Das traumatisierende Auto

Bei uns in der Familie hat jeder sein eigenes Auto. Fast alle wohnen im ländlichen Raum und ohne eigenes Auto ist das Leben da einfach nicht zu bewältigen. Wenn in der Familie ein Auto beispielsweise durch Reparaturen ausfällt, bringt das alle Prozesse durcheinander und die Autos werden in der Familie wild hin- und her getauscht, damit jeder ein Auto verfügbar hat, wenn er eins braucht. Dabei gibt es natürlich auch Präferenzen, welche Autos man gerne nimmt und welche nicht. Mein Auto steht dabei ganz am Ende der Kette, was ich überhaupt nicht verstehe.

Mein Auto hat ein Automatik-Getriebe sowie ein Start-Stopp-System. Deswegen hatte sich Mama beispielsweise ganz lange gegen das Fahren meines Autos gewehrt. Obwohl die Automatik das Fahren eigentlich viel einfacher macht, ist es halt schon sehr ungewohnt, wenn man nicht kuppeln und keine Gänge einlegen muss. Und beim Start-Stopp-System hatte sie doch starke Bedenken, ob das Auto an der Ampel wirklich wieder anspringt. Irgendwann hat sich Mama aber dann doch überwunden. Das Problem war dann überraschenderweise ein ganz anderes. Die Bremsen sind bei meinem Auto nämlich so eingestellt, dass schon geringer Druck für eine enorme Bremsleistung sorgt. Also war folgendes geschehen, Mama möchte leicht abbremsen und aufgrund ihrer Erzählung stelle ich mir die Situation gedanklich so vor, dass mein Auto eine Vollbremsung macht und eventuell sogar einen kleinen Salto. Seitdem ist Mama von meinem Auto traumatisiert und ist es nie wieder gefahren.

Meine Schwester hingegen ist da nicht so zimperlich. Obwohl ihr die befürchtete Sache mit der Start-Stopp-System tatsächlich einmal passiert ist. Mitten in Heidelberg im Stadtverkehr ist das Auto nicht mehr angesprungen. Angeblich! Mir ist das ja noch nie passiert. Letzten Sommer hat sich der Wind aber auch in ihrem Fall gedreht. Mama war ohne Auto, weil sich die Lieferung ihres Neuwagens verzögerte, aber das alte Auto schon verkauft war. Weil aber Mama nun ja von meinem Auto traumatisiert war, hatte sie das Auto von meiner Schwester zur Leihe bekommen und dafür hat meine Schwester meines benutzt. In dieser Zeit war gerade Hochsommer und jetzt muss man wissen, mein Auto hat keine Klimaanlage. Viele Erledigungen, 37 Grad und den Rest kann man sich ausmalen. Meine Schwester gab mir das Auto schon nach wenigen Tagen wieder zurück.

Es entbehrt natürlich nicht der Ironie, dass ich als Einziger in der Familie nicht auf mein Auto angewiesen bin und es deswegen problemlos ausleihen kann. Selbst mein KFZ-Mechaniker macht sich teilweise über mein Auto lustig und sagte letztens zu meiner Schwester: „Ist wirklich ein Fahrerlebnis mit Marcos Auto, gell?“. Nur Papa hat da keine Berührungsängste, aber das ist jetzt wieder genau verkehrt herum. Wir versuchen nämlich alle zu vermeiden, dass Papa unsere Autos in die Finger bekommt, weil über kurz oder lang bekommt man es mit irgendwelchen Dellen zurück.

Lupo 3L TDI (Bleistiftzeichnung)

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
3 Kommentare
  1. marco
    Heike 15. März 2018

    Hahahahahahahahaha :-)

  2. marco
    Justus Meigen 8. August 2018

    Sehr amüsanter Beitrag, ein typisches Familiengefüge und ein Chaos welches mir sehr bekannt vorkommt. Ich habe mit 19 das Auto bekommen, dass keiner in der Familie wollte. Ein Abenteuer, wie deines auch. Ich liebe es, vor allem weil ich es meist für mich habe und keiner damit auf Reisen möchte oder mal zum Flughafen.

  3. marco
    marco 8. August 2018

    Danke! :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.