Sofia aus der Finanzabteilung

Wenn man bei uns in der Firma eine Investition durchführen möchte, muss man nicht nur viel Geld in die Hand nehmen, sondern dieses Vorhaben zuvor auch mit verschiedenen Abteilungen abstimmen. In der Finanzabteilung wird beispielsweise die finanzielle Struktur des Investments durchleuchtet und steuerlich bewertet. Für IT-Projekte ist dort Sofia zuständig und das ist auch die wesentliche Problematik.

Sofia ist eigentlich noch ein ganz junges Ding (also ungefähr so alt wie ich), kann aber schon richtig wie eine Große! In der Regel läuft das so: Der Projektmanager bekommt erstmal einen Satz heiße Ohren, weil das ja alles falsch ist, wie der Herr Projektmanager seine Kostenpositionen strukturiert hat, und überhaupt, einmal mit Profis! Das Meeting verlässt man dann mit einem Berg von Hausaufgaben und wenn man die erledigt hat, muss man leider noch mal hin!

Im Gegensatz zu meinen Kollegen freue ich mich immer diebisch, wenn ich in die Finanzabteilung muss. Wenn die Sofia mal loslegt, das ist einfach ganz großes Kino. Ihr südländisches Naturell kommt vollendet gut zum Ausdruck. Da lehne ich mich entspannt zurück und genieße das Schauspiel. Ich find das richtig süß, ich würde sie echt manchmal am Liebsten anbeißen (konnte ich zum Glück bisher immer unterdrücken)!

Mittlerweile hab ich auch einen richtig guten Draht zu Sofia entwickelt, was ich vorrangig einem Projekt zu verdanken habe, dessen Name Sofia aber verboten hat, in ihrer Anwesenheit jemals wieder auszusprechen. Damals hab ich mich ganz genau an ihre Vorgaben gehalten und am Ende war trotzdem alles verkehrt (also auch nicht durch kreative Buchführung zu retten). Niederlagen schweißen halt zusammen. Jedenfalls, weil wir uns so gut verstehen, werde ich auch gerne mal von einem Kollegen vorgeschickt um Projekte abzustimmen. So war das dann auch diese Woche.

[Gesprächsausschnitt]

Sofia: „Und du bist hierfür Projektmanager?“
ich: „Nee, das ist der soundso.“
Sofia: „Warum machst du das nicht?“
ich: „Das Projekt hat insgesamt 15 Millionen. Das ist mir viel zu groß. Würde ich mir auch gar nicht zutrauen.“
Sofia: „Gestern saßen hier 25 Millionen und die hatten weniger Ahnung wie du.“

Sowas bekommt man ja auch nicht alle Tage gesagt. Da hat mein kleines Selbstbewusstsein gleich mal einen Hopserlauf gemacht.

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
1 Kommentar
  1. marco
    Heike 30. März 2016

    Sofia hat mit Sicherheit Recht!

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