I love my kindle

Wenn man die Überschrift dieses Beitrags in Google eingibt, erhält man 3,6 Millionen Treffer. Da fängt man schon einmal an zu staunen. Unweigerlich stellen sich Fragen. Was ist da los? Hab ich was verpasst? Ist hier ein neues Apple am Horizont? Still, leise und unscheinbar wächst da etwas heran. Die Faszination Kindle. Der Kindle ist ein Lesegerät für elektronische Bücher von Amazon. Eigentlich ja ziemlich langweilig. Der Kindle ist in seinen jungen Jahren aber schon so erfolgreich, dass sein Markenzeichen schon für eine ganze Produktfamilie bei Amazon benutzt wird. Amazon? Das ist aber blöd jetzt. Amazon kommt doch direkt aus der Hölle (genauso wie Apple)! Fachleute beruhigen, der Gipfel des Erfolges ist schon längst überschritten. eBook-Reader sind schon wieder am Sterben. Die Kindles dieser Welt werden nun von den Tablets abgelöst. Ein Tablet ist schließlich nicht nur Buch, sondern auch Musik, Film und Programm. Aber eine Sache wird dabei vergessen. Ein Buch ist ein Buch. Und deswegen ist der Kindle so erfolgreich. Ein Kindle ist wie ein Buch.

Das Buch

Lesen ist heilig. Bücher sind heilig. Ein elektronisches Buch? Schön, ich bevorzuge trotzdem das klassische Buch. Diese Worte hört man nicht selten, diese Worte hört man sogar sehr oft. Der deutsche Literaturbetrieb mitsamt seinen Verlagen, Autoren und Lesern gilt nicht unbedingt als beweglich. Eigentlich eine sehr schlechte Ausgangssituation für einen eBook-Reader, wenn sich selbst die Leseraten nicht für das Lesen von elektronischen Büchern erwärmen können. Wie konnte unter diesen Umständen der Kindle nun so erfolgreich werden?

Der Kampf um das Buch ist argumentativ ein interessantes Stück. Die Diskussion wird mit erstaunlichen Positionen geführt. Die Sache mit dem Geruch, zum Beispiel. Dieser herrliche Duft des Papiers, wenn man ein neues Buch aufschlägt. An dieser Hürde scheitern dann sogleich auch die elektronischen Bücher. Dieser Fetisch (den Duft gibt es sogar als Parfüm) ist aber nachvollziehbar. Wenn man viel und gute Bücher liest, dann verbindet man das. Ein gutes Buch muss riechen! Nun, es ist auch nicht so, dass ich noch nie an einem Buch gerochen hätte (gerade vorhin habe ich an „Mauern einreißen!“ von Anke Domscheit-Berg gerochen). Nein, im Gegenteil, ich habe es meistens auch als positiv abgespeichert. Trotzdem kann ich mich nach einer Zeit nicht an die spezifischen Duftnoten von gelesenen Bücher erinnern. Irgendwie rutscht das dann doch in den Hintergrund.

Auch die Haptik ist ein großes Thema! Haptik bedeutet das Fühlen von Gewicht, Größe, Konturen und Oberflächentextur. Das geht den elektronischen Büchern per Default natürlich völlig ab. Da ist schon etwas dran. Ist schon toll, ein hochwertiges Buch mit schönem Umschlag und Umband in den Händen zu halten. Andererseits kann man damit auch nicht wirklich viel anfangen. Ich persönlich fand die Usability von Büchern schon immer eine Katastrophe. Haptik hin oder her. Bücher sind in keiner Weise ergonomisch. Bücher mit festem Einband oder dicke Wälzer sind einfach viel zu schwer. Zum Lesen braucht man meistens zwei Hände (ein eBook-Reader liegt dagegen schon gut in einer Hand). Taschenbücher sind zwar schon etwas besser, aber im haptischen Sinne dann auch kein Erlebnis mehr. So oder so über einen Rucksackurlaub mit fünf Büchern im Gepäck, darüber braucht man gar nicht erst nachzudenken.

Immerhin, der Bücherschrank, dagegen kommt man wirklich nicht mehr an. Das hat auch Gewicht. Und das zählt. So ein großes, gefülltes Regal voller Bücher, das ist toll. Viel toller als ein paar hundert Megabyte belegter Speicherplatz irgendwo auf dem Reader oder in der Cloud.

Das Buch, aber elektronisch

Elektronische Bücher haben einfach andere Stärken. Das fängt schon der Darstellung der Buchseiten an. Genauso wie klassische Bücher werden eBooks mit Tinte gedruckt. Aber nicht mit echter Tinte auf das Papier, sondern mit elektronischer Tinte auf den Bildschirm. Ein Bildschirm, der das Licht nur reflektiert, und selbst kein Licht abgibt (im Vergleich zu Computer, Tablet oder dem Smartphone). Das bedeutet, man kann Bücher in der hellen Sonne lesen. Das bedeutet, man braucht eine Leselampe am Abend. Und das bedeutet ebenso, das Lesen ist angenehm und das Auge ermüdet nicht. Die elektronische Tinte im Bildschirm ist natürlich keine gewöhnliche Tinte, sondern irgendein anderer Feststoff wie Öl, Wasser oder spezielle Partikel. Durch Stromstöße werden diese Partikel ausgerichtet. Und je nach Ausrichtung kann man dies Partikel eben sehen (schwarz) oder eben nicht (weiß). Letztendlich hat man als Leser fast das Gefühl, eine echte und gedruckte Seite in der Hand zu halten. Die Schrift ist scharf, die Schrift ist echt. Und genau aus diesem Gefühl hat sich der Begriff der elektronischen Tinte eingebürgert.

Die wahre technische Innovation liegt aber ein Schritt weiter. Der Partikel erhält seine Ausrichtung ohne weitere Energie. Partikel? Ausrichtung? Energie? Häh? Ein gewöhnlicher Bildschirm eines Computers muss nämlich einen Pixel rund 100 Mal pro Sekunde auffrischen (das heißt, mit neuer Energie versorgen). Wir sehen den Pixel nur, wenn er leuchtet. Egal, ob ein Pixel seinen Inhalt (Farbe) behält oder verändert, er braucht Energie. Im Kontrast dazu muss elektronische Tine nur aufgefrischt werden, wenn man die Seite wechselt. Und auch nur dann fließt Strom. Denn der Pixel (also sein Inhalt: schwarz/weiß) überlebt auch ohne Strom. Diesen Mechanismus braucht den Leser eigentlich gar nicht zu interessieren. Wichtig ist, die sich daraus ergebende Konsequenz. Man muss den Akku eines EBook-Readers nämlich nur einmal im Monat aufladen. Einmal im Monat! In den Urlaub fahren ohne Akkuladekabel!

Soweit, so Buch. Aber das Buch braucht erst gar keinen Strom. Man schafft sich doch keine Probleme, die man vorher gar nicht hatte! Eine Leselampe brauchen wir meistens trotzdem. Abends lesen wir schließlich am Liebsten. Auf der Couch oder im Bett vor dem Einschlafen. Und jetzt beginnen die eBook-Reader ihre Stärken auszuspielen. Die hochwertigen Modelle (z.B. der Kindle Paperwhite) besitzen eine eingebaute Lichtquelle. Auf diese Lichtquelle greift man gerne auch am Tag zurück, weil so richtig hell ist es selten. Das Auge wird trotzdem nicht müde, denn das Display leuchtet immer noch nicht. Die eingebaute Beleuchtung leuchtet nämlich nicht hinter dem Display, also aus dem Display heraus, sondern in das Display hinein (verstanden?). Es ist für die Augen wunderbar angenehm.

Druck dir das Buch selbst

Und das war erst der Anfang. Lesebrille verlegt? Kein Problem, du kannst die Schriftgröße exakt auf deine Bedürfnisse anpassen. Zeilenabstand zu klein? Mach ihn größer! Das klingt nicht aufregend, aber genau diese Funktionen machen den Unterschied. Bisher haben Verlag, Autor und Buch immer die Usability des Lesens bestimmt. Jetzt bestimmst du! Konfiguriere das Buch genauso wie du es brauchst und wie es für dich am besten passt. Ich persönlich mochte es beispielsweise nie, wenn Bücher in sehr kleiner Schrift geschrieben waren. Oder ein sehr geringer Zeilenabstand, das war auch nicht meins. So manches Buch mag zwar innerlich ein Leuchtturm gewesen sein, aber das Lesen war trotzdem eine Qual. Nicht, dass ich die Sätze oder Wörter mit Auge nicht mehr erkennen konnte. Es war mehr die Menge der Buchstaben auf einer Seite, irgendwie hat mich das immer überfordert. Ich habe lieber kleinere, überschaubare Päckchen (Seiten, Absätze, Wörter).

Dicke Bücher waren deswegen ebenso ein Problem. Vor dicken Büchern hatte ich Angst. Eigentlich war es keine Angst, es war mehr Respekt. Obwohl, Respekt trifft es auch nicht richtig. Es waren letztlich einfach zu viele Seiten auf einmal. Das klingt nach Arbeit, das war auch Arbeit. 1300 Seiten, da werde ich doch nie fertig. Natürlich, bei einem guten Buch, vergingen die 1300 Seiten manchmal wie im Flug. Und trotzdem gab es eine Hemmschwelle bei so vielen Seiten. Diese Hemmschwelle ist jetzt zum Glück verschwunden. Denn elektronische Bücher sind nicht dick (also die Dicke ist nicht so offensichtlich). Die Dicke hat sich auf etwas mehr Speicherplatz abstrahiert.

Es gibt noch weitere Features von eBook-Reader, die ich sehr schätze. Features, die mir anzeigen, wie lange (in Minuten) ich wahrscheinlich noch lesen muss, um das Kapitel zu beenden. Das ist einfach prima. Auch die Möglichkeit, direkt im Buch ein Lexikon (Wikipedia) aufzurufen, sobald ich die Bedeutung eines Wortes nicht kenne, ist einfach wunderbar. Ich muss das Buch nicht aus der Hand legen und mein Tablet holen. Nein, ich kann direkt auf das Wort tippen, und Wikipedia schließt unmittelbar meine Wissenslücke.

I love my kindle? Aber mal ehrlich, all das können andere eBook-Reader doch weitgehend auch! So besonders ist das jetzt nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dem Kindle gewisse Funktionen fehlen, die bei anderen Lesegeräten selbstverständlich sind.

Dieser Text bezieht sich vorrangig auf den Kindle und auf den Kindle Paperwhite. Es gibt auch noch Kindle Tablets. Die heißen Kindle Fire irgendwas. Das sind aber eigentlich gar keine Kindles (eBook-Reader) im herkömmlichen Sinn. Bei den Tablets macht sich Amazon einfach nur den guten Namen des Kindle zunutze.

Kindle und ePub

ePub ist das Standardformat für elektronische Bücher. ePub ist ein offener Standard des International Digital Publishing Forum. Wer sich mit dem Publizieren von Büchern beschäftigt, der beschäftigt sich mit ePub. Ohne die Unterstützung des ePub-Dateiformats braucht ein Lesegerät für elektronische Bücher gar nicht erst anzutreten. Was soll man denn mit einem eBook-Reader machen, mit dem man keine eBooks lesen kann? Jeder unterstützt ePub. Sogar Apple unterstützt ePub, mehr noch, es ist das Standardformat für iBooks (wenn auch modifiziert). Jeder unterstützt ePub. Außer der Kindle. Der Kindle unterstützt kein ePub.

Und die ganze Welt fragt sich warum. Und die ganze Welt hat keine Antwort darauf. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Amazon setzt auf eigenes Dateiformat und es nennt sich KF8. KF8 bedeutet Kindle Format 8. Was natürlich dazu führt, dass man sich auf einer Einbahnstraße befindet. Wenn man den eBook-Reader wechselt, kann man die Buchkäufe des Kindle nicht so einfach mitnehmen. Die Konvertierung ist nicht unbedingt das Problem, dafür gibt es Tools. Das Problem ist der Kopierschutz, dafür braucht man etwas Erfindergeist und ein bisschen kriminelle Energie. Das gleiche gilt natürlich auch andersrum. Wenn man von einer fremden Plattform zum Kindle wechseln möchte. Geschlossene Systeme sind Fluch und Segen.

Ich wage nun eine Prognose. Es wird die Zeit kommen, und man erhält für den Kauf eines echten Buches die elektronische Version ohne Mehrkosten einfach so dazu geschenkt. Bei Musik ist das heute schon so (zumindest beim bösen Amazon). Wenn man bei Amazon eine CD kauft (macht das eigentlich noch jemand?), dann erhält man die elektronische Version einfach so dazu. Das Geheimnis liegt in der Reife des Marktes. Der Markt für eBooks ist noch ziemlich jung. Es ist immer das gleiche. Am Anfang setzt jedes Unternehmen auf die eigenen Lösungen. Denn es sind einfach die besten Lösungen (denken zumindest die Unternehmen). Die Lösungen machen den Unterschied. Aber irgendwann verliert sich der Unterschied, weil die Konkurrenz immer besser wird, und keinem Unternehmen mehr etwas Neues einfällt, mit dessen Hilfe man sich abgrenzen könnte. Erst dann setzen wichtige Denkprozesse ein, um Kunden von anderen Plattformen abzuholen, und man beginnt über Kompatibilität nachzudenken. Manchmal braucht es auch sowas wie Apple, die andere in Zugzwang setzen, indem sie (bei der Musik – völlig ohne Not) auf den Kopierschutz verzichtet haben.

Aber das alles braucht noch seine Zeit. Das elektronische Buch muss erst erwachsen werden. Und bis dahin freuen wir uns über den einzigartigen Kindle, dessen Jugend heute schon sehr berauschend ist.

Die Amazon Cloud und der Kindle

Ein Kindle ist nämlich nicht nur ein Kindle. Ein Kindle ist ebenso die unglaubliche Stärke der Cloud von Amazon. Amazon ist der größte Anbieter von Cloud Services auf der Welt! Wussten Sie das? Der Online-Versandhandel ist eigentlich kalter Kaffee, die Musik spielt ganz woanders. Amazon verkauft Zeit. Es handelt sich um Laufzeit auf einem Prozessor, um genau zu sein. Ein eigener Server, um eine Internetseite zu betreiben, das ist toll. Der Nachteil ist aber, in der Nacht wird dem Server meistens langweilig. Kein Besucher weit und breit. Keine Arbeit weit und breit. Der Prozessor des Servers braucht trotzdem Strom und die Festplatten drehen sich weiter. Deswegen hat man Virtualisierung erfunden. Mit Virtualisierung teilen sich viele Server einen physischen Computer, um die Ressourcen besser zu nutzen. Bei hoher Last werden einfach weitere physische Computer dazu geschaltet. Die Cloud geht noch einen Schritt weiter. Man erhält genau so viel Prozessorlaufzeit wie man braucht. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit dem Kindle hat das eigentlich nichts zu tun. Aber all diese Expertise kommt dem Kindle zu Gute. Der Kindle ist nicht einfach nur ein Lesegerät für eBooks. Der Kindle ist eine ganze Infrastruktur. Und diese Infrastruktur macht den Unterschied.

Das fängt schon beim Shop an. Der Shop für Kindle Bücher ist direkt in Amazon integriert. Man kann also quasi überall (Computer, Tablet, Smartphone) für den Kindle shoppen. Und wenn man den Kindle aufschlägt, ist das Buch schon da. Nicht lebensnotwenig, aber trotzdem toll. Natürlich kann man auch direkt auf dem Kindle ins Geschäft gehen und Bücher laden. Der Kindle ist überall und permanent mit der Cloud verbunden. Man muss seine Bücher also nicht als Datei mitnehmen und man hat seine Bücher trotzdem dabei. Das Premiummodell Kindle Paperwhite 3G kann sogar ohne WLAN über den Mobilfunk auf die Cloud zugreifen. Dazu wird der Kindle Paperwhite 3G von Amazon mit einer fest integrierter SIM-Karte ausgeliefert, welche in über 100 Ländern funktioniert. Der Zugriff auf die Bücher in der Cloud über die Mobilfunkverbindung des Kindle ist kostenlos (kostenlos, nur um es noch mal zu wiederholen). Aber was bedeutet das eigentlich? Man kann sich auf der ganzen Welt immer und überall neuen Lesestoff besorgen, sofort und unmittelbar. Das muss man sich mal vorstellen!

Nun hat man nicht nur den Kindle zuhause, sondern man hat auch noch den Computer, das Tablet und ein Smartphone. Und den ganzen lieben langen Tag lang, wechselt man ständig zwischen den Geräten hin und her. Manchmal kann das schon ein bisschen anstrengend sein. Egal, welches Device wir gerade benutzen, der Kindle ist immer da. Auch wenn der Kindle in Wirklichkeit einen Raum weiter auf dem Regal liegt. Auch wenn wir das Ökosystem verlassen. Der Kindle ist immer da. Es gibt Clients für Windows, MacOS, Android, iOS und sogar Blackberry. Und wenn das immer noch nicht reicht (Stichwort Linux oder Computer, die nicht uns gehören), dann können wir den Kindle Cloud Reader im Browser nutzen. Dabei verlieren wir aber nie unser Lesezeichen. Das Lesezeichen folgt uns über die Geräte hinweg. Es ist so einfach wie magisch und es nennt sich Whispersync.

Und die Cloud ist noch größer, die Cloud ist noch stärker. Geschäftliche Dokumente auf der Heimfahrt in der Bahn durchlesen? Schick sie dir einfach per eMail auf den Kindle! Jeder Kindle hat eine eigene eMail-Adresse. Jetzt hat man solche Dokumente natürlich höchst selten im eBook-Format vorliegen (wäre ja auch zu schön). Das macht aber gar nichts, die Cloud konvertiert WORD- oder PDF-Dokumente in das Kindle-Format. Alternativ kann man auch direkt auf den Kindle drucken. Das geht tatsächlich. Quasi genauso wie ein PDF-Drucker. Mit dem Drucktreiber Send-To-Kindle kann man Dokumente aus jedem beliebigen Programm einfach auf den Kindle drucken.

Meine persönliche Lieblingsfunktion der Amazon Cloud ist aber der Send-To-Kindle-Button auf Internetseiten. Damit kann man beispielsweise den Artikel eines Blogs oder einer Zeitung direkt aus der Internetseite heraus auf den eigenen Kindle schicken. Gerade bei unmus ist das praktisch, weil die Texte für Blogs und Internetinhalte im Allgemeinen doch ungewohnt lang sind.

Introvertierter Kindle

Nun könnte man diese schönen Botschaften ganz laut in die Welt schreiben und entsprechend kernig auftreten, aber der Kindle nimmt sich in dieser Hinsicht ganz zurück. Das fängt schon bei der Verpackung an. Im Kontrast zu Apple kommt der Kindle in ganz gewöhnlicher und typischer Verpackung von Amazon daher. Kein Hochglanz, sondern üblicher Karton. Da ist man schon mal einen Moment lang etwas verwirrt.

Diese Zurückhaltung zieht sich durch die ganze Plattform. Selbst bei der Bedienung hält sich der Kindle stets im Hintergrund. Der Kindle Paperwhite hat nur einen einzigen Knopf. Das sind drei (!) Knöpfe weniger als beim iPhone. Mit diesem Knopf schaltet man den Kindle ein. Und diesen Knopf muss man eigentlich nur ein einziges Mal benutzen (und dann nie wieder). Schlägt man den Kindle zu, schaltet sich der Kindle alleine aus. Schlägt man den Kindle auf, schaltet sich der Kindle alleine ein. Wie man den Kindle eigentlich bedient? Mit dem Finger. Mit Berührungen. Mit Touch.

I love my kindle

Wenn man den Kindle zum ersten Mal einschaltet, begrüßt der Kindle seinen Besitzer mit dem eigenen Namen. In diesem Moment hat man drei Empfindungen. Freude, Verwunderung und woher zum Teufel kennt der Kindle meinen Namen? Die Frage ist nicht wichtig, die Verwunderung vergeht, aber das erste Gefühl bleibt.

Man kann sofort mit dem Lesen beginnen. Es gibt nichts zu konfigurieren und das Gerät muss auch nicht an den Computer angeschlossen werden. Der Kindle und seine Wolke sind autonom. Kindle wird übrigens nicht „Keindle“ ausgesprochen. Kindle spricht sich aus wie Kind plus L ohne E. Der Name klingt ungewohnt deutsch. Genauso ungewohnt wie seine ganzheitliche Zurückhaltung. Eigentlich würde man ein Branding an allen Ecken und Enden erwarten, aber selbst sein eigener Name ziert in Kleinschrift das Gerät.

Beim Lesen verschwindet der Kindle schließlich völlig, übrig bleibt das Buch, die Geschichte, das Wort. Alles fühlt sich richtig an. Und genau deswegen lieben so viele Menschen ihren Kindle.

19. Februar 2014
Innovation

Über den Autor

Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen schreibt Marco ebenso gerne auf Twitter und produziert den Podcast Zirkusliebe.

Kommentare 4

  1. Koelschgirl 20. Februar 2014

    I love my Kindle! Das war halt mein erster eBook-Reader, den ich mir 2012 geholt habe – ein Kindle Keyboard. Allerdings hatte ich zuvor die App bereits auf dem Handy. Wenn’s ein Tolino oder Kobo oder was auch immer gewesen wäre, wär’s vermutlich „I love my [beliebige Reader-Marke einfügen]“.

    Der Kindle bzw. Amazon bietet aber meiner Meinung nach auch mehr, als z.B. Thalia oder Weltbild mit Tolino bieten. Ich finde z.B. bei anderen Anbietern einfach nicht so eine Riesenauswahl an englischsprachigen Titeln und das auch noch zu fairen Preisen. Oder soviele Gratisebooks (ich empfehle in der Hinsicht auch sehr gern http://www.xtme.de , http://phantastik.xtme.de und http://www.englishbooks.xtme.de).

    Ich möchte nicht auf das gedruckte Buch verzichten und kaufe auch nach wie vor welche, alles von Terry Pratchett z.B. und das sogar als Hardcover. Meine echte Bibliothek umfasst mehrere 1000 Bücher. Aber ich liebe meine Mitnehmbibliothek, die inzwischen über 600 Titel enthält. Der Großteil davon hat mich dank xtme nichts gekostet. Ich habe meinen Reader eigentlich immer dabei. Und wenn ich ihn mal vergessen habe, dann hab ich immer noch die App auf dem Handy, auch wenn ich da nicht so gern drauf lese, eben wegen der Beleuchtung, die du ja auch erwähnst. Deshalb kommt mir auch kein Kindle Fire ins Haus. Zumal der ja auch nur ein paar Stunden hält und nicht Wochen, wie der der klassische Kindle und ein Tablet, auf dem ich aber auch nicht lese, hab ich eh schon.

    Mich nerven diese Diskussionen und diese Herablassung, ja fast schon Verachtung, die einem eBook-Gegner gern mal entgegenbringen. Ich liebe es zu lesen und Kindle und Co geben mir die Möglichkeit, quasi nie ohne Buch zu sein. Ich habe meinen Reader wie gesagt immer dabei. Und dann wäre da noch die Sache, dass es nun sehr viel einfacher geworden ist, ein Buch zu veröffentlichen, Stichwort „Self Publishing“. Ich habe schon einige tolle Sachen gelesen, die, wenn sich der Autor einen Verlag hätte suchen müssen, wohl niemals gedruckt worden wären. Oder die vielen Klassiker, die es kostenlos gibt.

    Ja, mein Kindle war eine der besten Anschaffungen, die ich in den letzten 2 Jahren so gemacht habe. Im März wird mein Kindle Keyboard zwei Jahre alt. Und ich bringe es noch nicht über’s Herz, ihn durch den Paperwhite, der mich schon sehr reizt, zu ersetzen. :)

    /Megakommentar Ende :D

  2. marco 21. Februar 2014

    @Heike
    Mein Kindle war auch ein Weihnachtsgeschenk (das ich mir mal ganz frech gewünscht habe).

    @koelschgirl
    Geiler Megakommentar! :-)

    Mein erster Kindle war der Kindle Touch 3G. Aus Gründen, die ich mir gar nicht richtig erklären kann, hab ich doch mit den eBooks recht spät angefangen. Mir hat es dann auch richtig weh getan, den Kindle Touch wegzugeben. Der war und ist ja schließlich noch voll super und überhaupt nicht veraltet. Aber das Paperwhite Display mit Beleuchtung hatte einfach zu viel praktischen Nutzen (macht den Alltag schon wieder einfacher, angenehmer, besser).

    Ansonsten mache ich es ähnlich wie du. Gedruckte Bücher kaufe ich immer noch. Dann aber nur gebunden Ausgaben, auf die ich mich sehr freue. Wobei ich das manchmal selbst nicht verstehe, weil das Lesen auf dem Kindle im Vergleich trotzdem besser ist. Und das Buch befindet sich dann auch oft dort, wo ich nicht bin. Voll unpraktisch.

    Das Thema SelfPublishing wollte ich ursprünglich auch in meinem Text ansprechen, aber dann war die kritische Textlänge schon überschritten. Das Kindle Direct Publishing Programm ist echt bemerkenswert. Publizieren, fast genauso einfach wie ein Blog zu schreiben (in Wirklichkeit ist es sogar einfacher). Es hat die ganze Branche auf den Kopf gestellt. Ich habe auch schon einige dieser Independent-Werke gelesen, einfach toll.

    Du sagst es! Und das kann echt man ganz selten sagen. Der Kindle war einer der besten Anschaffungen der letzten Jahre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *