen könne, hier der Tagesausweis (zeigt Tagesausweis in das Objektiv der Überwachungskamera). Antwort: Nein. Die Echtheit könne so nicht überprüft werden. Er müsse den Haupteingang rein (der noch nicht automatisiert wurde). An dieser Stelle war Tobias natürlich mental stark im Anschlag. Ich persönlich kann das zwar verstehen, muss mich aber andererseits auch wieder von seinen getroffenen inneren Annahmen distanzieren (denn so einfach funktioniert diese Welt schon lange nicht mehr).

Nun wieder zurück auf den Parkplatz, ins Auto einsteigen, losfahren, 3 Kreuzungen passieren, dort ins Parkhaus und zu Fuß an den Haupteingang (der noch nicht automatisiert wurde) laufen. Auf dem Firmengelände angekommen, dann die ganze Strecke ausschließlich zu Fuß wieder zurücklaufen. Als Tobias dann endlich eintraf, war das Meeting leider schon vorbei.

Tobias findet diese Geschichte bis heute nicht lustig. Ich dagegen finde die Geschichte immer wieder zum totlachen.

20. August 2017

1. November 2014

Meine Schwester hat in ihrer Beziehung die Hosen an. Ihrem Freund gefällt das natürlich gar nicht und rebelliert dauernd dagegen an. Dieser Protest bringt selbstverständlich gar nichts, am Ende setzt sich meine Schwester durch und ihr Freund fügt sich in sein Schicksal ein.

“Marco, man darf sich nicht gleich fügen, sondern man muss sich wehren”, sagt er manchmal zu mir, “man muss sich einfach wehren”. Ich antworte dann, “Und was bringt dir das jetzt? Am Ende hängt doch nur der Haussegen schief! Frauen haben immer Recht, das musst du einfach akzeptieren!”

20. August 2017

31. Oktober 2014

Maria macht mir jeden Morgen einen Kaffee.

Wenn meine Straßenbahn am Hauptbahnhof ankommt, steige ich aus und springe kurz in den Hauptbahnhof rein, um mir einen Latte Macchiato to Go zu holen. Springen ist gut, meistens bin ich ganz schön verschlafen und langsam unterwegs, obwohl es meistens schon sehr spät ist.

Theoretisch ist das unsinnig, weil ich Kaffee auch auf der Arbeit bekomme und der Restweg nur noch ein paar Minuten beträgt. Aber irgendwie hat sich dieses Ritual in der Vergangenheit irgendwann mal eingebürgert. Warum, das weiß ich nicht mehr.

Im Coffee Shop ist immer total interessantes Publikum. Ich schaue mir gerne unauffällig die Leute an, während ich in der Schlange warte. Außerdem ist da Maria. Maria strahlt immer und lacht, jeden Morgen. Lässt sich auch von meiner oft schlechten Laune nicht beeindrucken.

Wir wechseln meist nur ein paar Worte. Sie achtet immer darauf, dass, wenn andere Mitarbeiter mich bedienen, sie mir einen Rabatt einräumen, weil ich selbst den Rabatt nie einfordere. Wenn sie etwas belastet oder sie unter Stress geht, was nicht oft vorkommt, ist das richtig augenfällig. Unausgesprochen wünsche ich ihr dann immer alles Gute in Gedanken.

Jetzt hat Maria erst einmal drei Wochen Urlaub. Sie macht eine Reise und war heute schon voller Vorfreude. Ich freu mich mit, auch wenn mir dafür die nächsten Wochen jemand anderes den Kaffee machen wird.

20. August 2017

30. Oktober 2014

Beruflich arbeite ich als IT Project Manager (der nach Zimt duftet). Im Projekt Management gibt es nun das Konzept des Quality Gates. Das bedeutet, wenn ein Projekt einen wichtigen Meilenstein erreicht und in eine neue Phase eintritt, muss es einen Checkpoint durchlaufen.

Das ist quasi wie ein kleiner Audit, in dem das Projekt geprüft wird. Fällt das Projekt durch diese Prüfung, darf man nicht über die Brücke in die nächste Phase gehen. Es ist eine präventive Maßnahme, um Probleme in der kommenden Phase zu vermeiden. Soweit die Theorie und ich finde das eigentlich ganz gut.

Strenggenommen wird aber eigentlich gar nicht das Projekt geprüft, sondern der verantwortliche Project Manager. Sind die Ampel rot, gibt es Schimpfe und nervige Aufmerksamkeit. Das Ganze ist natürlich auch ziemlich aufwändig. Da kann man schon einige Project Quality Manager damit beschäftigen, was ja auch wieder doof ist (weil kostet Geld). Deswegen hat man nun bei uns im Haus den Prozess auf Self-Assessment umgestellt. Das bedeutet, der Project Manager prüft sein Projekt selbst. Für den Project Manager ist dies natürlich äußerst praktisch!

Meine Projekte werden aber weiterhin alle zentral vom Project Quality Management geprüft. Nicht, weil sie so schlecht laufen würden und deswegen besondere Aufmerksamkeit bedürfen. Nein, einfach nur darum, weil ich mich mit der Project Quality Managerin total gut verstehe. Eine Stunde zusammen rumalbern, das macht einfach Spaß, darauf will man ungern verzichten.

20. August 2017

29. Oktober 2014

Theoretisch mache ich alles gern. Ich mache gerne Haushalt (Ordnung ist das halbe Leben), ich liebe es zu putzen (weil es sich danach einfach gut anfühlt) und ich hänge gerne Wäsche auf (total entspannend). Ich koche gerne (sich selbst etwas gutes tun), ich tue gerne Sachen erledigen (das macht frei) und aufräumen (ich liebe aufräumen). Eigentlich gibt es nur ganz wenige Dinge, die ich nicht so gerne mache.

Praktisch ist das alles anders, oft nur Belastung und Programm. Weil eine einzige Sache durch ihre Abwesenheit alles kaputt macht. Und das ist die Zeit. Weil ein Tag nur 24 Stunden hat und sich alle Dinge so sehr konzentrieren. Weil wir irgendwie zu doof sind, die richtige Menge in den Tag reinzupacken. Also genau die Menge, die wir verkraften.

Deswegen muss man andauernd ordentlich Tempo machen und sollte dabei nicht einschlafen. Man ist nie bei einer Sache, sondern gedanklich immer schon an der Nächsten. Am Ende entsteht Stress im Endlosband und all die tollen Sachen machen gar keinen Spaß mehr.

20. August 2017

26. Oktober 2014

Die Temperaturen sind gesunken, die Tage sind kürzer geworden und die Uhr ist auch schon umgestellt. Sogar Weihnachten ist mittlerweile sehr beständig in den Trending Topics auf Twitter zu finden.

Im November beginnen langsam abzubremsen! Nicht erst an Heilig Abend oder zwei Tage davor (das klappt sowieso nicht). Nicht erst im Dezember (da sollte im BestCase schon alles entschleunigt sein). Das eigentliche Weihnachten ist die Vorweihnachtszeit. Lauter Tage voller Freude und warmem Gefühl im Bauch.

Deswegen jetzt schon bremsen.
Und den Bremsweg miteinberechnen!

20. August 2017

23. Oktober 2014

Eskalation ist für mich persönlich echt zu einem Unwort geworden. Wenn etwas eskaliert, dann gerät es bekanntlich außer Kontrolle und alles kommt ganz ganz schlimm. Im Projekt Management hat dieses Wort allerdings eine andere Bedeutung. Dort eskalieren die Dinge nicht aus sich selbst heraus, sondern werden gezielt in diesen Zustand überführt.

Eskalation bedeutet „das sag ich meinem Chef“. Letztlich geht es darum, dass einer von einem anderen etwas haben will, aber nicht bekommt (wenn ich etwas möchte, aber nicht bekomme, gefällt mir das natürlich auch nicht). Wenn die Eskalation dann ausgelöst wurde, hat man erst mal Arbeit.

Der Chef ruft den ChefChef an, der ruft den ChefChefChef an, der ruft seinen Kollegen an und dort geht es die Organisation wieder herunter. Unten angekommen, geht das gleiche Spiel von vorne los, nur andersrum. Das geht dann ein paar Mal hin und her (in der Regel wird man sich so auch nicht einig) und heraus kommt am Ende nichts.

Wenn ich davon selbst nicht betroffen bin, finde ich das Theater eigentlich lustig. Wenn ich betroffen bin, nervt mich das total ab. Die Mama rufen, das kann echt jeder. Aber Konflikte und Probleme selbstständig lösen, das können die wenigsten.

20. August 2017

22. Oktober 2014

Ich habe gerade eine ziemlich gute Performance. Zumindest tagsüber. Abends bin ich dann aber auch in der Konsequenz ziemlich erschöpft und obwohl da noch Zeit ist, die man mit etwas ausfüllen könnte, ist mir das nicht mehr möglich. Normalerweise habe ich abends noch richtige kreative Spitzen, die aber gerade verloren gehen. Wenn man nun also den Output des ganzen Tages betrachtet, bringt mir die High-Performance in Summe eigentlich gar nichts, weil absolutes Underachievement am Abend.

20. August 2017

21. Oktober 2014

Bin ich jetzt eigentlich schon Tagebuch-Blogger? Ich fühle mich jedenfalls schon ein bisschen wie Frau Novemberregen. Die letzten drei Wochen habe ich fast täglich auf Ello einen Beitrag geschrieben. Anfangs hat mich Ello eigentlich gar nicht interessiert. Mittlerweile ist meine Lust auf neue Dinge irgendwie begrenzt. Ich bin zufrieden und es fehlt mir nichts.

Aber dann haben die Kasper drüben auf Twitter einfach nicht aufgehört über Ello zu reden. In einem schwachen Moment habe ich wohl gedacht, ach was soll’s, anschauen tut ja nicht weh. Und die Plattform hat mich dann im Guten überrascht. Wann hat man das schon? Schöne Überraschungen sind selten.

Zu Beginn wusste ich natürlich nicht, was ich auf Ello überhaupt anstellen soll. Ich wollte nicht das gleiche Zeug wie auf meinem Blog oder Twitter posten, das wäre schließlich langweilig. Letztlich hab ich dann einfach mal losgeschrieben, im Vertrauen darauf, die Antwort wird schon kommen.

Dadurch hat sich für mich ein ganz neues Format entwickelt. Es gab Mikro auf Twitter und es gab XXL in meinem Blog. Aber dieses MID-SIZE ist noch mal etwas ganz anders. Es hat seinen eigenen Charme und es hat seine eigene Botschaft.

Die Texte auf Ello sind mittlerweile ins eigene Blog gewandert.
20. August 2017

19. Oktober 2014

In meinem Bad hängt neben dem Waschbecken immer ein gelbes Handtuch. Das Bad ist der hellste Raum in meiner Wohnung, obwohl das Bad im Vergleich zu den anderen Räumen das kleinste Fenster hat. Zur gleichen Zeit ist es komischerweise der kälteste Raum. In der Konsequenz trocken leider diese gelben Handtücher neben dem Waschbecken nicht so gut.

Also muss ich das gelbe Handtuch oft austauschen, sonst wird es muffig. Das Bad ist nicht klein, aber auch nicht groß. Und im Moment strukturell so eingerichtet, dass ein richtiger Schrank schon etwas stören würde. Deswegen liegen die gewaschenen gelben Handtücher im großen Schlafzimmerschrank. Wenn ich ein Handtuch wechsle, muss ich also immer ins Schlafzimmer zum großen Schlafzimmerschrank gehen.

Das ist aber noch nicht alles. Im großen Schlafzimmerschrank lagen die gelben Handtücher bisher immer im sechsten Fach. Mit meiner Körpergröße verhält es sich nun so ähnlich wie mit der Größe des Bads. Ich bin nicht groß, aber auch nicht klein. Jedenfalls komm ich an das sechste Fach nicht so gut ran. Ich muss mich strecken. Strecken kann ab und an schon mal anstrengend sein. Wenn ich zum Strecken zu müde bin, hole ich mir immer einen Tritt.

Ganz schön kompliziert alles. Letztens habe ich dann gedacht, so kompliziert müsste das alles doch gar nicht sein. Wenn man die gelben Handtücher ins fünfte Fach des großen Schlafzimmerschranks legen würde, wäre alles viel einfacher. Und so hab ich dann das auch gemacht und fühle mich jetzt richtig wie ein Held.

20. August 2017