Mach’s gut, Gelber Sack

Was hatte ich in meinem Leben nicht schon viel Spaß mit dem Gelben Sack! Die Usability war herausragend und die Mülltüten mussten extremst kundenorientiert über die Stadtverwaltung besorgt werden. Auch die Qualität – total supi, die dünnen Plastikbeutel sind bei jeder kleinen Belastung gerissen. Und man blieb immer fit, weil man den Gelben Sack selbst raustragen musste. In Mannheim wurde die Leerung immer zweiwöchentlich durchgeführt und wie das halt so ist, man den Abholungstermin gerne mal vergessen. Sogar in der Eigentümerversammlung wurde der Gelbe Sack deswegen immer wieder thematisiert, weil sich die Säcke oft im Hof gestapelt haben (Drama, Baby! Der Gelbe Sack stapelt sich im Hof!). Also eins muss man dem Gelben Sack lassen, langweilig ist es mit ihm nicht geworden.

Skizze: Der gelbe Sack

Aber jede schöne Zeit ist leider irgendwann vorbei. Mannheim hat den Gelben Sack zum Jahreswechsel abgeschafft und im Januar die Wertstofftonne eingeführt. Und so wie sich die Lage bisher abzeichnet, stehen uns zum Glück weiterhin viele Stunden der Heiterkeit bevor.

Das hat schon damit angefangen, dass diese Änderung am Entsorgungssystem scheinbar ausschließlich über die Lokalpresse kommuniziert worden ist und kein Informationsschreiben an die Haushalte erging. Und wer halt keine Lokalpresse liest (so wie ich), hat sich irgendwann gefragt, wo kommen auf einmal die vielen gelben Tonnen her und was machen die? Und warum wird eigentlich mein Gelber Sack nicht mehr abgeholt?

Die Wertstofftonne gibt es übrigens in zwei Größen. Einmal groß und einmal klein. Die Zuteilung der Größen an die Haushalte wurde implizit über die Papiertonne abgeleitet. Unsere Hausnummer hat zum Glück die große Tonne erwischt. Was cool ist, Haushalte mit großen Tonnen bekommen den Vollservice. Das bedeutet, wir müssen die Tonne für die Leerung nicht mehr eigenhändig rausstellen, sondern die Abholmänner holen die Tonne selbst aus dem Hof. Die kleinen Tonnen müssen dagegen von den Bewohnern selbst rausgeschoben werden.

Da frag ich mich doch gleich, wie das im Detail funktioniert. Die Abholmänner haben sicherlich keine Liste dabei, wo drauf steht, welche Hausnummer welche Tonne und welchen Service hat. Also, wenn dann bei der Leerung keine Tonne vor der Haustür steht, muss man quasi schlussfolgern, aha, Vollservice, wir müssen die Tonne aus dem Hof holen. Aber was passiert jetzt, wenn die jeweilige Hausnummer nur vergessen hat, die kleine Tonne rauszustellen? Die Abholmänner bemerken das spätestens bei der Einsichtnahme in den Hof. Lassen sie die Tonne dann stehen oder nehmen sie die kleine Tonne zur Entleerung trotzdem mit (jetzt, wo sie schon im Hof sind)? Man merkt gleich, da hat sich jemand richtig Gedanken gemacht, super System!

Bei einer Sache hat sich die Stadt aber selbst übertroffen. Von mir ein paar Hausnummern weiter an der Straßenecke wohnen 12 Parteien. Eindeutig ein Bezugskandidat der großen Tonne. Problem ist nur, die Hausnummer hat keinen richtigen Durchgang zum Hinterhof (z.B. ein Tor), sondern nur eine normale Haustür (da passt die große Tonne nicht durch). Deswegen wurde der Hausnummer anstatt einer großen Tonne insgesamt acht kleine Tonnen zugeteilt. Jetzt ist halt nur doof, dass die Hausnummer auch keinen richtigen Hof hat, sondern nur wenige Quadratmeter, die schon durch die Tonnen für Restmüll und Papier belegt sind. Also (man muss sich ja zu helfen wissen) stehen die Tonnen jetzt einfach vor dem Haus direkt auf dem Fußweg. Aber das ist natürlich nur ein Einzelfall. Ich muss schon sagen, davon kann jedes neue Bauwerk nur träumen. So tragend hat noch keine Maßnahme das Stadtbild verändert. Überall im Stadtteil stehen nun einsame, schöne Wertstofftonnen auf den Bürgersteigen rum!

Skizze: Die Wertstofftonne

Was für ein Einstand! Man kommt aus dem Stauen gar nicht mehr heraus! Das neue System gilt noch keine 8 Wochen, aber eins kann ich heute schon sagen. Mit der Wertstofftonne hat der gelbe Sack wirklich einen würdigen Nachfolger gefunden. Wir werden viel Spaß miteinander haben und ich freu mich schon auf all die lustigen Geschichten! <3

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
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