Das neue Gebäude

Mal davon abgesehen, dass wir natürlich global und virtuell agieren, ist der Unternehmensbereich, in dem ich arbeite, lokal über zwei Städte hinweg, weitgehend außerhalb des Campus, welcher eigentlich der Größte seiner Art ist, kleinteilig über viele Büroinseln verstreut.

Jetzt debattiert und fordert die Belegschaft auf der guten alten Betriebsversammlung schon seit vielen Jahren ein Gebäude, in dem alle Mitarbeiter des Bereiches ihren Platz finden und zusammen sitzen können. Das war natürlich utopisch und das hat eigentlich auch jeder gewusst. Utopische Vorstellungen hat aber auch immer unser neuer Herr Bereichsleiter und deswegen wurde nun tatsächlich ein neues Bürogebäude für uns gebaut. Es passen zwar nicht alle Mitarbeiter rein, aber das sind Details und mit Details kann ja man alles kaputt machen.

Plötzlich fand das die Belegschaft auch gar nicht mehr lustig, weil man doch anfahrtstechnisch von der anderen Seite der Stadt kommt, außerdem sind die Bürokonzepte zu modern (Cubes?!?! Flexoffice?!?! Offene Räume?!?!) und vom Campus ist der Neubau auch noch weit weg. Wie man es auch macht, es ist einfach immer verkehrt.

Vor zwei Wochen bin ich nun in das neue Gebäude eingezogen. Zumindest formell auf dem Papier. Sachen zum Umziehen hatte ich nämlich keine. Notebook und Blackberry habe ich immer dabei und mehr brauch ich zum Arbeiten nicht (fanden die Kollegen schon seit jeher komisch). Und für das neue Gebäude war auch erst mal keine Zeit, weil ich anderweitig mit Projekten beschäftigt war.

Prinzipiell finde ich ja, dieses Gebäude war die beste Investition des Unternehmens seit Jahrzehnten. Beinah alle Mitarbeiter an einem Ort. Allein der Effizienzgewinn durch den Wegfall der nervigen lokalen Wegstrecken. Sich kurz mit dem Kollegen abstimmen und zwar persönlich ganz ohne Chat oder Telefon, so etwas ist man schon gar nicht mehr gewohnt. Und dann ist da noch dieses altmodische Wir-Gefühl, was da auf einmal hochkommt.

Heute hatte ich nun endlich die Zeit, mir meine neue Heimat anzusehen und auch den innerlichen Umzug zu vollziehen. Und ich musste leider unmittelbar feststellen, dass die ganze Verbesserung eigentlich schon wieder für die Katz ist. Man kann sich kaum drei Meter bewegen, trifft man irgendwelche alte/neue/nette/liebgewonnene Kollegen und nutzt natürlich die Gelegenheit, um ein bisschen rumzualbern. Da kommt man gar nicht mehr richtig zum Arbeiten.

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
2 Kommentare
  1. marco
    Sven Meyer 6. März 2016

    Haha, den Effekt kenne ich vom Drucken aus meinem alten Job: Zu Anfang hatte jedes Büro einen Drucker für sich. Das war natürlich zu teuer – deshalb gab es nur noch einen Drucker für den ganzen Gang (ca. 10 Büros).

    So häufig hatte ich meine KollegInnen vorher nie gesehen :)

  2. marco
    marco 6. März 2016

    Stimmt ja!!! Ich kann mich gerade noch so daran erinnern. Ganz, ganz früher hatte bei uns jedes Büro auch seinen eigenen Drucker. Mittlerweile sind wir ja schon so weit, dass der installierte Drucktreiber im default doppelseitig druckt. Was dazu führt, dass man immer zweimal zur Druckerecke muss (einmal haste versehentlich doppelseitig gedruckt und danach halt noch mal richtig).

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