Apple – Love or Hate?

Eva konnte damals einfach nicht widerstehen. Die verführerische Frucht hatte zu viel Macht. Eva nahm sich einen Apfel vom Baum und genoss die Erkenntnis. Das wurde als Rebellion gegen Gott verstanden. Die Strafe blieb nicht lange aus und wir wurden sogleich (natürlich völlig gerechtfertigt) aus dem Paradies vertrieben. Seitdem versuchen wir irgendwie damit zurecht zu kommen. Das klappt manchmal gut, doch meistens schlecht. Aber immerhin gibt es Hoffnung. Sie kommt aus der Endlosschleife (Infinite Loop) in Cupertino, Kalifornien, USA. Denn Apple bringt uns den angebissenen Apfel und das Paradies zurück. Vom Paradies hat man natürlich nie genug. Einmal in den Apfel gebissen, ist es um uns geschehen – er schmeckt einfach wunderbar. Dafür lieben wir Apple und kaufen, kaufen, kaufen. Jedoch war das nicht im Sinne des Erfinders, schließlich sollen wir uns darauf konzentrieren, unter Schmerzen zu gebären. Und deswegen finden manche Leute den Apfelgeschmack auch ziemlich doof. So oder so, eins ist unbestritten, Apple ist ein äußerst spannendes und einzigartiges Unternehmen.

Apple ist mittlerweile auf vielen Märkten unterwegs. Die Produktpalette besteht aus Hardware, Software, Medien und Diensten. Apple baut Computer, Tablets und Smartphones. Apple entwirft Betriebssysteme und Programme. Apple verkauft Musik, Filme und Bücher. Apple vertreibt Software von Drittherstellern. Zuletzt hat Apple auch noch einige internetbasierte Dienste im Programm. Das klingt erstmal nicht aufregend. Aufregend ist jedoch der Sachverhalt, dass Apple die betroffenen Märkte fast immer komplett auf den Kopf gestellt hat. Hardware ist ja eigentlich ziemlich langweilig. Dafür interessiert sich kein Mensch. Apple ist aber hauptsächlich genau das, ein Hersteller von Hardware, alles andere ist nur Beiwerk. Da muss man zwangsweise fast schon gähnen. Und trotzdem lösen die Produkte von Apple immer wieder Begeisterungsstürme aus. All die leidgeplagten Konkurrenten fragen sich jeden Tag, wie machen die das?

Jobs und Wozniak

Die Gründung von Apple geht auf die Freundschaft zwischen Steve Jobs und Steve Wozniak zurück, deren Persönlichkeiten unterschiedlicher nicht sein könnten. Das traumatisierte Adoptivkind Steve Jobs auf der Suche nach Erfolg und Anerkennung. Der warmherzige Tüftler Steve Wozniak auf der Suche nach Freude und Geborgenheit. Letztlich suchten beide nur die Liebe, die ihnen fehlte. Sie trieben zusammen allerlei Schabernack und hatten richtig viel Spaß miteinander. Zwei unterschiedliche Elemente, die sich passgenau auf die richtige Art ergänzten. Wozniak war ein genialer Erfinder, Jobs Genialität lag dagegen im Geschäft. Und irgendwann kamen sie auf die Idee, einen Computer zu bauen. Das Ergebnis war der Apple 1, welcher erstmalig von Jobs und Wozniak auf einem Treffen des Homebrew Computer Club am 1. April 1975 vorgestellt wurde. Apple 1 bestand eigentlich nur aus einer Hauptplatine und das war’s. Es wurden kaum 200 Exemplare verkauft, aber der Anfang war gemacht. Hergestellt wurden die Platinen im Elternhaus von Steve Jobs, welches deswegen heute unter Denkmalschutz steht (kein Scherz).

Ein Jahr später folgte der Apple 2 und das war schon eine ganz andere Hausnummer. Er wurde ganze 16 Jahre lang gebaut, verkaufte sich über zwei Millionen Mal und war einer der erfolgreichsten Computer seiner Zeit. Das herausstechende Merkmal des Apple 2 war dessen Offenheit. Das System konnte ganz individuell erweitert werden. Alle technischen Spezifikationen waren veröffentlicht, was zu unzähligen Nachbauten von Drittherstellern führte. Der Apple 2 war so erfolgreich, dass IBM das Konzept der offenen Architektur kopierte. Und damit war auch der berühmte IBM-PC geboren, dessen Erfolgsgeschichte bis heute anhält. Dieser Sachverhalt ist in der Öffentlichkeit eigentlich gar nicht so richtig bekannt. Man könnte jetzt die Frage stellen, was aus der Welt geworden wäre, wenn IBM das Vorbild gefehlt hätte?

Es folgten weitere richtungsweisende Innovationen. Xerox erfand die graphische Oberfläche, aber erst Apple ergänzte die wesentlichen Elemente. Auch die Maus wurde nicht in Cupertino erfunden, sondern bei der deutschen Telefunken. Aber Apple griff das Konzept auf und entwickelte darauf basierend die erste Kugelmaus. Apple fügte erstmalig beide Elemente zusammen und schuf damit eine völlig neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Es war geradezu eine Revolution. Und trotzdem war das alles eigentlich nur ein Vorspiel. Nach weiteren Erfolgen, einem Tal der Tränen und der Jahrtausendwende folgte eine unbeschreibliche Innovationswelle, die ihresgleichen sucht. Der biblische Auftrag von Apple wurde langsam offenbar. Heute ist Apple die wertvollste Marke der Welt und zeitgleich das teuerste Unternehmen des Planeten.

iPod, iPhone, iPad

Angefangen hat es mit dem iPod im Jahr 2001. Eigentlich lag damals die ganze Musikindustrie am Boden. MP3-Player verkauften sich nur mäßig. Die ganze Branche stand wegen dem nervigen Kopierschutz in der Kritik. Das Umfeld war also wirtschaftlich nicht sonderlich attraktiv. Apple ließ sich davon nicht beeindrucken und brachte mit dem iPod ein einzigartiges Gerät auf dem Markt. Der iPod war der erste MP3-Player mit integrierter Festplatte. Mit dem sogenannten Click Wheel konnte man die Musik spielend einfach auswählen. Und zuletzt war das wundervolle Design von Jonathan Ive einfach ein Traum.

Gewöhnlich konzentrieren sich Unternehmen immer auf ihre Kernkompetenzen und stoßen alles andere ab. Apple dagegen ist immer den umgekehrten Weg gegangen. Nach dem iPod hat Apple zwei Jahre später damit begonnen, Musik über das Internet zu verkaufen. Ursprünglich war der iTunes Music Store nur als Zusatzfunktion für den iPod gedacht. Aber die Umsätze sind Jahr für Jahr gewachsen. Und irgendwann war Apple der größte Musikverkäufer des Internets. Das gab dem Unternehmen eine unglaubliche Macht. Diese Macht hat Apple dazu genutzt, die elektronische Musik von ihren Fußfesseln zu befreien. Am 6. Februar 2007 veröffentliche Steve Jobs einen offenen Brief mit dem Namen „Thoughts on Music“. Der Brief war an die Major Labels gerichtet und forderte die Erlaubnis ein, Musik ohne Kopierschutz zu verkaufen. Damit wurde das Ganze ins Rollen gebracht. EMI machte den Anfang und danach fielen nach und nach auch die anderen Major Labels um. Amazon sprang damals sofort auf den Zug auf und erstmalig wurde Musik im Internet ohne Kopierschutz verkauft. Thank you, Steve. Vier Jahre später veröffentlichte Apple den Dienst iTunes Match. Mit iTunes Match konnte man seine Musik in der Cloud speichern, aber nicht nur das. iTunes Match war eine riesige Waschmaschine für kopierte Musik. Hinein ging eine Raubkopie, heraus kam ein Original. Genauso wie Jesus Christus die Menschen erlöste Apple all die Raubkopierer von ihren Sünden.

Aber das war quasi gar nichts gegen das iPhone, das Apple 2007 auf den Markt brachte. Das iPhone war einfach nur unglaublich, atemberaubend und katapultierte Apple endgültig in die Unsterblichkeit. Steves Traum wurde Wirklichkeit. Das iPhone hat unbestritten die Delle im Universum hinterlassen und Apple wurde zum Schöpfer der modernen Lebenswirklichkeit. Eigentlich waren wir damals mit unseren Handys zufrieden. Sie hatten kleine Bildschirme und viele Tasten. Zum Schreiben musste man mehrmals auf die einzelnen Zahlen drücken. Und das allein nur, um einen Buchstaben auszuwählen. T9 hielten wir dabei für eine Innovation. Internet und eMail war zwar möglich, hat aber nicht wirklich Spaß gemacht. Wir dachten, das läge in der Natur der Sache. Internet und Handy, das passt einfach nicht zusammen.

Das iPhone hat uns die Augen geöffnet und gezeigt, was möglich war. Man konnte damit auf bahnbrechend einfacher Weise im Internet surfen. Die Webseiten wurden in voller Schönheit dargestellt. eMails waren blitzschnell geschrieben. Man brauchte dafür keine Anleitung, sondern nur den eigenen Finger. Video und Musik waren möglich, sogar in High Quality. Und nicht nur das, das iPhone hatte einen eingebauten Kompass und Geolokalisierung. Mit Hilfe von Google Maps wusste man immer, wo man war. Der Bewegungssensor hat völlig neue Spielkonzepte für Gamer ermöglicht. Aber es geht noch weiter. Man konnte auf Knopfdruck weitere Programme aus dem App Store über das Internet installieren. Es warteten tausende von Programme auf das Ausprobieren und diese Programme machten aus dem iPhone ein wahres Wunder. Wir standen alle nur da und staunten. Es war Erleuchtung und es war Himmel zugleich.

Nokia, Sony, Motorola. All die riesigen Konzerne, welche schon jahrelang Handys entwickelten, produzierten und verkaufen. Und dann kommt Apple einfach so daher, veröffentlicht sein erstes Smartphone und es ist der Konkurrenz um Lichtjahre voraus. T-Mobile war damals so heiß auf das iPhone, dass es für den Erwerb der Exklusivrechte sogar einen Teil der monatlichen Gesprächsumsätze an Apple abtrat. Es dauerte fast drei Jahre bis die Mitbewerber den Vorsprung aufholten und konkurrenzfähige Geräte am Markt platzierten.

Aber da war Apple schon einen Schritt weiter und veröffentlichte das iPad. So langsam wurde es wirklich gruselig. Das iPad war das erste richtige Tablet, die logische Fortführung vom iPhone und stand völlig allein auf einem riesigen Marktsegment ohne Konkurrenten am Horizont. Der Erfolg des iPad war beispielslos. Lange Schlangen vor den Geschäften. Monatelang ausverkauft. Steve versprach uns ein magisches Gerät und das war nicht gelogen. Die Art und Weise, wie wir das Internet benutzen, hat sich durch das iPad komplett verändert. Wir sitzen nicht mehr am Schreibtisch, sondern liegen bequem auf der Coach. Die Verlage haben Apple geradezu unterwürfig gefeiert und gleichzeitig biblische Vergleiche angestellt. Moses brachte uns die zehn Gebote, Steve Jobs brachte uns die magische Tafel. Dahinter stand die Hoffnung, dass die eigene Welt vielleicht doch nicht untergeht (damit waren Umsätze gemeint). In nur zwei Jahren gelang es dem iPad, den digitalen Alltag weltweit zu verändern und tief in die Gesellschaft einzudringen. Und es hat ebenso ganze zwei Jahre gedauert bis Mitbewerber den Technologievorsprung aufholen konnten.

One more thing

Neben diesen außergewöhnlichen Innovationen ist es Apple in den letzten Jahren immer wieder gelungen, uns in allen Bereichen zu überraschen und fortlaufend neue Industriestandards zu setzen. Das MacBook Air war das erste Ultrabook und lange Zeit das dünnste Notebook der Welt. Die MacBooks im Unibody-Gehäuse, welche aus einem Block Aluminium gefertigt wurden, erreichten ein neues Qualitätsniveau. Siri war die erste Sprachsteuerung, die uns problemlos versteht. Unter dem Namen Retina wurden die ersten hochauflösenden Displays veröffentlicht, auf denen man mit dem bloßen Auge keinen Pixel mehr erkennen konnte. Airplay, Airport und AppleTV schufen schrittweise ein preiswertes Multimedia-Home-System. Fingerabdrucksensoren waren eigentlich ein alter und umständlicher Hut. Beim iPhone 5S wurde der Fingerabdrucksensor unsichtbar im Homebutton implementiert. Warum hat da niemand vorher mal dran gedacht? Warum muss immer erst Apple kommen und die Sache richtig machen?

Unsere Hormone sind also permanent in Wallung und wir springen vor Glück. Mehr! Ich will mehr! Gib mir mehr! Vielleicht war es gar nicht so verkehrt, Adam und Eva die Früchte zu verbieten. Wir kennen die Grenzen nicht. Wir wissen nicht, wann es genug ist. Wir wollen immer nur mehr. Schneller, höher und weiter. Unsere Erwartungen steigen und steigen. Mittlerweile haben sie ein Niveau erreicht, an dem Apple fast zerbricht.

Wir wollen das nächste Ding und wir wollen es jetzt. Warten macht keinen Spaß. Wir werden böse, wenn wir es nicht bekommen und wenden uns ab. Loyalität war gestern. Apple ist auch nicht mehr das, was es mal war. Die besten Zeiten hat Apple hinter sich. Apple läuft dem Markt hinterher. Steve Jobs ist weg und die Luft ist einfach raus.

Doch wir müssen uns keine Sorgen machen. Schon mal von Pipin gehört? Das war eine Spielkonsole von Apple, die 1995 erschienen ist. Apple hat schon sehr viele Flops abgeliefert. 1998 wurde MacOS insgesamt 5 Jahre lang mit dem Internet Explorer von Microsoft ausgeliefert, weil die eigene Software technologisch um Jahre zurück lag. Manchmal war man auch zu früh dran. 1993 (!) erschien der Macintosh TV, welcher Fernsehen und Computer miteinander verbinden wollte. Wir waren aber erst 15 Jahre später bereit, diesen Schritt zu gehen. Apple hat sogar schon mal einen PDA gebaut, er nannte sich Newton. Und dann war da auch noch die Digitalkamera QuickTake, welche nur wenige Jahre auf dem Markt war. Trotz dieser erfolglosen Produkte haben die Apple Ingenieure später iPod, iPhone und iPad gebaut. Es ist ein ganz normaler Prozess. Das ist das Leben. Manchmal läuft es gut, manchmal läuft es schlecht. Und wenn es schlecht läuft, können wir daraus lernen. Deswegen werden wir auch die farbigen iPhones überleben, in ein paar Jahren spricht davon niemand mehr. Auch Steve hat schon einmal farbige iMacs durch die Worte „one more thing“ vorgestellt. Man kann nicht jeden Tag eine Delle in das Universum schlagen.

Apple Atheisten

Die letzte bahnbrechende Innovation liegt nun schon drei Jahre zurück. In der Regel werden neue Produkte von Apple im Rahmen einer Keynote präsentiert. Ein wichtiges Ereignis für Apple Liebhaber. Der Termin wird im Kalender notiert und mit jedem Tag wächst die Vorfreude. Es fühlt sich ein bisschen wie Weihnachten an. Apple Freunde treffen sich abends im kleinen Rahmen. Die Bescherung findet meistens gegen 19:00 Uhr statt. Man macht es sich auf der Coach gemütlich und genießt die Keynote über das Internet per Liveübertragung. Überall im Internet scrollen die Live-Ticker vor sich hin. Und auf Twitter gibt es nur noch ein Thema. Apple Kritiker können darüber nur den Kopf schütteln und sich auf den nächsten Tag freuen. In allen Zeitungen steht, schon wieder kein one more thing.

Es ist immer das Gleiche. Sofort stürzen sich alle Parteien auf die neu vorgestellten Produkte und suchen das Haar in der Suppe. Firmen gehen hin und zerlegen die Hardware. Die Platine ist gelötet, nicht verschraubt. Man kann es nicht so gut wie den Vorgänger reparieren. Wer liefert die Speicherchips? Wer fertigt den Prozessor? Was kosten die Einzelteile im Vergleich zum Gesamtprodukt? Völlig normal sind Kinderkrankheiten in den ersten Produktionschargen und deswegen normalerweise auch keine Berichterstattung wert. Das mag für andere gelten, aber nicht für Apple. Wenn Apple Fehler macht, lohnt sich jede Reportage.

Die professionelle Apple Gegenbewegung hat sich mit dem Erscheinen des iPhone formiert. Und das ist auch ganz normal. Große Ströme von Begeisterung schaffen automatisch einen Gegenpol der Ablehnung. Zuvor hat man Apple einfach nur als kreativen Nischenhersteller verstanden, dessen Produkte hauptsächlich im Bereich Medien und Design eingesetzt wurden. Durch das iPhone wurde jedoch allen klar, die Sache ist größer. Jetzt musste man sich wehren. Zum Glück waren die iPhone Eigenheiten ein leichtes Opfer. Man konnte keine eigenen Klingeltöne verwenden, man konnte keine externen Speicherkarten benutzen, man konnte den Akku nicht selbst austauschen. iPhone User hat das alles trotzdem nicht interessiert. Externe Speicherkarten? WTF! Das iPhone hat 16 GB Speicherplatz, wozu braucht man da eine externe Speicherkarte? Das lässt dann schon mal die Emotionen kochen. Neben dem spielerischen Schwanzvergleich ist es jedoch geradezu erschreckend, wie weit die Ablehnung teilweise geht. Ich hasse Apple (und die User dazu). Im Internet sind solche Aussagen keine Seltenheit.

Von den Medien wird oft die Geschlossenheit des Unternehmens kritisiert. Apple ist hermetisch abgeriegelt. Nichts dringt hinein, nichts dringt heraus. Das gehört sich für Unternehmen in dieser Größenordnung einfach nicht. Offenheit bringt die Menschen zusammen und warum sich Apple diesem Sachverhalt gegenüber verschließt, bleibt unbekannt. Die Stille führt zu seltsamen Auswüchsen. Wenn Tim Cook auf dem Weg zur Arbeit nur hustet, greifen das alle Zeitungen auf. Worüber sollen sie auch sonst berichten?

Der gleiche Einwand besteht ebenso in technischer Hinsicht. Apples Plattformen sind geschlossene und proprietäre Systeme. Man weiß nicht, was drin ist. Manchmal kann man nicht heraus. Manchmal kann man nicht hinein. Unbekümmert lebt es sich nur, wen man sich innerhalb der Systemgrenzen bewegt. Und allein Apple herrscht über dieses Universum. Aber zum Glück gibt es auch Mitbewerber, die auf offene Systeme setzen. Teilweise ist die Kritik richtig, teilweise ist die Kritik falsch. Apple ist wesentlich offener als man annimmt. MacOS war das erste große Betriebssystem, welches von der Open Group nach dem UNIX 03 Standard zertifiziert wurde. Der Kernel von MacOS basiert auf dem Linux Kernel Darwin und steht als Open Source als Download bereit. Wer mag kann den MacOS Kernel erweitern und selbst wieder kompilieren. Im Mobilbereich gewähren Android Plattformen ebenso keinen Root-Zugriff auf das Dateisystem. Und auch bei der Windows Cloud ist ein freier Zugriff auf die Daten über freie Protokolle nicht möglich. Apple ist nicht besser und zeitgleich auch nicht schlechter.

Zuletzt stand Apple sehr oft wegen mangelhaften Arbeitsbedingungen bei Zulieferern in schlechtem Licht. In den westlichen Medien wurde immer wieder sehr breit und umfassend über die Ausbeutung bei Foxconn und Pegatron berichtet. Die Kritik konzentrierte sich in voller Bandbreite fast ausschließlich auf das Unternehmen Apple, obwohl alle namhaften großen Hersteller bei Foxconn produzieren lassen. Der neue Mac Pro wird nun in einer eigenen Fabrik in der USA gebaut. Er kostet 3000 Dollar (Einstiegspreis).

Die Apple Philosophie

Geld ist die treibende Motivation. Das ist die vorherrschende Meinung. Umsatz, Gewinn, Rendite. Apple hat sozusagen den Kommerz erfunden. Diese Schlussfolgerung liegt natürlich nahe, bleibt aber nur eine Vermutung. Apple sitzt auf einem Berg von Barreserven in Höhe von 147 Milliarden Dollar. 147 Milliarden Dollar! 147 Milliarden Dollar liegen bei Apple einfach so rum. Verstreut auf kurzfristen Bankkonten und ähnlichen Anlageformen. Geld sollte aber arbeiten, fließen und reinvestiert werden, um sich zu vermehren. Apple schüttet es noch nicht mal als Rendite aus, was zunehmend von den Anlegern gefordert wird. Wer profitiert von diesem Geld? Niemand kann sich an diesem Geld bereichern, wenn es nur auf der Bank liegt und nicht eingesetzt wird. Apple selbst ist nur eine immaterielle Legal Entity ohne eigenes Bedürfnis. 147 Milliarden Dollar.

Apple könnte auch noch so viel mehr Geld verdienen, wenn Apple nur wollte. Die Software von Apple war schon immer viel zu günstig. Was sind schon 30 Euro für ein neues Betriebssystem oder 30 Euro für eine Office Suite? Das hat doch niemals die Entwicklungskosten gedeckt. Microsoft zeigt, wie man Software mit Erfolg sehr teuer verkaufen kann. Hey, wir würden sogar für iOS Updates zahlen! Und jetzt geht Apple auch noch hin und verschenkt seine Software. Was ist da bei Apple los? Damit nicht genug, wir warten schon seit Jahren darauf, dass AppleTV für Fremdsoftware geöffnet wird. Was könnte man mit dieser kleinen (magischen) Box für geile Sachen machen. Das gleiche gilt für die iCloud. Warum kann man dort keine WebApps von Drittherstellern installieren? Und wann kommt endlich die Digitalkamera mit iOS und integriertem iPhoto? KLICK und schwups ist das Photo in der Cloud. Eine Digitalkamera, die man endlich anständig bedienen kann, ohne vorher doofe Manuals zu studieren. Apple, sag mir, wo klemmt’s? Wir würden machen, was wir immer tun, kaufen, kaufen, kaufen.

Apple macht einfach sein eigenes Ding. Und wenn wir ehrlich sind, ist es auch genau das, was wir gut finden. Wir lieben Menschen und Unternehmen, die eine Idee haben und hinter dieser Idee stehen. Die alles geben, um diese Idee in die Welt zu tragen. Natürlich darf man dabei auch Geld verdienen und es liegt in der Natur der Sache, dass es gerne etwas mehr sein darf. So denken wir schließlich auch für uns privat.

Dabei schafft sich Apple auch immer wieder neue Inseln, indem das Unternehmen fremde Märkte betritt. Connecting the dots. Steve Jobs sagte im Jahr 2005 in seiner berühmten Rede an der Standford Universität, irgendwann verbinden sich all diese einzelnen Punkte miteinander zu etwas Größerem. Und genauso ist es. Der iTunes Music Store war anfangs nur ein dezidierter iPod-Musik-Lieferdienst. Dieser Startpunkt hat sich über die Jahre zur iCloud weiterentwickelt, welche nun alles miteinander verbindet. Eins führt zum anderen.

2001 hat der erste Apple Store in Virginia geöffnet. Und alle Konkurrenten dachten sich, oh Mann, was machen die jetzt? Sind die doof? Das klappt doch nie! Ein Ladengeschäft für einen Hardware-Hersteller, das kann nur ein Reinfall werden. Und es kam genau andersrum. Apple Stores sind richtige Leuchttürme, die wie ein Magnet wirken. Nicht, weil Apple drauf steht, sondern weil die Liebe im Detail steckt. Jeder einzelne Apple Store hat seine eigene Besonderheit und eine einzigartige Architektur. Die Glasfronten sind völlig individuell konstruiert und teilweise durch Patente geschützt. In den Geschäften selbst sind die Produkte nicht hinter Glasvitrinen versteckt, sondern sie laden zum Ausprobieren ein.

Das Streben nach Perfektion befindet sich tief in der Apple Genetik. Und so findet man Schönheit auch an jenen Stellen, wo sie eigentlich gar keinen Sinn macht (z.B. im Innenleben der Geräte). In heiliger Mission hat Apple irgendwie die Gabe erhalten, mit Normen zu brechen und Formen komplett neu zu erdenken. Das Ergebnis sind wahrhafte Kunstwerke wie der Power Mac G4 Cube, welcher im Museum of Modern Art in New York ausgestellt wird. Beispiellos ist auch die zweite iMac Generation von 2002. Ein Computer, der an eine Sonnenblume oder Nachttischlampe erinnert. Der Bruch mit dem Bisherigen wird dabei nicht nur äußerlich vollzogen, sondern findet ebenso in technischer Hinsicht statt. Der neue Mac Pro in Schwarz zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn man sich von dem bisherigen Strukturen löst und einen Desktoprechner neu erfindet. Es ist so viel mehr möglich.

Und diese neuen Strukturen provozieren! Die Perfektion glänzt und funkelt in das Universum. Sobald man aber den Blickwinkel und Kontext wechselt, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Und was vorher ohne Makel war, gilt nun als inakzeptabel. Und das ist gut so! Apple fordert immer wieder aufs Neue heraus. Industrie und Mitbewerber stellen sich dieser Provokation mit Erfolg und entwickeln eigene, andere Konzepte, die sich Apple nie hätte selbst ausdenken können. So entsteht eine ständige Befruchtung, die immer wieder neue Ansätze und Innovationen hervor bringt. Für die Branche ist Apple als wichtiger Impulsgeber fast schon unverzichtbar geworden.

Nach all den Erfolgen hat Apple aber nie vergessen, wo alles seinen Ursprung hat. Als Steve Jobs am 5. Oktober 2011 an seinem langjährigen Krebsleiden verstarb, schaltete das Unternehmen nachstehende Anzeige vor die eigene Internetseite.

Steve Jobs died

Apple hat ein visionäres und kreatives Genie verloren. Und die Welt einen außergewöhnlichen Menschen. Wer das Glück hatte, Steve kennenzulernen und mit ihm zu arbeiten, hat einen Freund und inspirierenden Mentor verloren. Steve hinterlässt ein Unternehmen, das nur er so aufbauen könnte, und sein Geist wird Apple für immer prägen.

Danke Steve, Danke Apple

Apples Auftrag ist ein anderer. Seid ihr denn alle blind? Das Paradies! Es ist das Paradies. Apple möchte uns das Paradies zurück bringen. Der angebissene Apfel ist das Sinnbild der Mission. Und wir folgen diesem Kreuzzug ins Glück! Wir folgen!

In unserer Welt herrscht Überfluss. Gegenstände, Dinge, Sachen. Wir konsumieren, konsumieren, konsumieren. Die Produkte sind beliebig und austauschbar. Kaufen, gebrauchen, wegwerfen. Unsere Wertschätzung gegenüber Gebrauchsgegenständen geht mittlerweile gegen null. Über neue Sachen freuen wir uns auch nicht mehr richtig. Vielleicht für einen Augenblick, aber nicht mehr über den Augenblick hinaus. In unserer Kindheit war das mal anders. Und wir denken daran gerne zurück. All die wunderschönen Geschenke an Weihnachten. Sie brachten unsere Augen zum Leuchten. Apple bringt uns diese Erinnerung zurück. Wir bleiben ewig jung, wir bleiben ewig Kind.

Eindeutig Brainwash! Aber sowas von Brainwash! Das sagt die Apple Gegenbewegung und schüttelt erneut den Kopf. Da hören wir schon gar nicht mehr hin. Wenn Apple ein neues Produkt veröffentlicht, schlagen wir schon 24 Stunden vor dem Verkaufsstart unsere Zelte vor dem Apple Store auf. Wir nehmen uns Stühle, Decken, Verpflegung und etwas zu Lesen mit. Wir frieren in der Nacht und lassen uns auch vom Regen am Tag nicht vertreiben. Unbeteiligte Passanten fragen sich, was ist da los? Ein Prominenter? Eine Show? Gibt es etwas umsonst? Nein, wir feiern ein Fest. Und wir feiern das Fest nicht alleine. Wir teilen diese Freude mit all den vielen Menschen hier. Wir sind fröhlich, wir haben Spaß, es fühlt sich gut an. Die Schlange ist schon hundert Meter lang und wächst immer noch. Die Party geht erst richtig los!

Wir freuen uns. Und weil wir uns freuen, freuen wir uns noch mal etwas mehr. Weil das Freuen etwas Seltenes geworden ist. So muss es sich angefühlt haben. Das Paradies!

Über den Autor
Marco Hitschler wohnt in Mannheim und schreibt auf diesem Blog beliebige Texte in das Internet hinein. Sein Handwerk ist die Informatik und beruflich arbeitet er im Projektmanagement. Wenn man einmal mit dem Bloggen angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören. Furchtbar! Infolgedessen wird auf diesem Blog ganz kunterbunt in verschiedenen Formaten publiziert.
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