Da Silvio

Gestern Abend habe ich mir Pizza bestellt. Eigentlich lasse ich nicht so gerne Essen liefern. Ich koche mir lieber selbst (auch wenn es nur Reste sind). Trotzdem ist es manchmal sehr schön, in der allgegenwärtigen Müdigkeit, die Küche nicht zu betreten und sich diesen Luxus zu gönnen. Aber gestern war das kein Luxus, sondern schlichtweg Notwenigkeit. Ich hatte zum Kochen keine Zeit, aber trotzdem Hunger.

Am allerliebsten bestelle ich beim Da Silvio. Da Silvio ist grad um die Ecke. Fast schon viel zu nah. Weil ich es auf dem Weg dahin nicht schaffe, eine Zigarette vollständig zu rauchen. Trotzdem ist mir dieser Weg manchmal schon zu viel Arbeit. Da musste das Telefon in die Hand nehmen. Da musste Schuhe anziehen und aus dem Haus gehen. Deswegen bestelle ich ab und an auch bei Joey’s (obwohl ich Ketten eigentlich nicht mag). Kannste aber per App mit dem iPhone machen. Hauptsache mit Niemandem reden!

Vor ein paar Jahren stand die Wohnung unter meiner Wohnung zum Verkauf. Die Wohnung hat sich damals auch Da Silvio angeschaut. Zum Glück hat er die aber nicht genommen, da hätte ich mich nämlich nicht mehr getraut, woanders zu bestellen und hätte die Pizza immer beim Da Silvio geholt. Er wohnt zwar dennoch in meinem Hinterhof, aber immerhin unter einer anderen Hausnummer. Und weil er sowieso immer in der Pizzeria ist, bekommt er das gar nicht mit, dass ich manchmal fremdgehe.

Tagsüber spielen manchmal seine Kinder vor der Pizzeria auf der Straße. Abends übernehmen dann seine Kumpels und überall stehen dicke Autos. Mit dem Auto, das ist auch so eine Sache. Bei mir im Stadtteil ist das Parken nicht dramatisch. Zumindest meistens nicht, aber manchmal schon. Aber ich habe noch nie, nie, nie mit meinem Auto direkt vorm Da Silvio geparkt. Selbst wenn da ein Parkplatz frei war. Ich denke immer, sein Imbissauto braucht den Parkplatz viel dringender als ich.

Manchmal treffe ich morgens, wenn ich zur Straßenbahnhaltestelle laufe, seine Frau. Seine Frau bringt nämlich immer die Kinder zur Kita. Als ich vor Jahren nach Mannheim gezogen bin, war seine Frau noch voll der heiße Feger. Mittlerweile ist sie ein bisschen mollig geworden. Wie so ne’ italienische Mama! Aber sie ja auch eine italienische Mama. Meine Mama bestellt übrigens auch gerne Pizza. Das war ein langer Lernprozess und ich hab’s ihr beigebracht. :-)

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
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