Einfach magisch, WordPress

Vor ein paar Wochen feierte WordPress seinen ersten großen Geburtstag. 10 Jahre. Das ist noch sehr jung. Quasi ein Kind in der Grundschule und noch mitten im Wachstum. Oh Himmel, es geht also gerade erst los. Wir stehen noch ganz am Anfang. WordPress ist ja eigentlich nur ein Programm. Nichts Außergewöhnliches. Man kann damit ein Blog betreiben und bequem Artikel schreiben. Das ist alles und es klingt auch nicht sonderlich aufregend. WordPress ist Open Source. Open Source heißt, WordPress gehört allen. Jeder kann damit machen, was er mag. Und WordPress wird niemals böse, denn der Code ist öffentlich. Auch Unmus verwendet WordPress. Das kleine, magische und wunderbare Programm.

Eigentlich hatte man ja angenommen, die Zeit der Blogs wäre vorbei. Vor ein paar Jahren waren Blogs ein ganz heißes Thema. Plötzlich konnte man seine eigene Meinung publizieren (wenn wir ehrlich sind, war das vorher aber auch schon möglich) und jeder konnte sie lesen. Eine neue Kraft formierte sich und konventionelle Medien bekamen richtig Angst. Doch so wie jeder Hype war auch dieser Traum nach kurzer Zeit vorbei und das Leben blieb wie es zuvor auch schon war. Schuld waren angeblich die sozialen Netzwerke. Persönliche Standpunkte kann man dort viel schneller und bequemer veröffentlichen. Schließlich braucht man keine Besucher umwerben. Alle Freunde sind automatisch da. Und man muss auch nicht mühselig lange Artikel schreiben. Es braucht nur ein paar Zeilen und die ganze Welt weiß Bescheid (ob sie überhaupt Bescheid wissen möchte, ist eine andere Frage).

Dem beispiellosen Rausch von WordPress tat dies aber keinen Abbruch. Anfangs konnte man WordPress nur zum Bloggen verwenden. Es kamen aber stetig neue Funktionen hinzu und das Programm war bald auch als Content-Management-System verwendbar. Mittlerweile wird WordPress sogar als Applikationsplattform eingesetzt. Was ist eigentlich eine Applikationsplattform? Nun ja, so nennt man eine technische Basis (quasi wie ein Betriebssystem), auf welcher Programme laufen, die dafür entwickelt wurden.

Inzwischen basieren unbeschreibliche 18 Prozent des Internets auf WordPress. 18 Prozent des Internet!!!!! Jeder mag WordPress. Und nicht nur das, wir lieben es. Aber warum ist das so? Warum löst WordPress so viel Begeisterung aus? Wir wagen einen Erklärungsversuch.

Automattic

Der Stein wurde von Matt Mullenweg aus Texas (USA) ins Rollen gebracht (nebenbei, eine ganz sympathische Person). Das war im Jahr 2003. Matt war damals schon Blogger (voll der Frühstarter, und er bloggt heute sogar immer noch). Er nutzte dafür die Software b2/cafelog. Sie basierte auf PHP und stand unter einer freien Lizenz. Der Entwickler von b2/cafelog hieß Michel Valdrighi und dessen Lust an b2/cafelog war irgendwann verflogen, was Matt überhaupt nicht gefiel. Also zog er sich eine Kopie von b2/cafelog und entwickelte mit Freunden das Programm unter dem Namen WordPress weiter. Die erste Version war genau 275 Kilobyte groß – irgendwie voll romantisch. WordPress hätte auf eine Diskette gepasst, wenn es Disketten zu dieser Zeit noch gegeben hätte.

Schon ganz am Anfang war WordPress wie ein Virus und verbreitete sich ziemlich rasant. Und wenn man mal infiziert ist, dann will man sich eigentlich mit nichts anderem mehr beschäftigen. Deswegen und um die Sache besser voran zu treiben, gründete Matt im Jahr 2005 die Firma Automattic, welche die Entwicklung von WordPress federführend übernahm. Das Konzept von Open Source blieb dabei vollständig erhalten. Michel Valdrighi wurde übrigens später erneut infiziert und nahm die Arbeit wieder auf. Er war ja eigentlich schon geheilt (muss also ein echt guter Virus sein). Und so kam das Beste aus zwei Welten zusammen. Ein Unternehmen das drängt und voran treibt und die Impulse der Open Source Gemeinschaft. Wertschätzung und Respekt sind die Voraussetzung, Kreativität und Multiplikation sind die Belohnung. Diese gegenseitige Befruchtung hält bis heute an und ist eine der grundlegenden Samenkörner des enormen Erfolges von WordPress.

Nebenbei, Automattic ist auch ohne WordPress eine hochinteressante Firma. Automattic als aufstrebendes Unternehmen hat die Markenrechte von WordPress in eine Stiftung überführt, um die Freiheit von WordPress zu schützen. Man stelle sich das mal bei Coca-Cola oder Volkswagen vor. Neben der Weiterentwicklung von WordPress besteht die Produktpalette des Unternehmens aus einer ganzen Reihe von Diensten und Zusatzprogramme wie Jetpack, Askimet, bbPress, BuddyPress, Gravatar, Polldaddy oder Vaultpress. Automattic arbeitet dabei vollständig virtuell. Es gibt keine Büros und die Mitarbeiter sind über die ganze Welt verteilt. Man kann es kaum glauben. Automattic hat gerade mal 185 Leute und versorgt damit 18 Prozent des Internets.

Einfach und Schnell

Und hier beginnt die eigentliche Zauberei von WordPress. Es ist einfach. Es ist unkompliziert. Es ist schnell. Diese drei Dinge ziehen sich wie ein goldener Faden durch jede Ebene des Systems. Das fängt schon bei der Installation an. Es sind nur ganz wenige Eingaben erforderlich und sie dauert nicht länger als fünf Minuten. Da werden die ganzen Joomla Administratoren richtig grün vor Neid. Bei Joomla schafft man es nur selten ohne Fehlermeldung durch die Installationsroutine.

WordPress kann durch Plugins erweitert werden. Das funktioniert direkt aus dem WordPress heraus und ist genau so einfach, wie wenn man ein App auf dem iPhone installiert. Das Beste aber sind die Updates. WordPress sucht genauso wie Windows voll automatisch nach Updates. Nicht nur für das Core System, sondern auch nach Updates für die installierten Plugins. Die eigentliche Installation? Nur ein Klick, ist doch klar.

Diese Einfachheit schafft Freiraum, denn wir sparen Zeit. Und Zeit ist einer der kostbarsten Dinge, die wir haben. Es ist wirklich ein Segen. Aber nicht nur Pflege und Administration bestechen durch schnelle Erledigung. Der Aufbau von Blogs und Internetseiten ist ein Kinderspiel. Vorzeigbare Ergebnisse sind mit minimalem Aufwand möglich. Das liegt an den einfachen Strukturen. Man versteht schnell, man realisiert schnell. In kurzer Zeit schafft man sich viele kleine Erfolgserlebnisse und das fühlt sich wirklich gut an. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag. Wenig Arbeit, mehr Lebenszeit.

Unglaublich flexibel

WordPress ist in Wirklichkeit eigentlich mehr ein Framework. Ein Rahmen mit Grundfunktionalität. Ein Basissystem, mit dem man alles machen kann, was man möchte. Das scheint aber noch immer ein Geheimnis zu sein. Die elementaren Strukturen sind Artikeln, Seiten und Tags. Und das Herzstück ist der magische Loop, der all diese Elemente an die Oberfläche bringt.

Natürlich sind Logik, Inhalt und Oberfläche streng voneinander getrennt. Die graphische Oberfläche (das Design) wird durch die sogenannten Themes festgelegt. Themes können nach Belieben ohne technische Konfiguration ausgetauscht werden. Bedingt durch die junge und kreative WordPress Community sind die verfügbaren WordPress Themes immer am Puls der Zeit und damit topmodern vorne dabei. Allein das offizielle WordPress Verzeichnis zählt 1900 verschiedene Themes. Langeweile kommt damit nicht auf.

Funktionalität, welche in WordPress fehlt, wird über Plugins angereichert, die sich nahtlos in das Grundsystem integrieren. Die Anzahl an verfügbaren Plugins erscheint beinah unendlich. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ein Vergleich, das offizielle Joomla Verzeichnis zählt 7000 Plugins, WordPress hält mit insgesamt 26.000 Plugins dagegen. Und anders als bei Joomla sind hier die kostenpflichtigen professionellen Plugins noch nicht einmal mitgezählt. Diese Menge ermöglicht eine ganz individuelle Konfiguration der eigenen WordPress Installation. In Summe kann dadurch ein sehr komplexes und individuelles System geschaffen werden, welches jeglicher Anforderung gerecht wird.

Übrigens kann man seine WordPress-basierte Internetseite auch prima über das Tablet oder Smartphone pflegen (ich will sagen, es gibt coole WordPress-Apps).

Code is poetry

Auf der technischen Ebene überrascht WordPress mit einer sehr durchdachten Grundstruktur. Die Komplexität ist durch eine einfache Logik aufgelöst. Und deswegen macht Programmieren mit WordPress richtig viel Spass. Möchte man das Design der Internetseite ändern, muss man den Code im Theme ändern. Es gibt ein paar grundsätzliche Wege. Entweder man modifiziert den Code des betroffenen Themes direkt oder man kopiert das Theme in einen eigenen Namensraum und führt dort seine Änderungen durch. Natürlich kann man auch ein eigenes Theme schreiben, aber das machen eigentlich nur Profis mit viel Zeit. WordPress überrascht hier mit einem weiteren Konzept, den Child Themes. Mit dem Mechanismus der Child Themes kann man ein bestehendes Theme verändern, indem man Ergänzungen und Manipulationen an das Original anheftet. Der wesentlichste Vorteil (mal wieder), geht schneller und ist einfacher. Und man kann problemlos das Original aktualisieren ohne die eigenen Erweiterungen zu verlieren.

Geht man tiefer in die Architektur hinein, findet man die Templates. Templates sind Seitenvorlagen für die einzelnen Typen von darzustellender Information (Seiten, Kommentare, Bilder, Zitate und mehr). Betrachtet man sich den Code dieser Templates ist man sofort von dessen Einfachheit überrascht. Es braucht nur ganz wenige Kenntnisse in PHP, um diese Templates zu ändern oder zu erweitern. Und nicht nur das. WordPress erlaubt eigene Definitionen weiterer Typen von Information und deren Templates (beispielsweise Produkte, Downloads oder Lesetipps). Was ganz langweilig klingt, ist etwas unglaublich Wunderbares und setzt dem Einsatz von WordPress keine Grenzen mehr. Denn somit ist jegliche Information in ihrer spezifischen Struktur in WordPress angemessen präsentierbar.

Für Programmierer bietet WordPress eine Vielzahl von Schnittstellen, um weitere Funktionalität anzuschließen oder bestehende Funktionalität zu manipulieren. Dafür muss man nicht unzählige Stunden in das Studium von WordPress investieren. Die Mechanismen sind einfach zu erlernen und schnell anwendbar. Kleine Funktionserweiterung kann man einfach über eine spezielle Datei an das WordPress dranhängen. Für größere Dinge muss man ein Plugin programmieren, was aber leichter ist als man denkt. Ein leichtgewichtiges WordPress Plugin programmieren, das schafft man quasi an einem Abend. Das Gleiche in Joomla oder Xoops, da ist schnell eine Woche weg. Einfach und schnell, auf jeder Ebene, das ist WordPress. Man fragt sich tatsächlich oft, warum man sich so lange mit anderen Systemen gequält hat.

Eine beispiellose Community

Spätestens durch die Community rauscht WordPress allen anderen vergleichbaren Systemen davon. Die Community ist unschlagbarerer Wettbewerbsvorteil und einfach nur ohne Worte. Riesig ist gar kein Ausdruck. Jetzt kann man sagen, na und? Was bringt mir das? Eine unendliche Menge von Information. Und Information ist der Schlüssel. Es gibt keine Fehler, es gibt keine Probleme, es gibt keine Fragen, zu denen sich keine Korrekturen, Lösungen, Antworten im Internet finden. Man muss auch nicht stundenlang suchen, Google hat die Antwort schon in den ersten 10 Treffern. Und die Antwort ist immer positiv. Die Community ist nicht lokal, sondern global. Fünfundzwanzigtausend Plugins im offiziellen WordPress Verzeichnis, die fallen nicht vom Himmel, die kommen aus der Community. Es ist unglaublich viel Wissen über, um und um WordPress herum im Internet verfügbar. Seien es technische Dinge, Anwendungsszenarien, Erfahrungen oder Experimente, all dieses Wissen ist frei verfügbar und ganz konkret für eigene Zwecke nutzbar. Und damit wachsen die eigenen Möglichkeiten ganz gewaltig, um das bestmögliche Potential aus dem eigenen WordPress herauszuholen.

WordPress ist magisch

All das zusammen verbindet sich. Ohne dass es wir es bewusst wahrnehmen. Es infiziert sich gegenseitig. Es eröffnet uns neue Möglichkeiten. Es bringt uns weiter. Und zuletzt passiert etwas ganz wunderbares. Wir werden inspiriert. Einfach so. Nicht durch Erlebnisse, Begegnungen oder Gespräche. Die Inspiration hat ihren Ursprung in einem Programm. Technik, Code, Inspiration. Wir haben Lust etwas auszuprobieren. Wir möchten neue Wege gehen. Wir möchten etwas erschaffen. Wir werden kreativ. Und erschaffen etwas, das vorher nicht existierte und möglich war. Wir überraschen uns selbst. Danke WordPress. Du bist einfach magisch.

Links
WordPress
Matt Mullenweg
Automattic

2. August 2013
Bloggen
Creative Commons

Über den Autor

Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen schreibt Marco ebenso gerne auf Twitter und produziert den Podcast Zirkusliebe.

Kommentare 4

  1. Alejandro 2. August 2013

    Die WP-Installation ist wirklich seeehr einfach! Selbst als Newbie (hatte vorher absolut nichts mit Bloggen, Webseiten erstellen usw. zutun) habe ich WordPress schon mehrmals ohne Probleme installieren können.

    War wirklich eine sehr gute Entscheidung. Kann ich nur jeden empfehlen!

    Gruß,
    Alejandro.

  2. jan 3. August 2013

    @Unmus

    Ein herzliches Dankeschön für Deine Sicht auf WordPress.
    * gekonnt * enthusiastisch * sympathisch *

  3. Marian 7. August 2013

    Kann ich wirklich nur ganz zustimmen!
    Ich benutze auch nur noch WordPress bei meinen Webseiten.

    MfG Marian

  4. Alex L 28. August 2013

    Hi,
    habe deinen Blog durch einen Blogartikel kennengelernt und wollte es besuchen und nun bin ich hier und kommentiere diesen Artikel. So schnell geht es bei uns Bloggern :-). Zum Thema habe ich insofern etwas zu sagen, dass ich auch ein WordPressler und das seit 6 Jahren bin. Anfangs bei den Versionen 2+ gab es noch diverse Probleme mit WordPress, mit den Plugins oder den Updates und jetzt ist das SYstem viel ausgereifter und resultiert in ein mächtiges sehr bekanntes CMS überhaupt. Ich bin davon begeistert wie am ersten Tage und möchte WordPress nicht mehr missen. Es ermöglichte mir, ein Blog zu erstellen und diesen auch zu betreiben, mit all der Technik und dem KnowHow. Es lebe WordPress!

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