13. Februar 2015

Gestern Abend habe ich mir Pizza bestellt. Eigentlich lasse ich nicht so gerne Essen liefern. Ich koche mir lieber selbst (auch wenn es nur Reste sind). Trotzdem ist es manchmal sehr schön, in der allgegenwärtigen Müdigkeit, die Küche nicht zu betreten und sich diesen Luxus zu gönnen. Aber gestern war das kein Luxus, sondern schlichtweg Notwenigkeit. Ich hatte zum Kochen keine Zeit, aber trotzdem Hunger.

Am allerliebsten bestelle ich beim Da Silvio. Da Silvio ist grad um die Ecke. Fast schon viel zu nah. Weil ich es auf dem Weg dahin nicht schaffe, eine Zigarette vollständig zu rauchen. Trotzdem ist mir dieser Weg manchmal schon zu viel Arbeit. Da musste das Telefon in die Hand nehmen. Da musste Schuhe anziehen und aus dem Haus gehen. Deswegen bestelle ich ab und an auch bei Joey’s (obwohl ich Ketten eigentlich nicht mag). Kannste aber per App mit dem iPhone machen. Hauptsache mit Niemandem reden!

Vor ein paar Jahren stand die Wohnung unter meiner Wohnung zum Verkauf. Die Wohnung hat sich damals auch Da Silvio angeschaut. Zum Glück hat er die aber nicht genommen, da hätte ich mich nämlich nicht mehr getraut, woanders zu bestellen und hätte die Pizza immer beim Da Silvio geholt. Er wohnt zwar dennoch in meinem Hinterhof, aber immerhin unter einer anderen Hausnummer. Und weil er sowieso immer in der Pizzeria ist, bekommt er das gar nicht mit, dass ich manchmal fremdgehe.

Tagsüber spielen manchmal seine Kinder vor der Pizzeria auf der Straße. Abends übernehmen dann seine Kumpels und überall stehen dicke Autos. Mit dem Auto, das ist auch so eine Sache. Bei mir im Stadtteil ist das Parken nicht dramatisch. Zumindest meistens nicht, aber manchmal schon. Aber ich habe noch nie, nie, nie mit meinem Auto direkt vorm Da Silvio geparkt. Selbst wenn da ein Parkplatz frei war. Ich denke immer, sein Imbissauto braucht den Parkplatz viel dringender als ich.

Manchmal treffe ich morgens, wenn ich zur Straßenbahnhaltestelle laufe, seine Frau. Seine Frau bringt nämlich immer die Kinder zur Kita. Als ich vor Jahren nach Mannheim gezogen bin, war seine Frau noch voll der heiße Feger. Mittlerweile ist sie ein bisschen mollig geworden. Wie so ne’ italienische Mama! Aber sie ja auch eine italienische Mama. Meine Mama bestellt übrigens auch gerne Pizza. Das war ein langer Lernprozess und ich hab’s ihr beigebracht. :-)

20. August 2017

10. Februar 2015

Sich einen freien Raum zu schaffen und diesen freien Raum dauerhaft zu erhalten, das ist schon irgendwie Luxus. So ein freier Raum, man kann in den freien Raum hineingehen und sich einfach davon überraschen lassen, was der freie Raum an Geschichten bereithält. Aber diese Geschichten, die muss man erst einmal schreiben, der freie Raum ist schließlich leer, sonst wäre es ja kein freier Raum, man ist darin ganz für sich allein. Aber so ganz stimmt das auch nicht, weil man selbst auch drin ist, im Raum. Das muss man erst einmal aushalten, so ganz mit sich allein. Da stellen sich ganz neue Fragen und diesen Fragen muss sich stellen. Und so entsteht, was anders nicht möglich gewesen wäre. Insgesamt ist das doch ganz wunderbar, dass aus dem nichts heraus etwas werden kann, was aus der Dichte nicht hätte wachsen können. Noch schöner, wenn sich der freie Raum bewegt und nicht an fester Stelle klebt. Oder wenn man den Raum verlässt und man trotzdem wieder in dem selbigen ist. Oder der freie Raum sich immer wieder anders anfühlt, obwohl die Leere eigentlich die gleiche ist. Soweit alles nichts Neues. Auch nicht neu sind die eigenen Erschwernisse, die man plötzlich vorfindet, die aber schon immer da waren, die sich aber nicht entfalten konnten, weil der Platz gefehlt hat, die man aber auch nicht gesehen hätte, weil gar keine Zeit zum Sehen gewesen wäre, diese Probleme bringt der freie Raum ebenfalls zurück.

20. August 2017

7. Februar 2015

Wenn man bei uns in der Firma eine Investition durchführen möchte, muss man nicht nur viel Geld in die Hand nehmen, sondern dieses Vorhaben zuvor auch mit verschiedenen Abteilungen abstimmen. In der Finanzabteilung wird beispielsweise die finanzielle Struktur des Investments durchleuchtet und steuerlich bewertet. Für IT-Projekte ist dort Sofia zuständig und das ist auch die wesentliche Problematik.

Sofia ist eigentlich noch ein ganz junges Ding (also ungefähr so alt wie ich), kann aber schon richtig wie eine Große! In der Regel läuft das so: Der Projektmanager bekommt erstmal einen Satz heiße Ohren, weil das ja alles falsch ist, wie der Herr Projektmanager seine Kostenpositionen strukturiert hat, und überhaupt, einmal mit Profis! Das Meeting verlässt man dann mit einem Berg von Hausaufgaben und wenn man die erledigt hat, muss man leider noch mal hin!

Im Gegensatz zu meinen Kollegen freue ich mich immer diebisch, wenn ich in die Finanzabteilung muss. Wenn die Sofia mal loslegt, das ist einfach ganz großes Kino. Ihr südländisches Naturell kommt vollendet gut zum Ausdruck. Da lehne ich mich entspannt zurück und genieße das Schauspiel. Ich find das richtig süß, ich würde sie echt manchmal am Liebsten anbeißen (konnte ich zum Glück bisher immer unterdrücken)!

Mittlerweile hab ich auch einen richtig guten Draht zu Sofia entwickelt, was ich vorrangig einem Projekt zu verdanken habe, dessen Name Sofia aber verboten hat, in ihrer Anwesenheit jemals wieder auszusprechen. Damals hab ich mich ganz genau an ihre Vorgaben gehalten und am Ende war trotzdem alles verkehrt (also auch nicht durch kreative Buchführung zu retten). Niederlagen schweißen halt zusammen. Jedenfalls, weil wir uns so gut verstehen, werde ich auch gerne mal von einem Kollegen vorgeschickt um Projekte abzustimmen. So war das dann auch diese Woche.

[Gesprächsausschnitt]

Sofia: „Und du bist hierfür Projektmanager?“
ich: „Nee, das ist der soundso.“
Sofia: „Warum machst du das nicht?“
ich: „Das Projekt hat insgesamt 15 Millionen. Das ist mir viel zu groß. Würde ich mir auch gar nicht zutrauen.“
Sofia: „Gestern saßen hier 25 Millionen und die hatten weniger Ahnung wie du.“

Sowas bekommt man ja auch nicht alle Tage gesagt. Da hat mein kleines Selbstbewusstsein gleich mal einen Hopserlauf gemacht.

20. August 2017

31. Januar 2015

Mehr so zufällig habe ich vor ein paar Wochen auf Twitter festgestellt, dass Socken ein Thema ist, über das es sich zu reden lohnt. Eigentlich hab ich die Angelegenheit ja nur kurz angerissen und dann wurde ich mit Replies richtiggehend überhäuft und kam aus der Communication gar nicht mehr heraus. Das ist quasi voll ausgeartet (#Sockenkrokodil).

Dieser Gegenstand aus Wolle bringt die Gemüter scheinbar ganz schön in Wallung. Ich persönlich hab ja mit Socken nicht so das große Problem. Die kommen von der Anzahl her genau so aus der Waschmaschine heraus, wie ich sie hinein gelegt habe. Löcher sind auch selten. Löcher sind für mich aber trotzdem ein Thema. Aber nicht in der Socke, sondern im Pullover.

Ich hab noch nicht herausgefunden warum, aber ich hab dauernd ein Loch im Pullover. Nicht irgendwo, sondern immer an der gleichen Stelle. Das Loch ist immer da, wo der Ärmel zum Oberkörperteil angenäht ist und zwar auf der Unterseite. Genau an dieser Stelle hab ich immer ein Loch. Und weil ich oft weiße Hemden und dunkle Pullover trage, sieht man diese Löcher auch immer sehr gut. Also muss ich schon aufpassen, bevor ich den Affen mache (sonst wird’s peinlich).

Meine Schneiderin würde mittlerweile jeden meiner Pullover mit Namen kennen, wenn meine Pullover Namen hätten (hamse aber nicht). Worüber ich auch schon nachgedacht habe, ist der Sachverhalt, dass die gute Frau noch nie gefragt hat, warum ich ihr eigentlich dauernd löchrige Pullover vorbeibringe. Glücklicherweise muss ich dafür auch nicht weit laufen, die Schneiderei ist grad um die Ecke (bei mir ist irgendwie alles grad um Ecke).

Und voll nett ist sie auch, meine Schneiderin. Aber nicht nur sie, auch ihr Mann. Außer der Sohn, der ist ein Gangster (der wächst da aber bestimmt noch raus). Vor ein paar Jahren (als es die Schneiderei noch nicht gab) hat die Familie und ich unter der selben Hausnummer quasi Terrasse an Terrasse gewohnt. Ich vermisse die richtig, bis heute war diese türkische Familie mein angenehmster und ruhigster Nachbar!

20. August 2017

28. Januar 2015

Mein Körper hat immer mal wieder ein kleines Wehweh. Zum Beispiel tut’s irgendwo im Mund weh. Oder am Hals. Oder irgendwo sonst am Körper. Strenggenommen tun diese Minimalwunden ja eigentlich gar nicht richtig weh. Also die machen nur Aua, wenn man sich fest darauf konzentriert oder wenn man sie berührt. Was mach ich jetzt die ganze Zeit? Richtig! Gucken, ob’s noch weh tut (berühren). Also tut’s doch die ganze Zeit weh.

20. August 2017

25. Januar 2015

Zum Glück bin ich kein Administrator.
Da biste echt nur mit Warten beschäftigt.

Warten bis der Rechner den Reboot durchgeführt hat.
Warten bis die Setup Files aus dem Internet geladen sind.
Warten bis die Installationsroutine durchgelaufen ist.
Warten bis der Kopiervorgang zu Ende ist.
Warten bis der Export oder Import abschließt.

3 MacBooks

Und dauernd klappt was nicht, dann musste es noch mal machen, also noch mal warten. Wenn das wenigstens richtiges Warten wäre, aber nee… fortlaufend muss man kontrollieren und prüfen, ob das Verfahren der Betrachtung auch richtig funktioniert und nicht an einer Prozessverklemmung verendet ist.

20. August 2017

22. Januar 2015

In der Regel kann man mich mit Kuchen nicht locken! Bin nicht so der Süße (obwohl das die Frauen dauernd behaupten). Deswegen habe ich in meinem Leben auch noch ganz wenige Kuchen gebacken. Meinen ersten Kuchen, den werde ich aber nie vergessen.

Mit dem Schwierigkeitsgrad des Kuchens hatte ich weniger Probleme als mit der Größe meiner Küche. DRAMA! Seitdem backe ich zur Hälfte im Wohnzimmer (da gibt es einen großen Tisch). Als der Kuchen fertig war, bin ich vor lauter Stolz fast geplatzt. So eine große Freude, die muss man einfach teilen. Also Kuchen eingepackt und ab zur Mama zwecks Präsentation. Ich ja Kind der Gastronomie. Zuhause den Kuchen auf der Kuchenvitrine abgestellt (1. Fehler) und den Kuchen unbeaufsichtigt gelassen (2. Fehler). Präsentieren konnte ich dann kurz darauf nur noch Dreiviertel des Hefenusszopfs. Das andere Viertel war mittlerweile verkauft.

20. August 2017

15. Januar 2015

Jeder Mensch verdient eine zweite Chance.
Ich finde das nicht.

Weil in der Regel machen wir die Sache auch beim zweiten Mal verkehrt. Und nicht nur das, auch das dritte und vierte Mal haben wir meistens keinen Erfolg. So einfach ist das leider nicht. Es ist schwierig. Wenn es leicht wäre, hätten wir es schon beim ersten Mal gleich richtig gemacht. Manchmal benötigen wir sogar ein ganzes Leben, um einen Lernprozess zu durchlaufen. Deshalb brauchen wir Menschen, die an uns glauben. Menschen, die den Glauben an uns auch nicht verlieren, wenn wir hundertmal den selben Fehler machen. Ich weiß, auch wenn ich versage, die Menschen sind da und vertrauen mir trotzdem. Was mir wieder Kraft gibt, um Niederlagen zu überwinden, ein Stück weiterzugehen und die Sache irgendwann richtig zu machen. Deswegen brauchen wir Menschen, die uns immer wieder Chancen einräumen. So viele Chancen, wie es eben braucht.

20. August 2017

11. Januar 2015

Zwischen meiner Nachbarin und mir gibt es ein Problem und das Problem ist, wir sind beide sehr introvertiert. Deswegen wohnen wir jetzt schon insgesamt drei Jahre nebeneinander und kennen uns eigentlich gar nicht. Über ein Hallo sind wir bisher noch nicht hinausgekommen. Wir lächeln uns zwar bei jeder Begegnung schüchtern an und laufen nicht still aneinander vorbei, aber mehr ist daraus noch nicht geworden. Gleich und gleich, das gesellt sich halt nicht in jedem Fall.

20. August 2017

9. Januar 2015

“Glauben Sie, das kann so weitergehen? Ein Sturm zieht auf, Mr. Wayne. Sie und Ihre Freunde sollten lieber in Deckung gehen! Denn wenn er losbricht, dann werden Sie sich alle fragen, wie Sie je so maßlos leben konnten, während Sie uns anderen so wenig lassen.”Selina Kyle, Dark Knight Rises

20. August 2017