Wirtschaftskrisenendlosschleife

Wenn ich das Schlagwort Wirtschaftskrise höre, dann stelle ich meistens gleich auf Durchzug. Ich kann das einfach nicht mehr hören. Da schwingt mir zu viel Weltuntergang mit. Ist doch nur Wirtschaft. Leider nimmt dort das Unglück nur seinen Anfang und kommt am Ende doch immer im Leben des Einzelnen an. Jedenfalls hab ich aber den Überblick bei den Krisen total verloren. Das waren einfach zu viele Krisen in letzter Zeit. Das kann mir doch niemand übel nehmen, oder? Was zu viel ist, ist zu viel. Zu viel Panik für etwas völlig normales. Es kann nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Was nach oben schießt, fällt auch herunter. Im Gegensatz zu den theoretischen Wirtschafskrisen sind private Lebenskrisen natürlich eine andere Hausnummer. Wenn sich ein ganzer Lebenslauf auflöst und neu zusammenfaltet, das macht schon richtig Gänsehaut. Wer das übersteht, wer danach aufsteht, wer daran wächst, trägt einen unglaublichen wertvollen Erfahrungsschatz in sich. Die gewonnene Lebenskompetenz schützt uns immer besser vor kritischen Situationen. Im Kontrast dazu nützt uns wachsende Wirtschaftskompetenz scheinbar überhaupt nichts, Wirtschaftskrisen werden immer größer, kommen immer schneller, hören irgendwie gar nicht mehr auf.

Asienkrise

Die Asienkrise von 1997 war die erste Wirtschaftskrise, welche ich über die Medien bewusst wahrgenommen habe. Ausgangspunkt war Thailand und schrittweise hat die Krise die anderen Tigerstaaten infiziert. Neben Thailand waren Indonesien und Südkorea am stärksten betroffen. Zu jener Zeit galt dieser Wirtschaftsraum eigentlich als vorbildlich, der Laden hat gebrummt und alles war gut. Thailand hat viele billige Kredite im Ausland erhalten und das Ausland hat groß in Thailand investiert. Als das Ausland dann irgendwann die Zinsen erhöhte (kann man schon mal machen), hat sich alles langsam gedreht. Die thailändischen Schulden sind damit einhergehend sehr stark gewachsen und irgendwann waren die Schulden halt zu groß. Und als man das dann gemerkt hat, ist alles nacheinander kollabiert. Die Koppelung des thailändischen Bath an den Dollar wurde gelöst und der Bath ging in den Keller. Weil viel wert besser als nichts wert ist, haben ausländische Investoren ihre Finanzmittel aus Thailand abgezogen. Und so ist aus der Finanzkrise über dem Umweg der Währungskrise zum Schluss eine Wirtschaftskrise geworden.

Es kam so wie es immer kommt. Die Arbeitslosenquote stieg, die Einkommen sanken, die Sozialausgaben wurden reduziert, ein großes Elend im ganzen Wirtschaftsraum. Das Ausland startete milliardenschwere Hilfsprogramme. Zehn Jahre und viele politische Karrieren später war die Krise vorbei. Und noch heute ist sind sich die Fachleute nicht so richtig einig, was eigentlich Ursache für diese Krise war. Da gehen die Meinungen auseinander. Die Asienkrise hat im Vorfeld auch niemand kommen sehen. Die war quasi von heute auf morgen einfach so da.

Japankrise

Gleich nebenan in Japan war damals auch grad Krise. Vorangegangen war eine politisch vereinbarte Abwertung des Dollars, welche den japanischen Yen extrem steigen lies. Weil der Yen nun plötzlich so viel wert war, konnte man dann auch viel damit machen. Die Japaner kauften also Aktien und Immobilien wie die Verrückten und das ganze Land haute auf den Topf. Zweidrittel des damaligen Weltimmobilienwertes konzentrierte sich allein auf Tokyo. Muss man sich mal vorstellen. Hätte auch meine Oma gemerkt, dass hier irgendwas nicht stimmt. Es kommt wie es kommen musste. Irgendwann platzte die Blase und der Aktien- sowie Immobilienmarkt brachen ein. Dummerweise waren jetzt die Immobilienkredite mit den hyperbewerteten Immobilien abgesichert, die in Wirklichkeit leider nur einen Bruchteil wert waren. Viele Banken mussten in der Folge Insolvenz anmelden. Kommt uns irgendwie bekannt vor, oder? Aber dazu später mehr. Japan spricht heute noch von der verlorenen Dekade.

Tequilla-Krise

Am anderen Ende der Welt sah es auch nicht besser aus. In Mexiko war zeitlich parallel Währungs- und Wirtschaftskrise. Tequilla-Krise wurde sie genannt. Der Peso wurde damals vom Dollar entkoppelt, was zu eine Vertrauenskrise von Investoren führte (oh Gott, was macht jetzt der Peso nur, wenn er vom Dollar entkoppelt ist). Also wurde ausländisches Kapital abgezogen und damit nahm das Unglück seinen Lauf. Das Ende vom Lied waren internationale Hilfspakete und einen starken Anstieg der mexikanischen Staatsschulden.

Russland-Krise

Zur Jahrtausendwende hin, hat es dann Russland erwischt. Die Wurzeln der Krisen wurden fernab durch die Asienkrise gelegt. Russland ist von Asien ja nicht so weit weg, deswegen auch lieber mal die eigenen Sachen in Sicherheit bringen. So dachten die Investoren. Und so floss das Kapital aus dem Land. Also geriet der Rubel unter Druck. Zusammen mit der hohen Staatsverschuldung entwickelte sich daraus eine Endlosspirale. Teilweise konnte Russland die Zinsen für die Kredite aus dem Ausland nicht mehr bezahlen, weil der Rubel ja nichts mehr wert war. Die russischen Unternehmen konnten ihre Leute nicht mehr bezahlen, weil die eigenen Waren beim Verkauf auf dem Weltmarkt irgendwie auch nichts wert waren. Also konnten die Leute auch keine Steuern mehr zahlen, an den Staat, der die Zinsen nicht mehr zahlen konnten. Und so geht das immer weiter. Muss man eigentlich auch nicht weiter ausführen.

Argentinien-Krise

Zur gleichen Zeit hat es in Argentinien gekesselt. Und zwar noch viel heftiger. Da kam vieles zusammen, hohe Staatsverschuldung, Überbewertung der heimischen Währung, eine schlecht durchgeführte Privatisierungswelle und ein marodes Finanzsystem. Die konkreten Wirkungszusammenhänge spare ich jetzt aus, ist ja auch immer das gleiche irgendwie. Die Argentinienkrise führte zu einer Armutsrate von fast 60 %. Das stellt man sich lieber nicht bildlich für die Einwohner vor.

DotCom-Blase

Nach der Jahrestausendwende waren wir dann endlich auch selbst mal dran. Und mit der DotCom-Blase haben wir es dann auch gleich richtig übertrieben. Die Ursache war unsere innere Gier oder die Angst etwas zu verpassen (die Ursache passt eigentlich ganz gut zu uns). Und zeitgleich eine schöne Veranschaulichung der Schwarmintelligenz. Die DotCom-Blase war eine reine Spekulationskrise. Da war das Internet, da war das Mobiltelefon und da war die Zukunft. Und die Zukunft wollte niemand verpassen. Es war nicht nur die Zukunft allein, es war auch was die Zukunft mit sich brachte und das waren Erträge (dachte man zumindest). Also gaben die Investoren all ihr Geld an diese komischen Internetleute, damit die Internetleute irgendwas Cooles damit machen. Das wollten die auch, wußten allerdings oft nur nicht so richtig was. Das war den Investoren aber zum Glück völlig egal, Hauptsache man war dabei. Alle anerkannten Instrumente der Unternehmensbewertung wie Gewinn und Verlustrechnung, Jahresabschluss und Bilanz wurden außer Acht gelassen. Die ganze Finanzwelt war auf wundersame Weise fachlich erblindet.

Irgendwann hat man dann aber doch gemerkt, dass man immer nur Geld gibt, aber kein Geld zurückkommt. Und als man nach dem investierten Geld suchte, war es nicht mehr da. Wo ist nur das ganze Geld hin? Die Kosten eines IT-Unternehmen bestehen ja hauptsächlich in Personalleistungen und IT-Infrastruktur. Personalleistungen sind Ausgaben, werden in der Bilanz nicht aktiviert und sind quasi nach dem Ausgeben weg. Bei IT-Infrastruktur verhält sich das anders. Jedoch sind so Computersachen nach dem Kauf am nächsten Tag in der Regel nur noch die Hälfte wert. Und nachdem sich diese Botschaft verbreitete, ist alles zusammengebrochen. Ist schon hartes Brot, da hatte mancher Anleger gerade noch 10.000 Euro in Aktien eines Unternehmens gesteckt und wenige Tage später waren sie noch 1000 Euro wert. 90% Kapital, einfach so verbrannt, ohne jeglichen Gegenwert, ohne Nutznießer auf Gegenseite, 9000 Euro einfach so weg. Diese Situation gab es nicht nur in Deutschland, das war quasi überall und weltweit. Viele IT-Unternehmen gingen Pleite, tausende von Arbeitnehmer verloren ihre Jobs und fanden keine neuen, weil kaum ein IT-Unternehmen von den Auswirkungen verschont blieb. Eine ganz wunderbare Krise für das Lehrbuch!

Subprimekrise

Richtig interessant ist der Sachverhalt, dass die USA durch die DotCom-Blase auf eine Niedrigzinspolitik umschwenkte. Und damit wurde der erste Samen für die weltweite Finanzkrise gelegt, welche bis heute anhält. Am Anfang war das aber noch keine Finanzkrise. Am Anfang war das nur eine Immobilienkrise in der USA. Gleiche Kiste wie damals in Japan. Eine reine Spekulationskrise. Und diese Krise brachte richtige Mega-Banken zum Einsturz. Unvergessen, die Lehmann Brother Insolvenz. Eine Bank mit 150jähriger Geschichte und fast 30.000 Mitarbeiter, von heute auf morgen, pleite. Durch die internationalen Verflechtungen kamen fast alle großen Banken (zum Beispiel Fannie Mac, Fannie Mae, UBS, Commerzbank) ins Wanken und konnten nur mit massiver staatlicher Unterstützung vor der Insolvenz gerettet werden (aber Sozialismus ist trotzdem doof). Aus der Immobilienkrise wurde also eine Bankenkrise. Jetzt wurde man natürlich vorsichtig und die Banken haben sich untereinander nicht mehr getraut. Man wusste ja auch nicht, ob die andere Bank ihre eigene Gesundheit nur daher flunkert. Deswegen haben sich die Banken gegenseitig keine Kredite mehr gegeben, was in einer Kreditklemme gemündet hat. Die Kreditklemme hat natürlich den echten Unternehmen nicht gut bekommen und ZACK wurde aus der Bankenkrise eine richtige Krise der Realwirtschaft. Der größte Automobilhersteller der Welt (General Motors) musste Konkurs anmelden und wurde im Anschluss sogar verstaatlicht. Denkt man eigentlich, jetzt kann es nicht mehr schlimmer kommen, aber daraus hat sich eine richtige Weltwirtschaftskrise entwickelt.

Euro-Krise

Das schöne Europa hat es besonders dicke erwischt. Man konnte die einzelnen Krisen in Europa teilweise gar nicht mehr auseinanderhalten (multiple Krise). In Europa herrscht natürlich auch ein anderes Naturell als in der USA. In Europa hat man Insolvenzen großer Banken und Unternehmen einfach nicht zugelassen. Also haben die Staaten die fallenden Banken massiv durch staatliche Gelder unterstützt. Die Löcher bei den Banken wurden gestopft und dafür sind die Löcher bei den Staaten entstanden. Die Krise wurde vom Bankensektor quasi in den staatlichen Sektor verschoben. Neues Wort, das nennt man jetzt Staatsschuldenkrise.

In Volkswirtschaftslehre habe ich gelernt, rein wirtschafstheoretisch kann ein Staat nicht Pleite gehen. Das liegt daran, dass er sich seine eigenen Einnahmen produzieren kann, wie er sie braucht (durch Steuern). Hab ich damals weder begriffen noch geglaubt. Tut auch mal gut, im Nachhinein irgendwie Recht zu behalten. Die Staatsschuldenkrise in Europa hat hauptsächlich Griechenland, Portugal und Spanien getroffen. Panik auf dem ganzen Kontinent. Alles ist ja miteinander vernetzt. Ein Staat fällt niemals allein, da fallen dann noch andere Staaten mit. Es wurden also unzählige finanzpolitische Notfallkonzepte erarbeitet, es wurden unzählige politische Spitzengipfel einberufen, es wurden unzählige Milliarden hin- und hergeschoben. In dieser Krise befinden wir uns gerade auf der Zielgeraden. Die Krise hat mittlerweile auch ganz neue Ebenen erreicht. Das einzigartige Konzept der EU wird auf breiter Front in Frage gestellt und überall in Europa sind rechte Parteien auf dem Vormarsch.

Island-Krise

Bisher ist erst ein Land aus diesem Multikrisenoverkill herausgekommen. Und das ist Island. Die Sache ist überraschend, weil die Krise das kleine Island – relativ betrachtet – am härtesten getroffen hat. Trotzdem ist diese Wende ganz einfach erklärt. Nachdem die Finanzkrise ausgebrochen war, veröffentlichte Wikileaks interne Dokumente der isländischen Kaupthing Bank. Neben dem allgemeinen Krisendurcheinander wurden in diesem Fall noch massive Gesetzesverstöße bei der Kreditvergabe offenbar. Blöd gelaufen. Da waren die Isländer nämlich ganz schön sauer. Die haben sich umgedreht und die Banken dann einfach pleite gehen lassen. So geht es natürlich auch. Die Auswirkungen der Finanzkrise blieben für das Land erst einmal die gleichen, aber Island war in der Lage sehr gute Krisenprogramme aufzulegen, weil der Staatshaushalt nicht durch die Bankentschuldungsprogramme belastet war. Und nach einem Tal der Tränen geht es Island heute wieder gut. Als moralische Folge stehen Whistleblower in Island unter besonderem gesetzlichem Schutz. Nicht so in der restlichen Welt, dort wurde Julian Assange, der Gründer von Wikileaks, indirekt über Bande in der Botschaft von Ecuador in London eingesperrt.

Wirtschaftstheorien, Wirtschaftskonzepte, Wirtschaftsordnungen

Natürlich sind all diese Krisen in diesem Text sehr vereinfacht dargestellt. Es tragen sehr viele unterschiedliche Faktoren zur Entstehung einer Krise bei. Die Komplexität einer Krise ist derart kompliziert, dass sich selbst Wirtschaftswissenschaftler in vielen Fällen gar nicht einig sind, wie Krisen entstehen und wie man sie vermeiden kann. Da gehen die Meinungen teilweise sehr stark auseinander. Ebenso stark auseinander gehen die Ansichten darüber, wie Wirtschaft überhaupt funktioniert. Schließlich wissen wir das nicht. Das muss man sich ab und zu ins Bewusstsein rufen. Die ganze Volkswirtschaftslehre und alle Wirtschaftskonzepte basieren auf Modellen und Theorien, welche man bis heute mit wissenschaftlich anerkannten Methoden nicht belegen oder nachweisen kann. Im Gegensatz zur Chemie und Physik gelten in der Wirtschaft nämlich keine Naturgesetze. Wirtschaft wird durch den Mensch gestaltet und folgt deswegen keinen festen Gesetzmäßigkeiten. Um eine Theorie zu beweisen, müssten die Systeme immer gleich reagieren, aber das tun die Systeme nicht, sie reagieren immer wieder anders, weil der Mensch der Mensch ist.

Unser ganzes System basiert auf Annahmen. Und diese Annahmen werden nicht einstimmig geteilt. Es gibt verschiedene Wirtschaftstheorien, die sich teilweise auch gar nicht vereinen lassen. Es gibt den Monetarismus. Es gibt den Keynesianismus als Gegentheorie. Daneben existieren der Ordoliberalismus, die Neoklassik, die klassische Nationalökonomie, die marxistische Nationalökonomie und viele weitere Wirtschaftskonzepte. Aus all diesen Betrachtungsweisen und Perspektiven sind einzelne Elemente in unser Wirtschafssystem geflossen und haben es über viele Jahre hinweg geformt, zu dem, was es heute ist. Keine dieser Ansätze ist erwiesen und erklärt, aber für jeden dieser Ansätze gibt es Modelle und komplizierte mathematische Formeln, die aber nur Fachleute verstehen. Nun, wenn man sich nun schon nicht darüber einig ist, wie Wirtschaft überhaupt funktioniert, wie soll man denn da Krisen abwenden??

Wirtschaftskrise als Systemfunktion

Eigentlich braucht es auch keine tiefgreifenden wirtschaftlichen Kenntnisse über die Funktionsweise der Wirtschaft. Wenn man sich die Historie der Wirtschaftskrisen in den letzten zwanzig Jahren anschaut, dann kann auch ein Laie das Wesentliche erkennen. Das System funktioniert nicht. Das System hat eigentlich noch nie funktioniert. Das kann man zwar wegargumentieren, aber das System bleibt trotzdem kaputt. Es ist nicht nur kaputt, sondern vollends außer Kontrolle geraten. Und diese Kontrolle erhalten wir nicht mehr zurück. Das spüren wir leider immer wieder. Obwohl die Wirkungszusammenhänge immer sehr theoretisch erklärt werden (praktisch geht ja nicht, ist ja nicht erwiesen), wirkt eine Krise immer in das Leben der Betroffenen hinein. In der Regel bedeutet dies immer wirtschaftliche Armut. Dieser Effekt ist völlig konkret und spürbar für den Einzelnen. Aber auch für die Reichen, die es seltsamerweise schaffen, ihren Reichtum auch in Krisenzeiten zu vermehren (was man ausnahmsweise belegen kann).

So kann es nicht mehr weiter gehen. Das sagt man halt so. Besonders in Krisenzeiten. Deswegen überarbeiten wir immer wieder unsere Wirtschaftsordnung. Hier eine neues Gesetz, dort eine neue Verordnung und noch eine rückwirkend geltende Regeländerung. Irgendwann bekommen wir das schon in den Griff. Dieses Spiel spielen wir jetzt schon seit überhaupt. Geholfen hat es bisher aber noch nicht. Jedes Update bleibt ohne Wirkung. Denn die Krise ist gar kein Fehler, sondern gehört integral zum System dazu. Man kann sie weder verhindern noch herausoperieren. Die Krise ist nichts weiter als eine Selbstheilungskraft des Marktes. Mit dieser unsichtbaren Hand bringt sich der Markt im Speziellen und die Wirtschaft im Allgemeinen wieder zurück ins Gleichgewicht. Dabei kehrt man natürlich gerne unter den Tisch, dass sich der Markt auch selbst in die Schieflage gebracht hat. Alternativ kann man den schwarzen Peter auch an die Marktteilnehmer weiter geben, schließlich kann der Markt ja nicht für das Verhalten der Marktteilnehmer verantwortlich gemacht werden. Andererseits ist dieses Verhalten per default durch die Systemfunktion der Marktteilnehmer vorgegeben. Gar nicht so einfach hier die Schuldfrage zu klären.

Systeme und Menschen

Zwar stellen wir unser System manchmal in Frage, aber trotzdem erforschen wir nicht hinreichend engagiert mögliche Alternativen. Warum wir das nicht tun, ist ein großes Geheimnis. Aber es ist nicht das einzige Rätsel. Denn wir sprechen immer sehr abstrakt von einem System, obwohl das System aus Menschen besteht. Wir haben es gebaut. Wir drehen die Räder und wir erhalten es am Leben. Der Mensch ist das System. Jede Systemkritik ist eigentlich eine Selbstkritik. Mit der Systemkritik verstecken wir uns lediglich hinter dem System. Am Ende wird sich das System erst ändern, wenn der Mensch durch das System selbst verändert wird. Damit der Mensch das System überwinden und sich selbst aus eigener Kraft vom System befreien kann. Solange dies aber ausbleibt, dreht sich die Uhr weiter. Nach 12 kommt die 1. Und das System reproduziert sich immer wieder selbst.

Über den Autor
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
2 Kommentare
  1. marco
    Heike 22. September 2014

    Bei diesen vielen Krisen MUSS man ja die Krise kriegen … !

  2. Pingback: Das bedingungslose Grundeinkommen

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