Viel Spaß mit SmartCards

Es war der erste Termin des Tages und ich traf wie üblich als auch erstes im Besprechungsraum ein. Müde bestätigte ich die Raumnutzung am Terminal und nippte an meinem Kaffee. Langsam kamen nach und nach die Kollegen. Als ich mein Notebook aufklappte und booten wollte, erkannte das Notebook meine SmartCard nicht. Ohne SmartCard lässt sich der Rechner leider nicht starten, weil die Daten auf der Festplatte nicht entschlüsselt werden können. Ich zog die SmartCard raus und machte, was man halt immer so macht. Soft Reset, dann Hard Reset, SmartCard abwischen, in den SmartCard-Slot reinpusten. Nichts hat funktioniert und das Notebook ließ sich ums Verrecken nicht booten. Parallel versuchte ich den Termin zu moderieren, hörte aber nur mit einem halben Ohr zu. Das Thema war mir eigentlich sehr wichtig und ich hatte lange auf die jetzige Klärung gewartet, aber ich konnte mich wegen dem SmartCard-Problem nicht richtig auf die Diskussion konzentrieren (außerdem kam ich auch nicht an die vorbereitete Agenda, weil auf Notebook gespeichert).

Mit der Zeit kam ich dann auch richtig ins Schwitzen. Der nächste Anschlusstermin war nämlich ein Sounding Board. Sounding Board ist ein Begriff aus dem Projektmanagement und bezeichnet ein Gremium, welches beispielsweise als Resonanzboden dienen kann. Das Sounding Board hatte ich virtuell geplant und wollte in diesem Rahmen den aktuellen Projektstatus präsentieren. Aber wie sollte das nun funktionieren – ohne laufenden Rechner? Ich konnte zwar die Hotline darum beten, meinen Rechner zu starten, aber das würde nicht helfen, weil das WebEx (Software für virtuelle Konferenzen) ebenfalls mit einer SmartCard-Authentifizierung abgesichert war. Langsam stieg Panik in mir auf. Dummerweise hatte ich auch keinen anderen Benutzer als alternativen Host für das virtuelle Meeting definiert (der Host kann als einziger die Online-Präsentation starten). Ich rief meinen Kollegen Tobias an und bat ihn, sich 15 Minuten vorher einzuloggen, damit er vom System die temporären Host-Rechte bekommt (der erste Login erhält die Rechte bis der echte Host kommt). Zum Glück hatte ich auch die Präsentation auf dem Projektlaufwerk abgelegt. Tobias konnte sich die Präsentation ziehen, die Folien im Meeting schalten und ich berichtete mündlich. War alles ziemlich holprig, aber okay.

SmartCard

Nach dem Sounding Board betrachteten wir zusammen das Problem genauer. Wir benutzen meine SmartCard auf dem Rechner von Tobias, wo sie sofort erkannt wurde. Folglich muss also der integrierte SmartCard-Reader meines Notebooks kaputt sein. Glücklicherweise hatte Tobias einen externen SmartCard-Reader auf Lager. Wir schlossen den Reader an mein Notebook an, aber meine SmartCard wurde trotzdem nicht erkannt. Komisch! Wie soll ich das jetzt der Hotline erklären, wenn ich es selber nicht verstehe? Ich beschloss zur Ausweisstelle zu gehen und mir sicherheitshalber (mal wieder) einen neuen Firmenausweis machen zu lassen.

Kurze Zeit später schob ich die neue SmartCard in den Rechner und es passierte … nichts. Das Notebook verweigerte weiterhin den Dienst. Ich bestellte mir telefonisch einen externen SmartCard-Reader und musste solange übergangsweise für jeden Boot die Hotline anrufen, was extrem umständlich war. Zwei Tage später wurde der externe SmartCard-Reader geliefert. Bevor ich das Päckchen aufmachte, versuchte ich spaßeshalber noch mal das Notebook mit meiner SmartCard zu starten. Zackbums, SmartCard erkannt, Rechner startet. Das war vor ein paar Monaten und seitdem hatte ich keine Probleme mehr.

Das versteht doch kein Mensch!!!

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
2 Kommentare
  1. marco
    Violine 29. Mai 2018

    Das “versteht” nur die Maschine!

    Hört sich irgendwie an wie mein Shredder. Wenn der öfters hintereinander gearbeitet hat, muss er mehrere Tage wieder ruhig stehen. Wieso mehrere Tage, das ist mir auch nicht ersichtlich, aber er will eine lange Auszeit. Dann tut er wieder.

  2. marco
    marco 29. Mai 2018

    Zu Freunden sage ich ja immer, dass sie bei Computer- oder Software-Fehlern erstmal nichts tun sollen, weil der Fehler meistens von alleine wieder weg geht. Jetzt müßte ich nur auch mal meinen eigenen Ratschlag befolgen. ;-)

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