Flammkuchen!

Rheinland-Pfalz grenzt an Frankreich. Mit 17 war ich mit einem Mädchen zusammen, das nicht allzu weit von der Grenze weg wohnte. Es waren kaum 20 Minuten mit dem Auto. Deswegen fuhren wir ab und an gerne nach Frankreich, um Flammkuchen zu essen. Also sie fuhr, ich war ja noch 17 und hatte keinen Führerschein.

Wir gingen eigentlich immer in die gleiche Gaststätte in der Gemeinde Roeschwoog. Dort schmeckte der Flammkuchen so gut, dass sich alle anderen Flammkuchen in der ganzen Welt daran messen mussten. Wie das mit der Jugendliebe halt meistens so ist, es ist eine Liebe der Jugend und keine Liebe des Lebens (leider). Also gingen wir nach ein paar Jahren wieder getrennte Wege und seitdem war ich nicht mehr in Roeschwoog.

Letztes Jahr, also gute 20 Jahre später, machte ich mit meiner Schwester und ihrer Familie einen Ausflug nach Frankreich. Wir besuchten das Cigoland in Kintzheim, das uns mit seinem erfrischenden Charme sehr überraschte. Zum Tagesabschluss wollten wir dann noch Flammkuchen essen gehen. Und da habe ich gesagt, “Leute! Ich kenn da ein echt gutes Lokal.” In Wirklichkeit hatte ich natürlich keine Ahnung, ob es die Gaststätte von damals noch gab. Die Chancen gingen eigentlich gegen null. 20 Jahre sind in der Gastronomie eine lange Zeit und eine solche Lebensdauer ist nur wenigen Lokalen gegönnt. Außerdem war ich mir auch gar nicht sicher, ob ich mich an den Weg dahin erinnern würde.

Überraschenderweise fanden wir auf Anhieb zum Ziel und die Gaststätte existierte tatsächlich noch. Sie hatte sogar noch den gleichen Eigentümer. Es ist Familienbetrieb und selbst heute arbeiten dort teilweise noch die Leute von damals (spürbar gealtert). Als später der erste Flammkuchen vor uns stand und ich bedächtig das erste Stück probierte, kam die ganze Zeit zurück und wie ein Regen über mich. Meine Jugendliebe, die Schulzeit, die Tanzschule, die Rebellion, mein erstes Auto und all die unbefleckte Leichtigkeit voller Neugier, Lebensmut und Entdeckungen!

Über den Blogger

Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.

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