Über Löwen, Geschenkpapier und Nervenkostüme

Löwen sind ja auch so ein Sternzeichen. Wenn sich jemand mit dem Ego auskennt, dann die. Überheblich, kritikunfähig, selbstsüchtig. Da hat man schon keine Lust mehr auf Löwen und will die Eigenschaften gar nicht weiter aufzählen. Wenigstens sollen die gut im Bett sein (angeblich). Die Männer zumindest! Eine Löwin wäre dagegen viel zu anstrengend (da musste liefern). Aber es gibt auch etwas Gutes zu berichten: An Weihnachten sind Löwen in der engeren Familie äußerst praktisch. Man muss nichts machen (noch nicht mal brav sein) und wird von oben bis unten von Geschenken überhäuft. Die können nichts dafür, die sind halt so. In deren Algorithmus wurde das fest implementiert. Äußerst unpraktisch ist es nur, wenn man selbst der Löwe ist.

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Gedanken entlang des Bewohnerparkausweis EXTENDED

Es gibt Fragen, die mag ich nicht so sehr gern. „Was gibt es Neues?“ zum Beispiel. Die Antwort fühlt sich unangenehm an. Die Abwesenheit der Veränderung drängt sich in das Bewusstsein und ich muss dabei an Stillstand und die Vergänglichkeit der Zeit denken. Im Kontrast dazu möchten sich aber in meinem Leben einfach keine stabilen Rituale einstellen. Immer wenn sich mal (versehentlich) eine Zeremonie eingebürgert hat (so was denkt man sich ja nicht aus), die man lieb gewinnt, auf die man sich freut, an der man sich orientiert, zerfällt der Brauch nach kurzer Zeit. Das steht natürlich im Widerspruch zum Erstgesagten. Auf diesen Konflikt habe ich keine Antwort und finde ihn selbst etwas sonderbar. Immerhin, Ausnahmen bestätigen die Regeln. Es gibt da so was, darauf freue ich mich jedes Jahr.

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Frohe Weihnachten

But what I hope most of all is that you understand what I mean when I tell you that even though I do not know you and even though I may never meet you, laugh with you, cry with you, or kiss you, I love you. With all my heart, I love you.

Du bist tot und ich bin am Leben

An diesem Tag war der Himmel voller grauer Wolken. Ich habe mich entsprechend wohl gefühlt. Ich mag das einfach, dieses beschauliche Grau. Zu oft fühle ich mich wie ein Fremdkörper, aber an diesem Tag war ich auf seltsame Weise mit der Welt verbunden. Irgendwann habe ich mein Notebook zugeklappt und bin spontan weg. Meine Kollegen haben sich schon etwas gewundert. Ich wusste auch nicht richtig, wie ich das erklären sollte. Bin in die Straßenbahn eingestiegen und ein paar Haltestellen später, aber auch ein paar Haltestellen früher als normal wieder ausgestiegen. Ich wollte auf dem Nachhauseweg noch ein bisschen Luft schnappen und ein Stück spazieren. Ich mag es, mir die Leute anzuschauen, die mir entgegen kommen. Ich mag es, mir die Leute zu betrachten, die in den Cafés sitzen. Ich mag es, die vorbeifahrende Straßenbahn zu beobachten. Auf dem Weg traf ich eine Bekannte und wir sind ein Stück zusammen gelaufen. Manchmal stimmt einfach die Chemie zwischen den Menschen, obwohl ich mich gar nicht richtig an ihren Namen erinnern konnte. Irgendwie war für den Moment alles perfekt und ich habe das sehr genossen. Kurz darauf schloss ich meine Wohnungstür auf, wechselte die Schuhe, räumte ein paar Dinge aus der Handtasche an ihren Wohnungsplatz.

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Das ABC des kleinen Mülleimers

Müll, ein kleines Wort, aber viel dahinter. Müll ist eigentlich schon viel zu pauschal. Es gibt Hausmüll, Restmüll, Bioabfall, Altpapier, Leichtstoffverpackungen (Gelber Sack), Sperrmüll und sogar Sondermüll. Jeder dieser Mülltypen hat seine eigene Tonne und einen spezifischen Abtransport. Und damit geht das Drama auch erst richtig los, denn jeder Müll besitzt sein eigenes individuelles Wertstoffkreislaufsystem. Noch viel spannender ist aber die Frage, was der Müll über den Menschen selbst aussagt. Ein anderes Wort für Müll ist beispielsweise Überrest. Und warum gibt es das überhaupt, Überrest? Kann man mit diesem Rest tatsächlich nichts anders anstellen als in die Tonne werfen? Ich möchte hier aber nicht nur über Müll diskutieren, sondern im gleichen Atemzug einen aktuellen Beitrag zur Twitter-Forschung abliefern, auch wenn das im ersten Moment schon etwas komisch klingt. Aber bei der Frage, was ist Twitter, und was machen wir dort, da sind wir doch bisher auch noch nicht wesentlich weitergekommen, oder?

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Automatisierter Journalismus

Früher hat man immer einen Menschen gebraucht. Um etwas zu schaffen, zu verrichten oder zu erledigen. Der Mensch hat das Feld bestellt. Und der Mensch hat die Früchte geerntet. Das war ziemlich anstrengend. Mittlerweile haben wir zum Glück die Maschinen erfunden. Seitdem gehen uns die Sachen leichter von der Hand. Viele Aufgaben haben wir sogar schon komplett den Maschinen überlassen und müssen die Maschine eigentlich nur noch einschalten. Die Arbeit macht dann die Maschine ganz von allein. Wir müssen die Maschine weder bedienen noch beobachten. Eine tolle Sache. Das hat uns so gut gefallen, dass wir nach den Maschinen die Informationstechnik erfunden haben. Informationstechnologie ist quasi das nächste Level. Die Sache klingt im ersten Moment eigentlich ziemlich langweilig. Man nehme beliebige Informationen, transformiert diese Daten und heraus kommt dasselbe, nur in anderer Form. Wer das nicht kapiert hat, kann mal kurz 3 + 5 ausrechnen. Letztlich ist Informationstechnik ein Synonym für Intelligenz. Unser Gehirn macht ja schließlich auch nichts anderes. Der Input ist die Welt, die Transformation ist unser Denken und heraus kommt unser eigener Standpunkt.

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Wirtschaftskrisenendlosschleife

Wenn ich das Schlagwort Wirtschaftskrise höre, dann stelle ich meistens gleich auf Durchzug. Ich kann das einfach nicht mehr hören. Da schwingt mir zu viel Weltuntergang mit. Ist doch nur Wirtschaft. Leider nimmt dort das Unglück nur seinen Anfang und kommt am Ende doch immer im Leben des Einzelnen an. Jedenfalls hab ich aber den Überblick bei den Krisen total verloren. Das waren einfach zu viele Krisen in letzter Zeit. Das kann mir doch niemand übel nehmen, oder? Was zu viel ist, ist zu viel. Zu viel Panik für etwas völlig normales. Es kann nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein. Was nach oben schießt, fällt auch herunter. Im Gegensatz zu den theoretischen Wirtschafskrisen sind private Lebenskrisen natürlich eine andere Hausnummer. Wenn sich ein ganzer Lebenslauf auflöst und neu zusammenfaltet, das macht schon richtig Gänsehaut. Wer das übersteht, wer danach aufsteht, wer daran wächst, trägt einen unglaublichen wertvollen Erfahrungsschatz in sich. Die gewonnene Lebenskompetenz schützt uns immer besser vor kritischen Situationen. Im Kontrast dazu nützt uns wachsende Wirtschaftskompetenz scheinbar überhaupt nichts, Wirtschaftskrisen werden immer größer, kommen immer schneller, hören irgendwie gar nicht mehr auf.

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Die Erwartung in dir

Sie ist in dir und nicht in mir. Sie ist in deinem Kopf, sie ist in deinen Gedanken. Du hast sie selbst erschaffen. Du bist ihr Architekt allein. Woher du kommst, was du erlebt hast, was du tust. Es floss alles in den Bauplan ein. Raumklima, Belichtung und Material, die Innenarchitektur hast du dir selbst konzipiert und ausgedacht. Es standen dir keine Berater zur Seite. Das Haus wurde ganz nach deinen Wünschen gebaut. Es wurde nicht nur für dich gebaut, du hast es selbst gebaut. Du hast die ersten und letzten Steine gesetzt, du hast die Wände gestrichen, du hast den Boden verlegt. Trotzdem hat es dich keine Mühen gekostet, du hast nicht geschwitzt, du hast dich nicht schmutzig gemacht, das ging alles mehr oder weniger implizit nebenbei. Kaum war es eingerichtet, war es unmittelbar nicht mehr dein Geschmack. Das Leben verändert sich, du selbst veränderst dich, deine Bedürfnisse verändern sich. Deine Gedanken, deine Wünsche, deine Erfahrungen deformieren dieses Gebilde permanent. Es ist niemals gleich und immer anders. Du vergewaltigst es jeden Tag.

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Love Exposure, 237 Minuten

Wie soll man dieses Gefühl erklären? Wie soll man etwas erklären, an dessen Erklärung wir bisher immer nur gescheitert sind? Wie soll man erklären, wofür es keine Erklärung gibt? Schon seit Jahrtausenden schreiben sich Autoren die Finger wund, um sie einzufangen, um sie einzukreisen, um sie zu erklären. Die Liebe. Aber jeder Versuch endet maximal mit einem Teilerfolg. Wir blättern und schaben einzelne Facetten aus dem Ganzen und auch die Summe aller Teile bleibt letztlich nur ein Fragment. Jede Erklärung ist zu wenig. Vielleicht gibt es auch gar nichts zu erklären. Vielleicht ist sie einfach nur da. Aber sie ist nicht nur da, manchmal muss man sie erst entdecken. Aus Nichts kann doch nichts entstehen, und trotzdem kommt sie manchmal wie aus dem Nichts heraus. Sie wächst und gedeiht. Sie weitet sich auf unendliche Weise in einem Raum ohne Grenzen. Wenn wir diesen Raum gemeinsam betreten, empfinden wir trotzdem verschieden, weil Liebe nie gleich ist, und ihren Reichtum an Varianten mit uns ausspielt. Wie soll man das einfangen? Wie soll man das begreifen? Es bleibt vergebliche Liebensmüh. Von Liebensmühen erzählt auch das unverwechselbare Filmkunstwerk Love Exposure.

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Besser tweeten mit Schablonen

Twitter zu erklären, das ist nicht einfach. Tweets zu schreiben, das ist noch viel schwieriger. 140 Zeichen, das wird gerne unterschätzt. 140 Zeichen, die einladen, die anstecken, die infizieren, das muss man erst einmal hinbekommen. Nicht nur einmal, sondern in guter Frequenz immer wieder. Die Timeline macht für gute Tweets keine Kompromisse. Soeben rausgezwitschert, schiebt sich der Tweet konsequent in der Timeline nach unten. Nach kurzer Zeit verschwindet der Tweet im Universum. Zudem gibt es auf Twitter sehr viele gute Mikroblogger. Sie verlangen permanent nach unserer Aufmerksamkeit. Aber Aufmerksamkeit, das haben wir leider nur begrenzt. Es hilft alles nichts, wir müssen selektieren. In Anbetracht dieser Auslese haben es Neuankömmlinge einfach schwer. Die brauchen einen langen Atem. Es dauert Zeit bis man sein Publikum gefunden hat. Immerhin mangelt es nicht an Themen. Der Alltag liefert fortlaufend neue Momente, die man durch einen Tweet verprotokollieren kann. Also einfach den Augenblick abschreiben oder folgende Schablonen zu Hilfe nehmen.

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