Authentifizieren im Schwimmbad

Also das Leben bringt einen immer wieder in Situationen, die kann man sich nicht ausdenken (selbst wenn man sich beim Denken im Kopf ganz arg anstrengt).

Das letzte Jahr hatte ich mir vorgenommen, mehr Zeit mit meinem Patenkind zu verbringen, was eigentlich auch recht gut funktioniert hat. Weil das Kind gerne schwimmen geht (dummerweise ich überhaupt nicht), waren wir auch einmal im Schwimmbad. Dieser Ausflug wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

Es hat schon recht holprig angefangen. Die Anfahrt zum Schwimmbad hat fast eine Stunde gedauert, deswegen musste ich sehr dringend auf die Toilette als wir ankamen. Glücklicherweise gab es gleich im Eingangsbereich des Schwimmbads ein WC. Im Foyer war nicht viel los, es hielt sich dort nur eine Familie mit zwei Kindern auf. Also habe ich gesagt, bitte warte kurz, und ging das Risiko ein, das Kind kurz alleine zu lassen, damit ich auf die Toilette konnte. Drei Minuten später, als ich von der Toilette kam, war das Kind weg. Auch von unserer großen Tasche kein Spur. Herzkasper bis zum Anschlag! Nachdem ich die nahe Örtlichkeit abgesucht hatte und kurz vor der Hyperventilation stand, öffnete sich langsam die Tür der Damentoilette und das Kind kam schmunzelnd zum Vorschein, die große Tasche vor sich herschiebend. „Ich musste auch mal.“

Der Tag im Schwimmbad war dann aber sehr schön und wir hatten recht viel Spass. Als wir dann zum Tagesende gehen wollten, fiel mir auf, dass sich der Verschluss des Armbands an meinem Handgelenk gelöst hat. Jedenfalls war das Armband weg und damit der Schlüssel zu unserem Schließfach. Schnappatmung, schon wieder. Wir suchten alles ab, die Tasche, die Liegeplätze, die Wegstrecken, aber kein Schlüssel weit und breit. Es blieb uns also nicht anderes übrig als den Bademeister anzusprechen. In meinem Kopf bildeten sich allerhand Schreckensszenarien. Ob ich jetzt wohl bis zum Schluss bleiben muss, bis alle Gäste gegangen sind, und dann nur ein verschlossenes Schließfach übrig bleibt, und damit sicher ist, dass es meines ist?

Schließfächer

Der Bademeister war im Gegensatz zu mir relativ gechillt, nahm sich einen Zentralschlüssel und begleitete uns zu den Schränken. Auf dem Weg hatte ich starke Zweifel, ob ich mich überhaupt an den richtigen Schrank erinnern werde (zwischen hunderten von gleichartigen Schliessfächern). Die Nummer hatte ich jedenfalls nicht mehr im Sinn (aber immerhin beim Flur war ich mir relativ sicher). Glücklicherweise hatte sich aber das Kind den Spind gemerkt. Der Bademeister öffnete das Schloss und es war tatsächlich unser Schließfach. Ich musste danach zur Kontrolle aber noch den Personalausweis zeigen. Der Bademeister verglich das Foto mit der Wirklichkeit und sah mich skeptisch an. Und dann sagte er: „So sehen Sie gar nicht aus!“

Es gibt so Momente, da weiß man wirklich nicht, wie man reagieren soll. Das Bild auf dem Ausweis war eigentlich noch relativ aktuell. Es zeigte mich mit dunklem Pullover, weißem Hemd und recht adrett zurecht gemacht. Aber jetzt gerade stand ich nackt und nass und genervt im Umkleidebereich rum. Da können schon Bilddifferenzen auftreten. „Okay, okay! Die Brille. Die Brille stimmt.“ sagte der Bademeister und ging wieder seiner Wege.

Wir nahmen unsere Sachen, verschwanden in eine Kabine und zogen uns um. Nachdem auch die Haare geföhnt waren, gingen wir zum Ausgang (der auch der Eingang war). Dort herrschte mittlerweile sehr viel Trubel und unzählige Leute kamen und gingen. Am Drehkreuz steckte zuerst das Kind seine Karte in den Schlitz und ging durch. Dann ich, aber die Drehtür akzeptierte leider meine Ausgangskarte nicht. Das Kind war natürlich schon draussen und verschwand irgendwie in der Menge. Herzkasper on!

Über den Blogger
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
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